CD-Review: Throane - Plus Une Main À Mordre

  • Veröffentlichung: 2017
  • Label: Debemur Morti Productions
  • Spielart: Black Metal
Besetzung

Dehn Sora – Gesang, Instrumente

Gastmusiker:
Colin H. Van Eeckhout – Gesang (Track 06)
Sylvain Doerier – Gesang (Track 06)
Vlnoir – Gesang (Track 06)
Gregoire Quartier – Schlagzeug

Tracklist

01. Aux Tirs Et Aux Traits
02. Et Ceux En Lesquels Ils Croyaient
03. À Trop Réclamer Les Vers
04. Et Tout Finira Par Chuter
05. Mille Autres
06. Plus Une Main À Mordre


2016 versuchte sich Dehn Sora, der kreative Kopf hinter den obskuren Artworks von Blut aus Nord, mit seinem Projekt THROANE erstmals als Solomusiker. Das Ergebnis, das auf den Namen „Derrière Nous, La Lumière“ hörte, war ein unglaublich zähes, kräftezehrendes Industrial-Black-Metal-Machwerk, ein schonungslos hässliches Abbild urbaner Isolation und Verzweiflung. Dementsprechend unangenehm war jedoch auch das trotz seiner kurzen Laufzeit nicht enden wollende Hörerlebnis, dem man sich dabei ausgesetzt sah. Nur ein Jahr später holt der Franzose zum zweiten Schlag aus und schon das abermals grau-schwarze, beklemmende Artwork prophezeit, dass „Plus Une Main À Mordre“ um keinen Deut weniger schmerzhaft wird.

Das einleitende „Aux Tirs Et Aux Traits“ beginnt genau dort, wo THROANE im Vorjahr aufgehört hatte: Dröhnende, verschlissene Gitarrenwälle brechen über einlullendes, schleppendes Drumming herein, während im Hintergrund diesmal gleich mehrere Sänger gequälte Screams aus ihren Kehlen erbrechen. Aus welchem Grund das Schlagzeug und Teile des Gesangs diesmal mit Gastmusikern aufgenommen wurden, ist mehr als fraglich. Ersteres ist nämlich wie schon auf dem Debüt extrem monoton arrangiert, dafür hätte es wohl keinen besonders fähigen Schlagzeuger gebraucht.

Die gesanglichen Gastbeiträge im abschließenden zwölfminütigen Titeltrack bleiben ebenfalls hinter ihren Möglichkeiten zurück, denn die meiste Zeit über hat man es bei THROANE mit hysterischem Geschrei zu tun, das keine Unterschiede zwischen den Stimmen erkennen lässt. „Unterschiede“ ist indes ein gutes Stichwort zur Überleitung auf die Instrumentalisierung. Diese sind nämlich weder zwischen den einzelnen Tracks noch im Gesamtvergleich zum Debüt von THROANE vorhanden. Wie es leider zu erwarten war, krankt „Plus Une Main À Mordre“ an denselben Punkten wie sein schwer verdaulicher Vorgänger.

Melodien sucht man hier wieder mal vergebens und die einzige nennenswerte Entwicklung des Songwritings ist, dass die Tracks diesmal zum Teil doppelt so lang sind. Denkt man diesbezüglich daran zurück, dass schon das Debüt eine halbe Stunde gefühlt zu einer halben Ewigkeit werden ließ, ist dies ein zweifelhafter Fortschritt. Dass der immer noch bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Sound kaum wahrnehmbar klarer ausgefallen zu sein scheint und sich mehr ruhige, allerdings nicht minder raue, unmelodische Abschnitte finden, lässt THROANE jedenfalls nicht in einem besseren Licht dastehen.

