Interview mit Dirk Scharsich von Victorius

Dinosaurier, Ninjas, grellbunte Action und eine Menge Quatsch – VICTORIUS treiben die Fantasy im Power Metal auf die Spitze. Mit ihrem neuen Album “Dinosaur Warfare Pt. 2 – The Great Ninja War” vermischen die Ostdeutschen die Themen ihrer letzten beiden Veröffentlichungen zu einem noch verrückteren Gesamtergebnis. Mit Gitarrist Dirk Scharsich sprechen wir über das Konzept von Album und Band, warum VICTORIUS jetzt alles egal ist und warum man sie dennoch ernst nehmen sollte.

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Hallo, vielen Dank dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Wie ergeht es dir dieser Tage?
Hey, danke für das Interview, bin großer Fan Eurer Seite und schaue täglich hier vorbei. Mir geht’s soweit gut.

Das Cover von "Dinosaur Warfare Pt. 2" von Victorius“Dinosaur Warfare Pt. 2 – The Great Ninja War” hat es schon im Titel, eure Dinosaurier- und Ninja-Universen kreuzen sich tatsächlich. War dieses VICTORIUS-Universums-Crossover schon länger so geplant?
Ja und nein! Nach der ersten Dino-EP hatten wir nicht sofort im Kopf, irgendwann einen zweiten Teil zu machen. Aber spätestens während den Arbeiten am Ninja-Album wurde uns klar, dass als nächstes unbedingt eine Art Crossover kommen muss.

Woher kommt eure Begeisterung für Dinosaurier? Habt ihr in den 90ern auch die Hefte mit den 3D-Brillen und Bausätzen gesammelt?
Dinos sind einfach cool und irgendwie ein perfektes Gimmick, um den Power-Metal-Sektor ein bisschen aufzumischen! (lacht) Ich selbst war als Kind gar nicht so ein großer Dino-Fan. Es gab da in den 90ern natürlich die ein oder andere Cartoonserie und auch „Jurassic Park“ war ja eine große Sache, aber ich hatte eher weniger Dino-Spielzeug.

Bei „Victorious Dinogods“ spielt ihr das Jurassic-Park-Theme als Gitarrensolo, einem Metaller und Kind der 90er wie mir treibt das direkt Freudentränen und ein dickes Grinsen ins Gesicht. Welchen Einfluss hatte Jurassic Park auf euch und wie findest du die neuen Jurassic-World-Filme mit Chris Pratt?
Das freut mich natürlich zu hören! Wir haben auch immer eine Menge Spaß, wenn wir den Part hören bzw. spielen. Wie schon gesagt ist der Einfluss speziell der „Jurassic Park“-Filme gar nicht so groß wie man denkt, auch wenn wir manchen Text, Melodie oder Promobild ganz bewusst daran anlehnen. Ich persönlich mag den allerersten Film immer noch am liebsten. Danach fand ich die Filme irgendwie nicht mehr so cool. Die neue Reihe ist halt typisches Blockbuster-Kino. Das soll jetzt nicht negativ klingen, aber nichts geht über das ikonische Original!

Victorius Dinosaur Warfare EP CoverartworkDie EP “Dinosaur Warfare – Legend of the Power Saurus” dürfte ein Wendepunkt für euch gewesen sein, seitdem scheint ihr immer bekannter und größer zu werden. Was denkst du, woran das liegt und wie siehst du eure Weiterentwicklung seitdem?
Ja, das war so ziemlich der „Durchbruch“. (lacht) Wobei wir natürlich immer noch keine riesige Band sind, die super bekannt ist, Stadien füllt, Ferraris fährt und Millionen von Alben verkauft. Schade eigentlich. (lacht) Die „Bekanntheit“ kommt sicherlich durch die Konzepte der letzten Alben. Ich schätze, es hat nicht jede Band Konzeptalben über den heiligen Krieg zwischen Dinosauriern und Ninjas. Vermutlich ist das der Grund, warum Leute auf uns aufmerksam werden. Das und wegen dem ganzen Auftreten drum herum, mit den Outfits und Musikvideos usw…

Und wie kam es dazu, dass ihr Ninjas in eure Musik eingeführt habt? Haben die zahlreichen albernen Ninja-Trash-Filme da ihren Teil dazu beigetragen?
Definitiv! Irgendwie war das mit den Ninjas schon lange geplant, seit der Dino-EP war uns eh alles egal und es gab keine Tabus mehr. Wir lieben diese ganzen verrückten Filme und Spiele. Mich faszinierten Schwerter, Wurfsterne etc. schon immer und Ninjas sind immer mystisch, aber gleichzeitig auch immer cool!

