Festivals auf Irrfahrt. Oder: Metalheads spießern in See

Seinen Anfang nahm alles im Jahr 2006 – als der Schweizer Konzertveranstalter Andy Piller vom Balkon seiner Wohnung mit Blick auf Vancouvers Hafen, so ist auf Wikipedia zu lesen, einem Kreuzfahrtschiff nachträumte und ihm eine nahezu absurd anmutende Idee kam: Eine Metal-Kreuzfahrt. Vier Jahre später wurde diese mit 70.000 Tons Of Metal Realität, das Event findet 2020 zum zehnten Mal statt.

Luxus, All Inclusive. Und Metal

Was Andy Piller sich dabei genau gedacht hat, bleibt sein Geheimnis – es muss aber fraglos viel mit der Erkenntnis zu tun gehabt haben, dass der gemeine Metalhead eigentlich auch nur ein Spießer in Schwarz ist. Denn tief drin, im mit Leder- und Nieten gepanzerten, mit maximal brutalen Motiven auf dem Shirt und in der Haut verzierten Körper vieler Metalheads schlummert nicht nur jenes sanftmütige, große Herz, sondern eben auch das Bedürfnis nach ganz normalem Urlaub, oder sogar etwas Luxus. Sonne, Alkohol, All Inclusive. Oder so ähnlich. Nun stehen dem, zumindest, was Luxushotels oder Kreuzfahrtschiffe angeht, die mit Leder- und Nieten gepanzerten, mit maximal brutalen Motiven auf dem Shirt und in der Haut verzierten Körper oftmals im Wege: Irgendwie wäre man, wenn überhaupt erwünscht, ja doch immer ein Exot. Und eigentlich bleibt man ja auch gerne unter sich. Den Metalheads zur Lösung all dieser Probleme einfach ein eigenes Schiff zu geben, war unter diesen Gesichtspunkten nicht absurd, sondern fast ein Ei des Kolumbus: Die Lösung war so naheliegend – man musste sich nur trauen.

Fakt ist: Das Konzept ging auf. In der nunmehr zehnten Auflage geht es 2020 mit dem 154.000-Tonnen-Luxusliner Independence Of The Seas von Miami/Fort Lauderdale, Florida, bis zur Insel Cozumel in Mexico und natürlich wieder zurück. „Für einen Startpreis ab 833 $ pro Person ohne Steuern und Gebühren gibt es Unterbringung auf dem Schiff, unbegrenzten Eintritt zu allen Shows, alle Mahlzeiten und unzählige Attraktionen wie z.B. Meet & Greets mit den an Bord befindlichen Bands“, wie der Veranstalter wirbt – oder, an gleicher Stelle nochmal anders ausgedrückt: „60 Bands, 4 Tage, 1 Kreuzfahrtschiff und nur 3000 Tickets. Das ist 70.000 Tons Of Metal, die weltgrößte Heavy Metal-Kreuzfahrt.“

Dass Piller mit der von ihm gegründeten, aber auf den Bahamas ansässigen Firma UMCruises International Ltd., bei der er als CEO tätig ist, ordentlich Kohle machte, steht außer Frage – leider nicht nur „Kohle“ im Sinne von „Geld“, sondern auch Kohlenstoffdioxid. Denn dass Rußpartikelfilter das wohl einzige „Luxusgut“ sind, das man auf den Pötten nicht findet, und der Ausstoß an schädlichen Schwefel-, Stickoxid- und Rußemissionen durch den legalen Betrieb mit Schweröl beträchtlich ist, ist in Zeiten der Climate Change Awareness längst kein Geheimnis mehr.

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Sauna, Shoppingmeile, Frisör. Und Metal

Während etwa Coldplay gerade erst bekanntgegeben haben, dass sie um ihrer persönlichen Ökobilanz willen künftig auf Touren, wie sie bisher liefen, verzichten werden, steigen immer mehr Veranstalter und Bands ins Musikkreuzfahrt-Business ein. So auch die ICS Festival Service GmbH, langjähriger Veranstalter des Wacken Open Air, wo mit der „Wacken Future Factory“ zuletzt gerne Zukunftsbewusstsein zur Schau getragen wurde. Gemeinsam mit TUI Cruises wurde 2013 der Full Metal Cruise als „größte Heavy Metal-Kreuzfahrt Europas“ etabliert.

