CD-Review: Abnormality - Mechanisms Of Omniscience

Besetzung

Mallika Sundaramurthy - Gesang
Jeremy Henry - Gitarre
Sam Kirsch - Gitarre
Josh Staples - Bass
Jay Blaisdell - Schlagzeug

Tracklist

01. Swarm
02. Synthetic Pathogenesis
03. Mechanisms Of Omniscience
04. Catalyst Of Metamorphosis
05. Vigilant Ignorance
06. Irreversible
07. Hopeless Masses
08. Assimilation
09. Cymatic Hallucinations
10. Consuming Infinity


Nun machen wir einmal folgendes Gedankenspiel: Als Grundlage brauchen wir eine Death-Metal-Band mit Frauenpower am Gesang. Was hätten wir denn da… Arch Enemy? Der Gedanke erscheint jedenfalls naheliegend. Okay, dann stellen wir uns jetzt eine Version von genannten Arch Enemy vor, die mit weniger Melodik, dafür mehr Presslufthammer aufwartet und weibliche Growls bietet, die so klingen, als kämen sie von einer Alissa White-Gluz im doppelt intensiven Rage-Mode. Dann habt ihr eine ungefähre Vorstellung vom Sound der US-Death-Metaller ABNORMALITY, wie sie ihn auf ihrem Zweitalbum „Mechanisms Of Omniscience“ bieten.

Der Opener „Swarm“ verdeutlicht gleich zwei Dinge: Zum einen die genannten Vorzüge dieser großartigen Todesmetall-Kapelle, zum anderen, dass ABNORMALITY gewiss nicht hier sind, um Gefangene zu machen. Eine Dampfwalze aus Gitarrenriffs und Schlagzeuggewitter leitet den Song ein und prügelt von der ersten Sekunde an gnadenlos und unermüdlich auf den Hörer ein. Wenig später meldet sich mit Mallika Sundaramurthy der Star der Platte zu Wort und zwar so, dass es sich gewaschen hat: Die Dame lässt nicht den geringsten Hinweis auf ihr tatsächliches Geschlecht in ihren Vocals erklingen und wandelt mit ihren Growls relativ nah an der Schnittstelle zwischen Chris Barnes und George „Corpsegrinder“ Fisher – klingt dabei jedoch mindestens genau so energetisch, aggressiv, kraftvoll und angepisst wie einer der beiden Genre-Giganten.
Wer dieses Eröffnungs-Gemetzel, wie auch immer das gehen soll, schwer verwundet übersteht, dem wird mit der direkt folgenden Offensive „Synthetic Pathogenesis“ endgültig der Gnadenstoß versetzt. Gefühlt nimmt die Band bei diesem Song den Fuß etwas vom Gas, die Riff-Breitseiten sind aber nicht minder brutal und offensiv. So leitet die Nummer hervorragend zum eigentlichen Album-Highlight in Form des Titeltracks über, der sowohl in Sachen Instrumentalisierung überzeugt, als auch einige der eingängigsten Gesangslinien der Platte bietet.
Im weiteren Verlauf des Albums überzeugt nicht jede Nummer ganz so wie das Eröffnungs-Tripel – bei diesem hohen Niveau ist das allerdings kaum verwunderlich und ändert auch nichts daran, dass „Mechanisms Of Omniscience“ knapp 40 Minuten lang durchgehend bestens unterhält. Mit Nummern wie „Irreversible“ und „Hopeless Masses“ sind darüber hinaus noch weitere garantierte Granaten vertreten, womit schon die Hälfte des Albums definitiv in der oberen Liga mitspielt. Wenn das mal keine Anerkennung wert ist!

Viele Leute schreiben dem dritten Album einer Band eine entscheidende Rolle für ihre weitere Karriere zu. Einerseits kann man angesichts der talentierten Musiker, die bei ABNORMALITY offensichtlich am Werk sind, bezüglich eines Nachfolgers zu „Mechanisms Of Omniscience“ optimistisch sein – andererseits dürfte es nicht ganz leicht fallen, dieses überaus starke Werk noch zu übertreffen. Mögen einige der Stücke auch etwas Zeit brauchen, um wirklich im Ohr zu reifen (mit sonderlich zugänglicher Musik haben wir es hier ohnehin nicht zu tun), einen schwachen Song bieten die US-Amerikaner auf ihrem Zweitwerk mitnichten. Ganz im Gegenteil: Wenn sogar die kurzen Instrumentals, welche auf manch anderen Alben kaum mehr als bisweilen lästiges Füllmaterial darstellen, positiv auffallen und sogar Interesse beim Hörer wecken, dann ist das wohl ein sicheres Zeichen dafür, dass hier nicht viel verkehrt laufen kann.

Bewertung: 8.5 / 10

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