2025 – Rückblick der Redaktion

Es gibt Momente, in denen die Realität gescripteter wirkt als jeder Film. Das gilt, auf der weltpolitischen Ebene, derzeit für so ziemlich alles. Allerdings scheint der oder die Drehbuchautor*in misanthropischer zu sein als die gesamte norwegische Jugend der 1990er zusammen, katastrophenbegeisterter als Roland Emmerich und in Sachen Dramaturgie in etwa so versiert wie Uwe Boll – dafür mit einem Faible für kaum nachvollziehbare Twists gesegnet, von dem selbst Christopher Nolan noch etwas lernen könnte.

Zumindest die Metal-Welt aber erlebte 2025 ihre ganze eigene Geschichte, die so wirklich nur das Leben schreibt: Nach ungezählten Tourabsagen und einer nicht enden wollenden Krankengeschichte war es Ozzy Osbourne tatsächlich vergönnt, einem verglühenden Stern gleich seine überlebensgroße und in dieser Form einzigartige Karriere mit einer Supernova über Birmingham zu beenden.

Man mag die Willenskraft nur erahnen, die seinen von Krankheit gezeichneten Körper bis zu dieser Show getragen hat – und die Erleichterung danach. Dass Ozzy nur wenige Tage später gestorben ist, ist deswegen nicht weniger traurig. Doch wie bei Lemmy, der bis (fast) zum letzten Atemzug auf der Bühne stand, gehörte der Tod auch bei Ozzy nicht nur dazu, sondern passte auch zum Leben: Ozzy starb im Kreise der Familie, die als „Die Osbournes“ nicht nur sein, sondern das Leben einer ganzen Generation geprägt hat. Und zwar nach einer Abschiedssause, wie sie die Musikwelt wohl noch nie zuvor eine erlebt hat.

Die Metapher mit dem Stern greift weiter als bis zur Supernova: Ozzy war, wie sonst nur Lemmy, ein Fixstern am Rock-Himmel. Für die meisten Fans dieser Tage waren beide „immer schon“ da und eigentlich war es unvorstellbar, dass sie es eines Tages nicht mehr sein würden. Die Realität ist aber auch: Der Zahn der Zeit nagt auch am Rock ’n‘ Roll – und dessen Gründerväter und Wegbereiter mögen in unser aller Erinnerung unsterblich sein, sind am Ende aber eben doch nur Menschen. So gab es 2025 gleich eine ganze Reihe namhafter Musiker zu betrauern: Ace Frehley (KISS), Rick Davies (SUPERTRAMP), Perry Bamonte (THE CURE) und Paul Mario Day (ex-IRON MAIDEN) etwa – aber auch so manchen aus deutlich jüngerer Generation, darunter Tomas „Tompa“ Lindberg (AT THE GATES), Brent Hinds (MASTODON), Sam Rivers (LIMP BIZKIT), Aaron Rossi (ex-PRONG, ex-MINISTRY), John „Jontho“  Bratland (RAGNAROK) oder Nisse Karlén (SACRAMENTUM). Sie alle werden fehlen und doch, ein schwacher Trost, zumindest in ihrer Musik weiterleben.

2025 war aber auch das Jahr, das uns gezeigt hat, dass der Himmel ohne die Helden und Headliner der ersten Generation nicht sternenleer bleiben muss: Mit Macht drängen die jungen Bands und Stars nach – sei das YUNGBLUD (auch bei der Black-Sabbath-Abschiedshow) oder so mancher auf den großen Festivals erstmalig als Headliner angekündigte „Newcomer“. Bleibt zu hoffen, dass das Konzertbusiness nun noch einen Weg findet, Shows, Festivals und Merchandise erschwinglich und dabei trotzdem für alle Beteiligten (insbesondere die Musiker:innen) rentabel zu halten. Dann steht einer strahlenden Zukunft der Szene nichts im Wege.

Wir bei Metal1.info haben auch 2025 wieder versucht, all diese Ereignisse und Entwicklungen für euch zu dokumentieren, zu analysieren und einzuordnen: In vielen spannenden Specials, etwa mit den ersten Eindrücken von Listening-Sessions zu „Idols“ von YUNGBLUD und „Borderland“ von AMORPHIS, von der Weltpremiere des KREATOR-Films „Hate & Hope“ und im Gespräch mit den Machern der DESTRUCTION-Doku „The Art Of Destruction“, oder in unserer Serie „Heavy … aber herzlich!“, in der wir euch unterschiedlichste Charity-Projekte vorstellen und zeigen wollten, wie solidarisch die Metal-Community ist. Mit Berichten von Festivals und aus Konzerthallen quer durch die Republik (und darüber hinaus) und den dazugehörigen Fotos (die besten haben wir hier gesammelt). In unzähligen Gesprächen (etwa dem Doppel-Interview mit zwei der kommenden Stars der Szene, Alpha von GAEREA und Niclas von ORBIT CULTURE). Und natürlich mit unseren Reviews über die (aus unserer Sicht) wichtigsten Releases des Jahres, aber auch „nerdigen“ Stoff wie die Soundtracks der Neunziger.

All diese Artikel spiegeln unsere Meinungen und Ansichten wider – noch persönlicher wird es nur in unseren Jahresrückblicken: Unsere jeweiligen High- und Lowlights in Sachen Alben, Artworks, Shows und vieles mehr haben wir für euch wie gewohnt im nun folgenden Rückblick der Redaktion zusammengefasst … Anspieltipps und Inspiration garantiert!

Wir hoffen, dass ihr (allen KI-generierten Zusammenfassungen zum Trotz) auch 2026 wieder regelmäßig auf Metal1.info vorbeischaut und mit uns über Musik diskutiert – denn eure Klicks und Kommentare sind (in diesen Zeiten mehr denn je) unser Lohn. Dafür werden wir wieder reisen und reden, hören und tippen, knipsen und editieren. Kurz gesagt: Musik schreiben (und fotografieren) – wie wir es seit 2002 tun.

Einen guten Start ins Jahr 2025 wünscht euch das Team von METAL1.info!

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2 Kommentare zu “2025 – Rückblick der Redaktion

  1. Na dann wünsche ich euch allen einen guten Start in ein hoffentlich besseres Jahr 2026.

    Vielen Dank für eure Mühen, eure kritischen Worte, die Unterstützung für die „Kleinen“ und für euer Engagement auch außerhalb der Musik. Lasst euch nicht verbiegen und bleibt bei eurer klaren Haltung!

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