Deren Reiseroute Kiel-Helsinki-Tallinn-Kiel liest sich zwar etwas weniger spektakulär, aber um das wohin geht es dabei ja auch kaum einem Kunden. Denn „auf drei Bühnen an Bord spielen hochkarätige Bands aus Metal und Rock. Auf dem Schiff wird daneben ein umfangreiches Rahmenprogramm geboten mit Metal Karaoke, Meet & Greets, Autogrammstunden, AllStar-Jam-Sessions, Comedy, Lesungen, Musiker-Workshop, Kino und Tätowierer – eben all dem, was neben der Musik zu einem Open Air gehört“.

Die Mein Schiff 4, wie das Boot geistreich getauft wurde, verfügt schließlich über 15 Bars und Lounges, neun Restaurants & Bistros, 280 m Joggingstrecke, einen 25-m-Außenpool sowie Fitnessstudio, Wellnessbereich mit Spa und Sauna, Shoppingmeile, 24h-Rezeption, Friseur, Bibliothek & Hospital. „Ihr könnt auf der Mein Schiff 4 im Whirlpool abhängen, Fans und Bands an den Bars treffen, Cocktails trinken den Lounges [sic], gut essen und bei allerlei Aktivitäten wie Metal-Karaoke amüsieren. Oder einfach nur in der Sonne liegen…“ ist auf der Veranstaltungsseite zu lesen. Na dann.

Mit Metal hat das nichts zu tun

In Lounges Cocktails trinken, im Whirlpool abhängen und dann noch ein paar Metalbands bei ihrem Auftritt als Entertainer an der Poolbar lauschen – ob das den eigenen Vorstellungen von Traumurlaub nahekommt, ist reine Geschmacksfrage. Mit dem ursprünglichen Gedanken des Heavy Metal jedenfalls hat all das nichts mehr zu tun. Denn weiter von den einstigen Idealen, von ebenjener bodenständigen Szenekultur, auf die man im Metal immer so stolz ist, kann man sich kaum entfremden.

Denn Kreuzfahrten sind auch im Jahr 2020 und auch unter Bullenschädelbeflaggung Luxusreisen, die Menschen mit viel Geld unternehmen und sich Menschen, die eigentlich nicht so viel Geld haben, vom Mund absparen. Damit sind die vielgepriesenen Treffen zwischen Fans und Bands an der Bar auch nichts weiter als bezahlte Meet & Greets – und Tickets für die Metal-Kreuzfahrten nichts anderes als VIP-Tickets der Luxusklasse: Hier steigt die nurmehr kapitalistisch getriebene Konzertindustrie mit global agierenden Tourismuskonzernen ins Bett, um den nächsten Geldtopf anzuzapfen, nachdem aus ordinären Acker-Festivals über Luxuscamping und ähnlich überflüssige Erfindungen hinaus nichts mehr herauszupressen ist. Und die Bands spielen munter mit.

Headbang-Animateure und Namensverleiher

Gemeint sind nicht nur jene, die sich für die richtige Gage vorbehaltlos als Headbang-Animateure auf die Kreuzfahrtschiffe buchen lassen – also so ziemlich alle, denn kritische Stimmen von dieser Seite hat man bislang nicht vernommen – sondern auch jene, die ihren Namen bereitwillig an die ausführenden Großkonzerne abtreten, welche dann im Namen der Bands sogar noch eigene Events auf See organisieren – seien das nun KISS mit dem Kiss Kruise (über den Christoph Koch einen lesenswerten Bericht verfasst hat), MEGADETH mit dem – richtig – Megacruise, Sabaton mit dem Sabaton Cruise („The Battleship“) oder jüngst auch SLIPKNOT, die ihre Knotfest-Reihe um Knotfest at Sea erweitert haben.

Organisiert wird das Knotfest at Sea (wie auch des Kiss Kruise, der Kid Rock Cruise, The Weezer Cruise …) von der amerikanischen Firma Sixthman, die seit ihrem Pilotprojekt „Rock Boat“ im Jahr 2002 ausschließlich, aber genreübergreifend, Musikkreuzfahrten veranstalten: „Nichts kann das Abenteuer, die Spannung und den Reiz einer Kreuzfahrt überbieten – außer vielleicht eine Musikkreuzfahrt! Erleben Sie während der Fahrt einige Ihrer Lieblingskünstler – LIVE! Wir bieten eine beeindruckende Auswahl an Musikkreuzfahrten, die verschiedene Genres abdecken, wie Classic Rock, Country und Pop. Die Aufführungen echter Superstars machen diese Kreuzfahrten zu etwas ganz Besonderem.“ wirbt das Unternehmen. Wer da noch denkt, er wäre auf einem solchen Boot in und mit der Szene unterwegs, glaubt auch noch an den Weihnachtsmann.

