Review Tulus – Biography Obscene

  • Label: Indie
  • Veröffentlicht: 2007
  • Spielart: Black Metal

Die Norweger TULUS sind also zurück, obwohl sie nie wirklich weg waren. „Evil 1999“, ein oft gerühmtes Album, erschien – unglaublich – 1999. Seitdem wurde es still um TULUS; kein Wunder, Sverre und Bergli widmeten sich fortan ihrem Projekt Khold. Dieses wiederum wurde 2005 nach dem vierten Album „Krek“ auf Eis gelegt und die beiden dachten sich wohl, die freie Zeit könne man nutzen, indem man TULUS wiedererweckt. Es handelt sich hier außerdem um das erste TULUS-Werk in englischer Sprache, was nun wirklich keinen Menschen ernsthaft überraschen dürfte (dass es in Englisch abgefasst ist). Übrigens sollen im Zuge von „Biography Obscene“ die alten Werke re-releast werden, was die Fans freuen und die Ebay-Gauner schrecken wird.

Im Gegensatz zu Khold-Zeiten agiert man bei TULUS nicht so schleppend, arbeitet zudem mit einem Piano, Streichinstrumenten, Hornbläsern sowie weiblichem Gesang. Die Stücke sind allesamt recht kurz und knapp gehalten, 35 Minuten beträgt die Spielzeit von „Biography Obscene“, was letztlich auch ausreichend ist. Das Gefühl, irgendein Stück ist zu kurz ausgefallen, überkommt den Hörer nicht. Im Gegenteil; hier trifft die alte Weisheit „In der Kürze liegt die Würze“ zu. Man gibt sich überwiegend der schnellen, brachialen Spielweise hin, verschleppt das Tempo aber hier und da, was atmosphärische Momente erzeugt. Besonders in solchen Parts erfreut die Gitarre, da sie dann etwas mehr aufblüht. Doch nicht nur in solchen Augenblicken wird das Tempo gedrosselt: Wenn zum Beispiel das Piano ertönt, verstummen zugleich alle anderen Instrumente und bieten dem Piano genügend Freiraum, welchen jenes gefühlvoll zu nutzen weiß. Auch wenn die für Black Metal nicht so häufig verwendeten Instrumente anfänglich leicht bizarr anmuten, im Endeffekt gefallen sie. Im Titellied wirkt das Horn schon leicht amüsant, es klingt nach einer Art Show-Ankündigung. Der weibliche Gesang hingegen ist nur unterstützender Natur und trägt eigentlich gar nichts bei, außer hier und da negativ aufzufallen, da die weibliche Stimme nur hintergründig agiert und – um Gehör zu finden – offensichtlich liebe Mühe hat, sich verständlich zu machen. Ganz besonders deutlich wird dieser Umstand im schon genannten Titeltrack.

Anfangs war ich beim Hören verwundert, das Präludium ist ein malerisches, klassisches Stück, es becirct mit dieser Mixtur bestehend aus dem Horn und den Streichinstrumenten. Doch dann poltern TULUS los, Sverre singt in feinster Khold-Manier. Sogar der weibliche Gesang fügt sich brauchbar ein; bald gleitet die Szenerie aber wieder in trauerschwangeres Streichen über, um dann später erneut loszubrechen. Wahrlich ein furioser Auftakt, der ein mächtiges Werk ankündigt(e). Das folgt aber leider nur ansatzweise, da man sich im Folgenden in Spielereien verliert respektive öfters nur oberflächlich an geistreichen Ideen kratzt.

„Biography Obscene“ ist originell und eigenständig. Außerdem bereitet die Musik Freude, ist kurzweilig und facettenreich. Perfekte Voraussetzungen für eine hohe Wertung, aber für die wirklich hohen Klassen fehlt es dann doch an Atmosphäre und an etwas mehr als bloßer Unterhaltung. Man findet als Hörer sicher Gefallen an diesem Album und den Black Metal-untypischen (mittlerweile ja eigentlich typischen) Instrumenten, doch der ganz große „Kracher“ oder aber DER gefühlsschwangere Moment ist absent. Insofern darf man „Biography Obscene“ bescheinigen, ein nettes Scheibchen für mehrere Durchläufe zu sein. Ende.

Wertung: 7 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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