CD-Review: The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble - From The Stairwell

Besetzung

Charlotte Cegarra – Gesang, Klavier
Eelco Bosman – Gitarre
Jason Köhnen – Bass, Klavier
Sarah Anderson – Geige
Hilary Jeffery – Posaune
Nina Hitz – Cello
Gideon Kiers – Schlagzeug, Beats, Sequencing

Gastmusiker:
Eiríkur Óli Ólafson – Trompete
Coen Kaldeway – Saxophon, Bassklarinette

Tracklist

01. All Is One
02. Giallo
03. White Eyes
04. Cocaine
05. Celladoor
06. Cotard Delusion
07. Les Etoiles Mutantes
08. Past Midnight


Wenn eine Band eher ausgefallene Musik macht, ist es oft leicht, darüber zu schreiben: Es gibt viele Anhaltspunkte und Erwähnenswertes, und beim bloßen Hören der Musik fallen einem die Worte nur so zu. THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE sind auf alle Fälle eine ausgefallene Band – jedoch fast schon wieder so exotisch, dass ihr Schaffen in Worte zu kleiden eine wahrlich nicht leicht fällt.

„From The Stairwell“ heißt das neue Album der Band, deren Stil sich wohl am ehesten als einen Soundtrack aus Elementen aus den Bereichen Darkjazz, Doom, Elektro und Noise beschreiben lässt. Während die Musiker bei ihrem Sideprojekt, The Mount Fuji Doomjazz Orchestra ganz auf Improvisation setzen, ist das hier dargebotene Material durchkomponiert und arrangiert – deshalb aber nicht eben viel eingängiger als deren letztes Album „Anthropomorphic“.
Überraschend ist gleich zu Beginn, dass bereits der Opener des Albums durch Gesang aufgehübscht ist… kennt man TKDE doch zumeist instrumental. Doch auch, wenn auch im weiteren Verlauf merklich häufiger die Stimme als Klangelement zum Einsatz kommt, bleibt „All Is One“ doch der einzige Track mit echtem Gesang – an der grundsätzlich instrumentalen Ausrichtung der Band hat sich also nichts grundlegendes geändert, wenn die eingewobenen Elemente wie ein nur dezent im Hintergrund zu vernehmendes Summen den Kompositionen auch eine merklich organischere Note verleihen, die man nicht missen möchte.
Auch sonst bleiben TKDE ihrem Stil grundsätzlich treu – und legen damit erneut ein Album vor, das kaum in Worte zu fassen ist: Von Songs zu sprechen wäre hier eigentlich auch unangebracht, handelt es sich doch mehr um Geräuschkulissen, die atmosphärisch durch den Raum wabern: Vielseitige Arrangements, düster und bezaubernd zugleich, beruhigend, ja, fast meditativ. Die Vielseitigkeit der Kompositionen lässt sich dabei schon an der Besetzungsliste ablesen: Egal ob Posaune, Trompete, Cello, Klavier oder Geige: Meisterhaft verschmelzen die Beiträge der verschiedenen Musiker zu einer Melange anrührender Melodien und Klänge.

Dass THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE Nieschenmusik für eine sehr erlesene Hörerschaft spielen, braucht wohl nicht diskutiert zu werden. Dass eine derart elitärer Fangemeinde jedoch auch ganz offensichtliche Vorzüge hat, zeigt sich an diesem Beispiel mehr als deutlich. Denn wo die breite Masse der Musikkonsumenten heutzutage nichteinmal bereit ist, überhaupt Geld für Musik zu bezahlen, haben die Fans „From The Stairwell“ durch einen Finanz- und damit Vertrauensvorschuss überhaupt erst möglich gemacht, ist das Album doch komplett durch Spenden finanziert. Das Konzept dahinter ist eine Allianz aus Musikschaffenden und Musikkonsumenten, die ohne Labels und andere verzichtbare einflussnehmende Faktoren auskommt – ein Konzept, über dessen Optimismus das wohl jeder Plattenboss, dessen Absatzmarkt dank der schlechten Zahlungsmoral der Mainstream-Musikkonsumenten quasi komplett weggebrochen ist, herzhaft lachen würde – müsste er nicht mit ansehen, dass es offensichtlich aufgeht. Weil es eben offenbar doch noch Leute gibt, denen Handgemachte Musik etwas bedeutet. Und weil THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE genau für solche Leute Musik machen.

Bewertung: 9 / 10

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