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16 Kommentare zu “Festivals auf Irrfahrt. Oder: Metalheads spießern in See”

  1. LiquidSoul235

    Zitat:“Gemeint sind nicht nur jene, die sich für die richtige Gage vorbehaltlos als Headbang-Animateure auf die Kreuzfahrtschiffe buchen lassen – also so ziemlich alle, denn kritische Stimmen von dieser Seite hat man bislang nicht vernommen“

    Nicht ganz, Atlantean Kodex haben im Interview mit der Deaf Forever (ich denke in der vorletzten Ausgabe) einen Auftritt auf einer Kreuzfahrt kategorisch ausgeschlossen…und denen glaub ich das sogar

    1. Moritz Grütz Post Author

      Hi! Danke dir für den Hinweis, das hatte ich tatsächlich nicht mitbekommen. Das ist natürlich erfreulich – davon müsste es mehr geben.

  2. Albi

    Lieber Moritz,
    was den Umweltaspekt anbelangt, lasse ich mir ja gerne Vorwerfen, dass diese (oder alle) Kreuzfahrten kacke sind, aber das BlaBla von wegen Trve Metal darf nur auf nem schlammigen Dorfacker stattfinden nervt….
    Die meisten der „Cruisader“ waren schon auf Metalkonzerten, bevor Du im Jahre `88 endlich mal das Licht der Welt erblickt hast. Und wenn diese Leute, die auch jeden Tag für ihr Geld arbeiten müssen und sich so ne Reise nicht aus dem Ärmel schütteln, es sich nun leisten können, neben Festivals und Konzerten, alle 1-2 Jahre, 5 Tage Metalurlaub mit einem richtigen Bett und einem eigenen Klo, tollem Essen und jeder Menge Spaß an Bord, zu machen, dann ist das weder Spießig noch der Ausverkauf des Metal.
    Das Alter fordert seinen Tribut und es hat nicht mehr jeder Bock drauf (mich eingeschlossen) drei Tage lang auf einem Festival im Igluzelt zu hausen, dreckige Dixies zu nutzen und nur drauf zu warten, dass die besoffene Jugend über Dein Zelt fliegt…Du magst es spießig nennen, ich nenne es ….hmmm…Lebenserfahrung!?
    Den Ausverkauf des Metal findest Du wohl eher bei den Abzockerkonzerten ehemals großer Bands, die im Alter noch ihre Scherflein ins Trockene bringen müssen. Ich sag nur G´n´R, Mötley, Scorpions Aerosmith usw usw usw…..
    Viele Grüße von einem alten Sack, der Bon Scott noch live gesehen hat.

    1. Moritz Grütz Post Author

      Hallo Albi! Auf die unsinnige Provokation, dass in unserer Diskussion Altersweisheit gegen Jungspund stünde, lass ich mich jetzt mal nicht ein, dafür fühle ich mich ehrlich gesagt zu alt, und das nicht nur, wenn mir wieder ein besoffener Jugendlicher übers Zelt fliegt ;).

      Ansonsten kann ich keinen deiner Punkte direkt entkräften, das steht dir ja alles frei, gut zu finden – am Ende ist das ja auch eine Typsache. ABER: Ich möchte nochmal die Metal-True-Acker-Geschichte klarstellen. Mir geht es hier nicht darum, alles als Kommerz zu verteufeln, was mehr als 2€ Eintritt kostet, wo es was anderes als lauwarmes Dosenbier gibt oder wo Bands spielen, die mehr als zwei CDs verkauft haben.

      Mein Punkt ist, dass diese Kreuzfahrten (so sehe ich das) REINE Kommerzevents sind, in dem Sinne, dass hier nicht ein Metalhead etwas auf den Acker gezaubert hat, was über die Jahre halt zu einem etablierten, großen Festival gewachsen ist, wie das etwa beim Breeze oder selbst dem Wacken der Fall ist, sondern gezielt Investoren und Unternehmen eine „Marktlücke“ aufgetan und bedient haben, um damit Kohle zu verdienen. Die Band ist dabei nichts weiter als ein angeheuerter Entertainer, ob der jetzt Schlager spielt oder Metal ist für das Unternehmen scheißegal – sie bieten ja eh jede Form von Musikkreuzfahrt an.