In den 90ern gab es neben Dinosaurier- und Ninja-Zeug („Turtles“!) so viel Serien für Kinder, ich erinnere mich vor allem gerne an „Transformers“, „Thundercats“ und „Biker Mice From Mars“. Mit welchen Zeichentrickserien habt ihr eure Samstage verbracht und woran denkt ihr aus dieser Zeit besonders gerne zurück?
„Biker Mice From Mars“! Du sagst es! Ich hatte fast alle Actionfiguren inklusive der Motorräder. Ich interessiere mich mittlerweile wieder sehr für Actionfiguren bzw. Spielzeug im Allgemeinen. Als Kind der 90er muss man natürlich noch die „Extreme Dinosaurs“, „Street Sharks“, „Gargoyles“ und „Power Rangers“ nennen – was für geile Serien das einfach waren! „Power Rangers“ hat mir meine Mutter aber immer versucht zu verbieten, sie meinte das ist zu brutal und nicht gut für Kinder. Nunja, man sieht ja was aus mir geworden ist. (lacht)

Auch auf dem neuen Album spart ihr nicht an allen möglichen Klischees und Übertreibungen. Ist es bei der Albumproduktion euer Ziel, soviel Spaß und albernen Over-the-top-Nonsens wie möglich unterzubringen?
Ja! Das ist so ziemlich das Hauptziel! Ich meine, nicht nur wir wollen Spaß haben, auch die Zuhörer und Fans sollen ein Lächeln im Gesicht haben, wenn sie uns hören oder sehen. Das ist doch, worum es beim Entertainment geht. Wir verwenden beim Aufnehmen und Songwriting immer ein Zitat von Yngwie Malmsteen: „Nur mehr ist mehr!“ Und recht hat er!

Wie geht ihr beim Songwriting an ein Album mit einem starken Konzept ran? Wird einer fertigen Story musikalisch etwas untergeordnet, oder schreibt ihr die Lyrics auf die auskomponierten Songs?
Bei uns startet eigentlich fast alles mit dem Songtitel. Klar, wir haben zuerst das Albumkonzept im Kopf, aber dann entstehen erst die Songtitel, und dann wird entsprechend „drumherum“ komponiert. Meist fangen wir mit dem Refrain an und schreiben dann den Rest des Songs oder schauen ob schon vorhandene, fertige Parts dazu passen. Eigentlich ganz unspektakulär.

Auf eine besondere Weise steht ihr für die Power des Power Metal – die Musik und alles drumherum macht einfach Spaß, man erfreut sich an Kitsch und Quatsch und hat eine gute Zeit damit. Was bedeutet „Power Metal“ für euch?
It´s the only way to live! Bei uns hat alles mit Power Metal angefangen, und wird auch damit enden! Uns interessiert es nicht, dass Power Metal in der Szene immer belächelt und beschimpft wird. Gerade sowas motiviert uns, noch kitschiger und klischeehafter zu sein. Mehr Trompeten, mehr Kitsch, mehr Schwerter! Nur mehr ist mehr!

Victorius Bandfoto

Welche Bands haben euch generell beeinflusst, als ihr VICTORIUS gegründet habt? Haben sich diese Einflüsse inzwischen verändert und lasst ihr euch von anderer Musik, anderen Bands oder anderen Sounds inspirieren?
Am Anfang waren wir große Fans von Hammerfall, Blind Guardian und Rhapsody. Sind wir immer noch. Das war alles Anfang der 2000er, wo ja gerade Power Metal wieder richtig angesagt war. Ich weiß noch, dass wir gezielt wie Rhapsody klingen wollten, weil wir diesen Fantasy-Aspekt so cool fanden. Ich muss hier aber nicht erwähnen, dass das aufgrund mangelnden Talentes und musikalischer Fähigkeiten nicht geklappt hat. (lacht) Aber wir haben einfach immer weitergemacht. Heute würde ich nicht mehr sagen, dass wir von anderen beeinflusst sind, auch wenn es immer heißen wird, wir klingen wie Band X und Band Y. Das ist okay für uns, wir wollen das Rad ja auch überhaupt nicht neu erfinden!

