40 Jahre DREAM THEATER! Dieses Jubiläum feiert die lebende Prog-Metal-Legende mit ihrer ausgedehnten „40th Anniversary Tour“, die bereits im Herbst 2024 begann. Die Amerikaner feiern aber nicht nur ihr beeindruckendes Jubiläum, sondern auch die Rückkehr von Schlagzeuger Mike Portnoy. Auf dieser Tour ist er erstmals seit über 15 Jahren wieder mit DREAM THEATER auf der Bühne und damit mit Gitarrist John Petrucci und Bassist John Myung wiedervereint, mit denen er 1985 die Band gegründet hat.
Direkt am Max-Morlock-Stadion gelegen – die hohen Flutlichtmasten strecken sich links und rechts der Bühne empor – und von viel grün umgeben erzeugt der Stadionpark direkt beim Betreten eine lauschige, angenehme Atmosphäre und erweist sich auch mit dem weitläufigen Areal als perfekte Location für Open-Air-Konzerte. Weitläufig heißt allerdings auch, dass heute wesentlich mehr Besucher hätten kommen können und sicher auch erwartet worden sind, Platz wäre mehr als genug gewesen. Vielleicht ist das auch dem nicht gerade günstigen Ticketpreis von 85 € geschuldet.
Als DREAM THEATER pünktlich wie ein Uhrwerk um 19:00 Uhr die Bühne betreten, ist das jedoch egal und der Jubel der Anwesenden ist groß. Mit dem eröffnenden „Night Terror“ zeigt die Band von den ersten Takten an, dass sie richtig Bock auf dieses Konzert haben und in Topform sind. Allen voran dem wiedergekehrten Mike Portnoy ist die Spielfreude anzumerken, er gibt den Takt nicht nur vor, sondern bestimmt mit seiner schieren Präsenz das Geschehen. John Petrucci, John Myung und Keyboarder Jorden Rudess sind ebenso präzise und in beeindruckender Form wie auch James LaBrie am Mikrofon, bei dem bis zu den höchsten Tönen und von emotional bis kraftvoll alles optimal sitzt. Zudem ist der Sound von Beginn an differenziert, druckvoll und klar – für einen perfekten Konzertabend ist also alles gegeben.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Dass sich James LaBrie vor dem Konzert die berühmten Nürnberger Bratwürst gegönnt hat („Wow, that’s some fucking sausage!“) und John Petrucci an seinem heutigen Geburtstag von den Fans mit „Happy Birthday“-Gesängen gefeiert wird, bleiben wenige kurze Ausbrüche in der ansonsten dicken Atmosphäre, die DREAM THEATER erzeugen. Nicht nur sind die fünf Musiker technisch über alles erhaben, sondern vermögen es mit ihrer Songauswahl, das Konzert wie eine musikalische Geschichte, ja fast schon wie ein Theaterstück zu erzählen und zu zelebrieren. Nicht nur fühlen sich die drei „Scenes From A Memory“-Tracks wie aus einem Guss an, sondern alle gespielten Songs in genau dieser Reihenfolge, egal über wie viele Alben und Dekaden hinweg. So gehen selbst das proggige „Barstool Warrior“, die Schmachtfetzenballade „Hollow Years“ und der komplexe Klassiker „Take The Time“ spielerisch ineinander über. Den Übergang zwischen den Songs haben die virtuosen Musiker durch ein langes Intro sowie Outro bei „Hollow Years“ spielerisch und gekonnt hergestellt.
Passend zum Theatervergleich beenden DREAM THEATER nach „Take The Time“ die erste Hälfte des Sets, legen eine 20-minütige Pause ein und kehren mit einer umso härteren zweiten Hälfte zurück. Mit „As I Am“, „Midnight Messiah“ als zweitem Song des aktuellen, umstrittenen Albums „Parasomnia“ und „The Enemy Inside“ ziehen DREAM THEATER die Härte- und Schnelligkeitsschraube merklich an, nur um im wilden Instrumentalpart von „The Dark Eternal Night“ zu blinkenden Lichtern und wabernden Laserstrahlen in überbordendem Spielwitz aufzugehen. Was Sänger James LaBrie während den häufigen, mehrminütigen Instrumentalpassagen des Abends hinter der Bühne treibt, ist unterdessen nicht bekannt.
Fast schon meditativ mutet anschließend das vergleichsweise ruhige „Peruvian Skies“ an, bevor mit dem 20-minütigen „The Count Of Tuscany“ noch ein absolutes, hymnisches Meisterwerk in cineastischen Ausmaßen folgt. Noch einmal dürfen die glücklichen Anwesenden die instrumentalen Dialoge zwischen Petrucci und dem in all seiner Abgeklärtheit beeindruckenden Myung bestaunen, noch einmal Rudess beobachten, wie er sich ständig mit seinem Keyboard um 360 Grad dreht. Nach dieser überwältigenden Gänsehaut-Performance beschließen das emotionale „The Spirit Carries On“ samt Taschenlampen-Lichtermeer und das obligatorische „Pull Me Under“ einen begeisternden Auftritt, der nach fast drei Stunden mit minutenlangem Applaus gewürdigt wird.
- Night Terror
- Act I: Scene Two: II. Strange Déjà Vu
- Act I: Scene Three: I. Through My Words
- Act I: Scene Three: II. Fatal Tragedy
- Panic Attack
- Barstool Warrior
- Hollow Years
- Take The Time
- As I Am
- The Enemy Inside
- Midnight Messiah
- The Dark Eternal Night
- Peruvian Skies
- The Count Of Tuscany
- Act II: Scene Eight: The Spirit Carries On
- Pull Me Under
Beim Konzert in Bonn einige Tage zuvor sorgte eine Leinwand für Visualisierungen, heute in Nürnberg gab es nur ein schwarzes Backdrop – gefehlt hat dennoch nichts. Die Songs und vor allem die musikalische Performance sprechen komplett für sich, die fast immer dezent und unaufgeregt eingesetzte Lichtshow unterstützt die Darbietung perfekt. DREAM THEATER fesseln, verzaubern und begeistern die Anwesenden mit einer überragenden Show, die des Jubiläums absolut würdig ist. Ein großartiges Erlebnis, das noch lange nachwirken wird.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.