      Den Bands kann man das auch nicht vorwerfen, denn klar – am Ende spielt man da, wo die Kohle herkommt. Aber die Attitüde, die hinter einem solchen Event steht, ist einfach eine komplett andere: Das eine wird von Investoren und Kapitalisten ausgerichtet, um Kohle zu verdienen (und zwar ausschließlich), das andere kommt aus der Szene und ist für die Szene gemacht. Klar will auch Wacken oder jedes andere Festival Geld verdienen – aber da geht es auch um Szenezusammenhalt, Nachwuchsförderung etc. Auf einer Metalkreuzfahrt wirst du im Regelfall keine unbekannten Newcomer finden – hier werden Namen verkauft, die sich toll lesen, um Tickets zu verkaufen. Um mehr geht es nicht. Der Rest ist dann Pauschalurlaub mit Special-Intrest-Animation.

      Wer in einem Bett schlafen will, soll sich ein Hotel mieten, das gibt es bei fast jedem Festival und ist absolut nicht verwerflich. Aber man muss doch auch als alter Knochen nicht jeden Knochen fressen, der einem hingeworfen wird, nur weil METAL draufsteht, oder?

      1. Marianne

        Hi Trekkie
        Genau das ist es! Die Arroganz, die zunehmend in der „Szene“ herrscht. Och wir sind Szenies und die Anderen nicht. Auf dem Schiff sind Leute wie ich, die lediglich Konzertgängerin ist, aber auch Welche, die z.B. Videos für Bands drehen, selber Konzerte oder gar Kleinstfestivals organisieren, ets. En Freund z.B. ist in ner Organisation, die Behinderten während Metalfestivals gratis Hilfe leistet etc. Die gehören Alle nicht zur Szene gäll. Weil Ihr es so bestimmt, die Metal-Hipster, die Ihr seid.

        Ich muss aber nach all den Kommentaren und den Antworten des Autors, feststellen, dass ich so arrogante Leute nicht an Bord haben möchte, sonst zieht da das Egoverhalten auch noch ein, reicht schon bei Konzerten.

  3. Marianne

    In den 80ern , wo man als Metalhead, Punk, etc in Gaststätten nicht mal bedient wurde, war das Ganze noch wirklich am Rande der Gesellschaft. Heute ist es ein Witz, dieses true Zeug.

    Ich fahre mit dem FMC Boot mit und genauso besuch ich Kleinstfestivals wie das Rock the Hell, brutal slam Nische

    Und hoffen, dass Bands da auf dem Kahn nicht anheuern ist total kurios. Viele Bands müssen überleben in dem Genre. Oder zahlt Ihr Denen ein Gehalt?

    Vielleicht liegts an meinem Alter ü50, dass ich weder ein Imageproblem hab, noch mir andere Grenzen selber setze. Wir werden nun mal älter. Kann ja nix dafür, dass es die Jugendkultur meiner Generation ist. Immerhin kamen noch subgenres nach. Die verfolge ich und geniess ich. Bin ein Jahr jünger als die Boomer. Bitte nicht schimpfen.

    1. Moritz Grütz Post Author

      Wieso schimpfen, das ist ja eine in allen Aspekten durchweg vertretbare Sichtweise … außer in einem: Der Klimawandel geht uns meiner Ansicht nach alle an, egal, ob 5, 25 oder ü50. Und unter diesem Aspekt sollte man diese Dreckschleudern einfach definitiv meiden. Alles andere ist Geschmackssache.

      1. Marianne

        Ja das ist so. Wie die Dreckschleudern, die Tonnen von Billigware, z.B. viele Metalbandshirts ankuttern. Meinem CO2 Abdruck tut das sicher nicht gut, jedoch im Leben hab ich nie ein Auto gehabt, geschweige denn jemals den Führerschein gemacht, immer öV benutzt. Zudem, da ich ursprünglich vom Punk kam, gilt immer noch die Devise No Future. Keine Kinder etc. Von mir aus können wir aussterben. Zudem kommt eh der Weltuntergang in vielen von unseren Metalsongs. Und ich komm in die Hölle für das alles.

