CD-Review: Whelm - A Gaze Blank And Pitiless As The Sun

Besetzung

Atli Brix Kamban - Gitarre, Gesang
Mikkel Putzek - Gitarre, Gesang
Alex Falkesgaard - Bass
Casper Axilgård - Schlagzeug

Tracklist

01. Tann Døkka Kørð
02. The Brazen Bull
03. From The Trenches of Perception
04. Perpetual Blindness
05. Delphine La Laurie
06. The Wrecked Orchestra
07. Ghosts In The Undergrowth
08. Event Horizon


Manche Bandgeschichten lesen sich wie ausgedacht – die der Dänen WHELM ist eine davon. 2002 gegründet, überdauerten die Arbeiten am ersten Album sogar die Band selbst: 2012 löste sich die Formation schließlich auf, im Folgejahr stellten sie ihr Debüt auf Bandcamp. Daraufhin wird doch noch ein Label auf die Band aufmerksam: Im August 2015 erscheint „A Gaze Blank And Pitiless As The Sun“ schließlich mit neuem Artwork über Aesthetic Death auf CD. Doch nicht nur seiner Geschichte wegen ist „A Gaze Blank And Pitiless As The Sun“ trotz des Wiederveröffentlichungstermins alles andere als ein 08/15-Release.

In knapp einer Stunde – 54:53 Minuten, um genau zu sein – liefern die Dänen mit einer gelungen arrangierten Mischung aus Funeral Doom und Sludge die Erklärung dafür: Tonnenschwere Riffs und massig düstere Atmosphäre treffen auf melancholische Melodien und herrlich verzweifelten Gesang. Bereits der Opener, „Tann Døkka Jørð“, und das darauffolgende, noch schleppendere „The Brazen Bull“ lassen Erinnerungen an Ahab und Collesseum aufkommen. Das eher sludge-doomige „Ghosts In The Undergrowth“ hingegen lässt nicht zuletzt des Gesangs wegen eher an Valborg denken. So bleiben sich WHELM zwar insgesamt in ihrem Stil treu, bemühen sich jedoch sichtlich um Abwechslungsreichtum.

Das mag im Bezug auf das arg experimentelle Akustik-Instrumental „The Wrecked Orchestra Akustik“ zwar etwas überambitioniert wirken, zumal der Song im Albumkontext allein des dünnen Klangs der Streich- und Zupfinstrumente wegen negativ hervorsticht. Gerade die wirklich langen Stücke wie „Delphine La Laurie“ (12:05 Minuten) oder „Event Horizon“ (11:54 Minuten) profitieren jedoch enorm von der kompositorischen Vielfalt, mit der WHELM zu Werke gehen: Langeweile kommt hier definitiv nicht auf. Vor allem der letztgenannter Song überzeugt zum Albumabschluss nochmal mit einigen neuen Elementen: Gefühlvoller Klargesang und ruhige Klänge zu Beginn und eine getragene, fließende Atmosphäre in den folgenden, harten Passagen sorgen dafür, dass das Album mit einem echten Highlight endet. So muss das sein!

Man kann über „A Gaze Blank And Pitiless As The Sun“ nur mit einem lachenden und einem weinenden Auge schreiben. Lachend, weil WHELM mit dem Album ein wirklich starkes Debüt vorlegen, das jedem, der etwas für die verschiedenen Spielarten des Doom übrig hat, empfohlen werden kann. Weinend, wenn man bedenkt, was diese Band vielleicht noch zu Stande hätte bringen können, hätte ihnen nicht erst ein Label unter die Arme gegriffen, als es bereits zu spät war.

Bewertung: 8.5 / 10

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