CD-Review: Voyager - Colours In The Sun

Besetzung

Daniel "Nephil" Estrin - Gesang, Keyboard
Alex Canion - Gesang, Bass
Simone Dow - Gitarre
Scott Kay - Gitarre
Ashley Doodkorte - Schlagzeug

Tracklist

01. Colours
02. Severomance
03. Brightstar
04. Saccharine Dream
05. Entropy
06. Reconnected
07. Now Or Never
08. Sign Of The Times
09. Water Over The Bridge
10. Runaway


Ne Obliviscaris sind aktuell der wohl heißeste Export aus Australien, aber die Prog-Metaller bekommen nun Konkurrenz aus dem eigenen Genre: VOYAGER, einem Quintett aus Perth, das mit „Colours In The Sun“ sein mittlerweile siebtes Album auf den Markt gebracht hat.

Der Opener „Colours“ schlägt sofort in die Vollen: Mit der ungewöhnlichen Wahl, den Song mit dem Refrain beginnen zu lassen, beweisen VOYAGER ein glückliches Händchen, besteht doch jener Refrain aus einer groovigen Teilung von Hi-Hat dominiertem 4/4-Takt und klassischem Prog-Metal-Gefrickel. Starke Nummer, die sofort Lust auf den Rest von „Colours In The Sun“ macht.

Prog Metal ist allerdings eine zu drastische und vor allem einseitige Bezeichnung für den Stil, den VOYAGER haben: Zwar bringen die Gitarristen Dow und Kay mit ihrem typischen Palm-Mute-Spiel eine gute Portion Prog in die zehn Songs, aber die kurzen Riffs stehen häufig im Schatten der ausgebauteren Synthpop-Melodien von Keyboarder und Sänger Estrin und vor allem der sehr markanten Klangfarbe seiner Stimme.

Die Gitarren begleiten seinen hohen Klargesang dabei eher, anstatt sie eigenständig aktiv werden; häufig werden die sechs Saiten nur einleitend im Intro prominent platziert. Stattdessen wird schnell klar: In den Strophen werden die Saiten prägnant, aber wenig abwechslungsreich angeschlagen, in den Refrains kommt das begleitende, aber wenig markante Riffing zum Einsatz, im Interlude folgen kurze und/oder verträumt klingende Soli.

Mit diesem nur minimal abweichenden Bausatz-Prinzip gelingt es VOYAGER zumindest nicht mittels ihres Gitarrenduos eine charakteristische Melodie oder einen starken Riff hervorzubringen. Diese Arbeit widerum obliegt einzig und allein Estrins Gesang und seinem Spiel am Keyboard; wer sich noch an Talk Talk erinnert und den Vocals von Sänger Mark Hollis nicht abgeneigt war, könnte Gefallen an Estrins Gesang finden – womöglich aber nicht auf Dauer, da er seine Stimme zwar tragend, aber nicht facettenreich genug einsetzt.

Wie schaffen es VOYAGER aber dennoch, so aus der Masse hervorzustechen, wenn nicht wegen ihrer Riffs, ihrer Stimme oder ihrer Songstruktur? Im Grunde genommen nur dann, wenn die Australier ihre verdammt coolen Synthpop-meets-Prog-Metal-Nummern aus dem Ärmel schütteln („Brightstar“, „Entropy“ mit Leprous‚ Einar Solberg, „Runaway“) oder Prog Metal mit atmosphärischen Samples versehen („Reconnected“). Die Tracks, die weder zum einen noch zum anderen gehören, haben es allerdings schwer, sich untereinander abzugrenzen, da sie weder mit Riffs, Melodik oder Refrain punkten können und dementsprechend schnell in der gedanklichen Versenkung landen.

„Colours In The Sun“ ist demnach ein recht spannendes Album; spannend, weil man sich fragt, ob der kommende Track wieder so stark wie das eben Gehörte wird oder doch eher schwächelt wie der Song davor. Somit punkten VOYAGER ebenso hoch wie sie auch Minuspunkte für mangelnde Raffinesse einfahren; im Durchschnitt ist das neue Album der Australier aber dennoch empfehlenswert.

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Bewertung: 7 / 10

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