        Aber Hauptsache ist doch die Musik. Egal wo die spielt. Solltest echt mal mitcruisen. Es gibt alles. Auch Idioten und Spiesser. Aber das Feeling ist schon genial. So Seetage mit Sound und Freunden. Ohne ein Bett hältst da eh nicht durch. Für die Meisten ist es ne Sucht. Es zieht sie immer wieder dahin. Bin Spätzünder, aber mir gehts auch so. Nur sind jetzt nicht alle Bands prickelnd. Rampensäue wie Crisix (ja nix innovatives) haben das Sonnendeck nachmittags komplett zum Brodein gebracht. Und überall Bier in so Eistonnen. Dekadent wie nix. Ach……

        Aber was solls. Geschmäcker sind halt verschieden, verstehe ja, dass es etwas pervers ist.

  4. Siggi

    Vielleicht erstmal selbst mitfahren und dann urteilen. No-name-Bands? Ja auch die gibts auf der FMC. Und für Nachwuchsförderung kommt auch da Kohle zusammen.
    Also…..

  5. Jürgen R.

    Moritz Grütz“Auf einer Metalkreuzfahrt wirst du im Regelfall keine unbekannten Newcomer finden – hier werden Namen verkauft, die sich toll lesen, um Tickets zu verkaufen.“ <– Der hat wohl noch nicht mitbekommen, dass die Cruise schon vor Bekanntgabe der Bands schon ausverkauft ist. Wegen, weil….. viele alte Bekannte zu treffen und neue zu finden in einer Mega Geilen Atmosphäre, die es sonst nirgendwo anzutreffen gibt. DER KERL HAT KEINE AHNUNG !!!

  6. Altmetall

    Warst Du schon mal dabei oder nicht? – Egal …
    Eins stimmt leider: Der Heavy Metal der Vergangenheit voll im Kommerz der Gegenwart angekommen.
    Klar ist aber auch, wer jammert, dass ihm irgendwas zu teuer ist, soll es doch bitte einfach sein lassen oder aufhören zu heulen! Das war im Übrigen auch schon im NWOBHM so. Es gibt genug günstige Ausweichmöglichkeiten und die lokalen Szenen freuen sich mit Sicherheit auch mehr über jeden Support, als dass man/frau seine schwer verdiente Kohle zu den ach so tollen best bezahlten altbackenen Superlativen trägt – ABER: Es ist jedem selbst überlassen!
    Mir persönlich geht der heutige Umgang mit und auch im Metal böse gegen den Strich, was aber an vielen neuen Möchtegern-Metal-Stressern liegt und eben nicht an Veranstaltungen wie der FMC – UND dieser neue Umgang hat für mich mit True-Metal soviel zu tun wie ’ne Kuh mit Eierlegen!
    True-Metal bedeutet für mich:
    Ein friedlicher Zusammenhalt in einer toleranten Musikgemeinschaft!
    Tja, da ist leider nicht mehr viel von übrig.
    Beispiel gefällig? – Gerne: In meinen frühen Metal-Tagen wurde auf Konzerten fast jeder kleine Rempler durch ein ehrlich gemeintes „‚tschuldigung!“ o.ä. begleitet und wenn dabei heiliges Bier verschüttet wurde, bekam das bedrippte Ofer nicht selten einen ausgegeben. Daraus ergaben sich auch nicht selten längere Gespräche und kumpelhafte Konzertbekanntschaften. – Und heute? Tja, da wird teilweise derbe gerempelt ohne Ende und wenn man/frau muckt, muss man/frau aufpassen, dass man/frau nicht noch eine reingedrückt bekommt! (Selbst erlebt!)
    Fakt ist: Es hat jeder Alt- oder Jung-Metaller in seiner Hand, was abseits vom Kommerz s.g. „Metalheads“, „Pommesgabeln“ oder anderem Mode-Gedöns aus der Metal-Szene wird.
    ‚bin fast schon dabei, ähnlich den Punx, zu schreiben: „Metal is dead“, aber dafür bin ich dann doch einfach zu stur ;-).
    Also :
    „You can’t tear appart a true Metal heart!!!“
    Metal up!
    und natürlich: Prost ;-) !

    1. Moritz Grütz Post Author

      Hallo! Danke dir für deinen Beitrag zur Diskussion. Nein, dabei war ich nicht – aus vielen der oben genannten Gründen. Aber mir geht es in der Kolumne ja auch nicht darum, ob die Stimmung an Bord gut ist oder die Leute Spaß haben – das ist sicherlich beides der Fall. Sondern um das Prinzip, um die Entwicklung, vom Festival zur Kreuzfahrt. Und um die scheiße zu finden, brauche ich nicht dabei gewesen sein, sondern reichen mir die oben genannten Aspekte aus. Das kann – wie geschrieben – auch jeder anders sehen. Aber die grundlegenden Aspekte, sei es zum Klimaschutz oder dahingehend, dass hier einfach eine komplett andere Motivation dahintersteckt als bei kleinen Festivals oder auch den großen, irgendwo tief drinnen, sind nunmal kaum von der Hand zu weisen.