Irgendwie ist es ja schon beeindruckend, wie THROANE den Hörer mit seiner mechanischen, desolaten Mischung aus Black, Doom, Industrial Metal und Hardcore einfach mal so ohne Reue als Schleifstein missbraucht. Doch wer will sich das schon antun? „Plus Une Main À Mordre“ ist schlichtweg so eintönig und zugleich chaotisch, dass es praktisch unmöglich ist, etwas davon im Gedächtnis zu behalten, was man aber ohnehin nicht will. Sowohl das ermüdende Black-Metal-Dröhnen als auch die gelegentlichen Industrial-Ambient-Phasen sind derart ziellos und abwechslungsarm angeordnet, dass man sich ernstlich fragt, ob man hier überhaupt von Songwriting sprechen kann. Genau so gut kann man sich eine Dreiviertelstunde lang Statikrauschen im Radio anhören, man wäre vermutlich ähnlich gut unterhalten.

Bewertung: 3.5 / 10

Geschrieben am

3 Kommentare zu “Throane – Plus Une Main À Mordre”

  1. Lukas

    ui, da scheint man wohl den falschen rezensenten zur tastatur gebeten zu haben. wird innerhalb der ersten zwei sätze schon deutlich, in welchen klar wird, dass hier keine recherche betrieben wurde und man sich in dieser richtung überhaupt nicht auskennt. ziemlich bedauerlich, so halbherzig und unmotiviert zu schreiben. aber für die nächste watain platte könnte das musikalische verständnis gerade noch reichen!

    1. Stephan Rajchl Post Author

      Hallo Lukas,
      ich finde es zwar betrüblich, dass du meinen Text zu diesem Album so misslungen findest, aber natürlich bin offen für eine Diskussion. Zuerst eine kleine Klarstellung: Es gibt bei uns niemanden, der zur Tastatur bittet. Jeder von uns schreibt über die Alben, über die er/sie schreiben möchte. Natürlich vorzugsweise über Alben, die ihm/ihr auch gefallen, schließlich muss man sich damit ja auch länger auseinandersetzen und wer will das schon bei einer Platte, die ihm/ihr nicht gefällt?
      Gerade bei so experimenteller Musik gehen die Meinungen natürlich umso vehementer auseinander, dennoch finde ich es ein wenig schade, dass du mir vorwirfst, ich hätte mich damit nicht befasst. Ich gehe grundsätzlich möglichst neutral an Musik heran und informiere mich immer zuerst etwas darüber. Mag sein, dass dabei mal das eine oder andere Detail unentdeckt bleibt, aber im Großen und Ganzen denke ich schon, dass ich mich all dem recht eingehend widme.
      Ich beschreibe und bewerte außerdem fast ausschließlich Alben, die in puncto Genre mit meinem Geschmack konform gehen. Black Metal, Industrial Metal, Post-Hardcore und Ambient sind allesamt Richtungen, die mir grundsätzlich zusagen. Warum du in diesem Fall der Meinung bist, dass ich mir darüber keine sinnvolle Meinung bilden kann, verstehe ich nicht, aber vielleicht kannst du mir das ja erklären.
      Generell würde ich mich freuen, wenn du deiner Kritik ein wenig mehr Inhalt schenken würdest. Was genau findest du denn an dem Album gut? Es würde mich wirklich interessieren. Nur würde ich dich eben bitten, mir nicht vorzuwerfen, ich würde unmotiviert arbeiten, denn das kann ich mit voller Überzeugung bestreiten. Und es mag sein, dass ich kein eingehendes Wissen über Musiktheorie habe, aber ein gewisses Verständnis möchte ich mir auch nicht absprechen lassen.

  2. Simon Bodesheim

    Hi Lukas,

    anderer Rezensent aus der Redaktion hier. Hab jetzt auch mal ins Album reingehört. Stephan hat Recht. Wenn dich dieser ausgelutschte, sterbenslangweilige, schon hunderte Male besser umgesetzte Quark allen ernstes beeindruckt: OK. Dann wäre ich aber an deiner Stelle vorsichtig, anderen fehlendes musikalisches Verständnis vorzuwerfen.

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: