CD-Review: Abyssic - High The Memory

Besetzung

Memnock – Gesang, Kontrabass
Elvorn – Gitarre
Makhashanah – Bass, Gesang
Tjodalv – Schlagzeug
Andre Aaslie – Keyboard, Orchestrierung

Tracklist

01. Adornation
02. High The Memory
03. Transition Consent
04. Where My Pain Lies
05. Dreams Become Flesh


Wenn eine Band mit ihrer Musik derart viele Genres abdeckt, wie es ABYSSIC mit ihrer Mixtur aus Funeral Doom, Black Metal, Progressive Rock und orchestraler Musik tun, kann man üblicherweise davon ausgehen, dass es den Songs nicht an Abwechslung mangelt. Leider war genau das auf „A Winter‘s Tale“, dem Debüt der norwegischen Truppe, trotzdem der Fall: Bis zu einer halben Stunde lang zogen sich die Tracks hin und doch konnte man deren Höhepunkte an einer Hand abzählen. Das eindrucksvolle Artwork und die starke Produktion ließen die vielversprechende Vision der Band jedoch bereits erahnen. Mit „High The Memory“ wagt das Quintett drei Jahre später einen zweiten Anlauf und allein schon das abermals kunstvolle Coverbild macht Lust darauf, ABYSSIC noch einmal Gehör zu schenken.

Der Blick in die Tracklist lässt sogleich die Hoffnung aufkeimen, dass ABYSSIC tatsächlich darauf bedacht waren, ihr Spiel diesmal ein wenig spannender zu gestalten. Anstatt 80 Minuten an Material auf gerade mal vier Songs zu verteilen, haben die Funeral-Doomer die Laufzeit ihrer zweiten Platte um ein paar Minuten kürzer gehalten, sie in fünf Stücke gespalten und sich außerdem davor gehütet, den Hörern noch ein nie enden wollendes 30-Minuten-Ungetüm wie den Titeltrack von „A Winter‘s Tale“ zuzumuten. Wer nun denkt, dass ABYSSIC inzwischen fokussierter zu Werke gehen, wird jedoch leider bitter enttäuscht.

Auf „Adornation“ begrüßen die Norweger ihre Hörerschaft mit denselben verheißungsvollen Chören, denselben dramatischen Symphonic-Keyboards und denselben markerschütterndem Growls, Gitarren und Drums, mit denen sie sich drei Jahre zuvor verabschiedet haben. Ihre Stärken haben sich ABYSSIC immerhin bewahrt und tatsächlich fühlt man sich von der pompösen, unheimlichen Orchestrierung alsbald in ein übernatürliches Horrorszenario versetzt – zumindest für ein paar Minuten. Noch ehe man in das Setting vollends eintauchen kann, wird man sich allerdings der schmerzlichen Gewissheit bewusst, dass „High The Memory“ trotz seines geringfügig anderen Aufbaus unter derselben Langatmigkeit leidet wie das Debüt.

Bis auf den etwas zu platten Schlagzeugsound klingt die Platte gewiss fantastisch – die Metal-Elemente üben mächtig Druck aus und das synthetische Orchester ist vielschichtig und organisch produziert – und doch ist man der monotonen Musik der Orchestral-Doom-Truppe allzu bald überdrüssig. Sich in einschläferndem Tempo voranschleppende, melodiearme Doom-Parts folgen auf bedrückende Klavier-Intermezzi folgen auf verhängnisvolle Streicher- und Bläserarrangements und jede Tonfolge wird bis zur Belanglosigkeit ausgedehnt und gefühlt hundertfach wiederholt. Einzig mit dem furiosen, epischen und einprägsamen Black-Metal-Crescendo auf „Dreams Become Flesh“ reißen ABYSSIC den vor Langeweile betäubten Zuhörer für eine Weile aus seiner unerfreulichen Trance.

Aus technischer Sicht ist „High The Memory“ eine Platte, auf die viele Bands stolz sein könnten – die Vocals und die Instrumente sind klanglich perfekt aufeinander abgestimmt und insbesondere die Keyboards beeindrucken mit ihrem authentischen Sound. Umso bedauerlicher ist, dass ABYSSIC ihre größte Schwäche, das Songwriting, noch immer nicht in eine Stärke umwandeln konnten. Mögen die längsten Stücke diesmal auch „nur“ 20 Minuten andauern, hinsichtlich ihrer Eintönigkeit liegen sie mit den Songs der Vorgängerplatte jedoch mindestens gleichauf. Wie lang ABYSSIC eine Melodie ausreizen und wie oft sie sie wiederholen, scheint völlig willkürlich zu sein, sodass man die Tracks genauso gut um die Hälfte kürzen oder doppelt so lang arrangieren hätte können, ohne dass es einen signifikanten Unterschied gemacht hätte. Und das ist wohl für keine Band erstrebenswert.

Bewertung: 4.5 / 10

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