  7. Marianne

    Hi Moritz
    Kennst du Flums? Ich kenne den Ort, aber auch nur weil wir nen Bezug dazu haben. Bin übrigens Schweizerin. Da kommt Andy Piller her. Ein Kaff. Da hat der angefangen mit der Orga Konzerten. Kein Mensch, der die Musik nicht liebt, würd es da versuchen. So artfremd ist der nicht. Die Motivation. Ich würd mal behaupten, ab ca 2000 Besuchern ist jedes Konzert irgendwo kommerziell. Und die Veranstalter sind vielleicht total metalfremd. Aber das ist dann ok. Also Illusionen darf man ja haben, aber das ist nun schon etwas übertrieben, dass man das allein aus ner inneren Motivation macht. So gesehen dürft man nur noch zu Konzerten mit bis zu 500 oder weniger Fans gehen.

    Mir passt dieses in Schublade Ballermann bzw Animation Stecken nicht. Als wären wir so Eventtouris. Klar gibts auf dem Kahn Leute, die darum da sind, wie auf Wacken oder die Gruppe, die letzen Sommer bei nem Microkonzert sturzbesoffen das einzige Dixie umgekippt haben. Es gibt auch die üblichen Selbstdarsteller. Aber es gibt auch ne Metal Familie da. Ein Feeling wie zu alten Zeiten. Liegt vielleicht wirklich am Alter. Wobei die jungen Teilnehmer halt zu Dritt oder noch mehr Innenkabinen belegen und ich Alte ne Balkonkabine.

    Und da ist noch die Sehnsucht nach dem Meer, die ich nicht kannte.

    Es bleibt noch der Klimaschutz. Du magst wirklich so zu denken. Das nehm ich dir ab. Ich nehms aber bei weitem nicht allen Metalchöpfli ab, wenn sie plötzlich so besorgt sind.

    Dein Artikel wird in der FB Gruppe zur FMC kommentiert. Manche sprechen von Neid, was ich nun wirklich nicht glaube. Aber es gab Konmentare über kleinere oder grössere Konzerte etc. Immerhin

    Titel der Diskussion „Wir spiessern halt gerne“

  8. Altmetall

    Pardon, nur liest sich Dein Artikel eben nicht in Hinblick auf “ konstruktive Kritik“ oder „konstruktive Auseinandersetzung in der Sache“, sondern eben leider nur mit Inhalt „Das finde ich Scheiße“.
    Um kritisieren zu können, brauchst Du garnicht dabei gewesen zu sein, nur einmal sich mit Leuten unterhalten, die dort teilgenommen haben – das wäre für mich Grundlage.
    Und ob die Leute Spass oder keinen haben ist nicht wichtig? – Ok – klar, denn Du findest es ja Scheisse.
    Ich muss gestehen, dass ich bei der FMC II mehr ehrliche Metaller getroffen habe als ab Anno 2000 davor! – Aber das zählt ja wahrscheinlich auch nicht, denn Du findest es halt Scheiße.
    Die Motivation eines Festivals (ob nun zu Lande, zu Wasser oder in der Luft) ist zu 95% – Trommelwirbel/Dash – Welch Überraschung und Menschenskind – tätäh: Geldverdienen! – Auch das war – welch Erkenntnis – schon immer so (Ja, ’s ist ein scheiß Satz aber hier stimmt er leider.)
    Umweltaspekte sind heute verdammt wichtig geworden, nur schiebst Du sie hier einseitig vor. Mal abgesehen davon, dass TUI wenigstens den Ansatz fährt seine Flotte dahingehend zu verbessern, sollten dann bitte auch alle Vergleiche aufgeführt werden (oder glaubst Du etwa, dass z.B. der von Dir gekaufte Merch unter 1A-Bedingungen zusammengeklöppelt und transportiert wurde und alle von Dir besuchten Festivals Festivals z.B. eine super Energie- und Müll-Bilanz haben usw usw???)
    Setz‘ Dich mit der Materie besser auseinander, dann wirst Du auch besser wahrgenommen, so oberflächlich einfach mal eben nebenbei hingeschrieben wird das nix.
    Und nochmal: Prost!

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