Wie wichtig ist für VICTORIUS das Image und die Videos und wieviel Spaß macht es euch, sie zu drehen?
Sehr wichtig! Ohne all das wäre es langweilig und wir würden aussehen wie verwahrloste, langweilige Studenten. Das will doch auch keiner sehen! Die Videos zu drehen macht immer eine Menge Spaß. Fast noch mehr Spaß macht es aber, sich das ganze Zeug in Zusammenarbeit mit unserem Regisseur, Mirko Witki, und seinem Team auszudenken. Die halten uns immer für total verrückt, aber dann haben sie selbst immer Spaß.

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Werdet ihr von neuen Hörern manchmal direkt abgestempelt, die beim ersten Eindruck denken „Ach, schon wieder so ein Quatsch wie Gloryhammer oder Grailknights? Warum sollten Kritiker und traditionelle Metaller euch trotz des trashigen Konzeptes ernst nehmen?
Das passiert uns ständig. Wir sind es aber auch leid dann zu erklären, dass es uns schon länger als Gloryhammer gibt, also was solls?. Hater und „richtige echte“ Metaller wird es immer geben. Ich denke, unsere Musik ist trotzdem gut. Gut produziert, gut geschrieben und handwerklich solide. Aus diesem Grund könnte man uns ernst nehmen. Am Ende ist doch alles subjektiv. Es MUSS ja auch niemand unsere Musik hören. Wem es nicht gefällt, der hört es sich halt nicht an. Aber in Zeiten des Internets und Social Media kann natürlich jeder so viel kritisieren und schlechtreden, wie er will!

Welche Zielgruppe wollt ihr generell ansprechen? Richtet ihr euch vorwiegend an Kinder der 90er, Nerds und Hörer, die ihren Power Metal gerne voller Klischees und Übertreibungen haben, oder wollt ihr ganz allgemein alle Power Metaller ansprechen?
In erster Linie Power-Metal-Fans. Aber das klingt auch sehr limitierend. Wir denken uns vorher nicht „Der Song jetzt, den machen wir nur für die 10-jährigen!“ oder so. Uns hören ja auch viele Leute, die sonst gar keinen Metal hören. Vermutlich weil wir so kitschige Musik mit lustigen Melodien machen. Ich würde noch nicht mal sagen, dass wir bei Death- oder Black-Metallern total unbeliebt sind. Selbst da gibt es welche, die finden uns cool, gerade weil es so over the top ist.

VICTORIUS ist eine alberne Band, die für Spaß und gute Laune sorgen soll – ist es manchmal schwer, auf der Bühne immer den „Spaßvogel“ zu geben, wenn man selbst mal nicht so gut drauf ist?
Manchmal. Wir sind ja nicht nur mächtige Dinokrieger, sondern auch normale Menschen. Aber wie bereits erwähnt, das ist Entertainment. Die Leute kommen, um unterhalten zu werden und dafür bezahlen sie Geld. Grundsätzlich haben wir aber schon großen Spaß. Also nicht jedes Lächeln auf der Bühne ist fake. (lacht)

Kommen wir zum Abschluss zu unserem traditionellen Brainstorming. Was fällt dir zu folgenden Begriffen zuerst ein…
Aktuelles Lieblingsalbum: Blind Guardian – Nightfall in Middle Earth.
Bestes Buch-/Film-/Serien-Universum: „Zack Snyders Justice League“.
Der beste aller Dinosaurier: Der Power-Saurus!
Etwas, das einen schlechten Tag besser macht: Auto putzen.
Etwas, das einen guten Tag schlechter macht: Dreckiges Auto.
VICTORIUS in 10 Jahren: Sabaton sagen, dass sie ja nicht überziehen sollen, wenn sie uns supporten und auch keine Pyros benutzen dürfen!

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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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