Das Cover von "Rotten Romance" von Bloody Heels

Review Bloody Heels – Rotten Romance

  • Label: Frontiers
  • Veröffentlicht: 2022
  • Spielart: Hard Rock

Rock- und Metal-Bands gibt es auch in Lettland, allerdings sind nur die wenigsten über die Landesgrenzen hinaus bekannt – abgesehen von den Folk-Metal-Legenden Skyforger vielleicht noch eine Handvoll. Entsprechend ist es nur wenig überraschend, dass auch die Glam Rocker BLOODY HEELS keineswegs Newcomer sind, sondern inzwischen schon ihr drittes Album veröffentlicht haben. Weil sie bei Frontiers Music unter Vertrag sind, die im Hinblick auf Vertriebswege und Marketing so gut aufgestellt sind wie kaum ein anderes Nischenlabel, kommt auch ein internationales Publikum in den Genuss von „Rotten Romance“.

Vor allem verglichen mit manch anderer Band aus dem Frontiers-Katalog klingen BLOODY HEELS geradezu unerwartet modern und ganz und gar nicht festgefahren: In Nummern wie „Dream Killers“ oder „Mirror Mirror“ spielen die Letten ebenso druckvollen wie zeitgemäßen Sleaze Rock, wie man ihn auch von Toxicrose oder Sister erwarten würde. Das beschreibt die generelle stilistische Ausrichtung von „Rotten Romance“ bereits ganz gut, allerdings ist an BLOODY HEELS noch weitaus mehr dran. In schönem Kontrast zu ihren harten, modernen Riffs liefert die Truppe in jeder Nummer eingängige Refrains, die nicht zuletzt in „Burning Bridges“ extrem an Hardcore Superstar erinnern und auch ansonsten hat die Band keine Angst davor, so ziemlich jeden Einfluss zuzulassen.

Diese stilistische Offenheit sorgt auf „Rotten Romance“ für ein enorm hohes Maß an Abwechslung. Versprüht eine atmosphärische Midetempo-Nummern wie „The Velvet“ noch coolen Gothic-Charme, wird es in modernen, amerikanisch angehauchten Tracks wie „Distant Memory“ oder „Crow’s Lullaby“ geradezu unerhört hart. „Amerikanisch“ ist überhaupt ein gutes Stichwort, denn BLOODY HEELS klingen auf ihrem dritten Album ganz und gar nicht nach Nordeuropa, sondern viel mehr wie eine Band von der US-amerikanischen Westküste – selten wird das deutlicher als in den tonnenschwer groovenden Songs „Hour Of Sinners“ und „Angels Crying“, die beide wie moderne Versionen von Skid Row auf „Slave To The Grind“ klingen.

Die Aufgeschlossenheit der Band gegenüber aktuellen Hörgewohnheiten wird durch die Produktion ihres neuesten Albums zusätzlich unterstrichen. „Rotten Romance“ wurde in ultrabreiten, modernen Sound verpackt, der ohne weiteres mit den aktuellen Veröffentlichungen von Bands wie Black Veil Brides oder Avenged Sevenfold mithalten kann. Das verträgt sich hervorragend mit den dicken Riffs und schweren Grooves, die BLOODY HEELS mitunter auffahren und sorgt für ein wirklich stimmiges Gesamtbild und viel Spaß beim Zuhören.

Natürlich könnte man auch BLOODY HEELS vorwerfen, dass sie nichts wirklich Neues zu bieten haben. Weil die Letten aber eine ziemlich große Bandbreite an Vorbildern und Einflüssen haben, gelingt es ihnen dennoch, sich ein Stück weit von ihren Genre-Kollegen abzuheben. „Rotten Romance“ ist sicherlich eines der modernsten Alben, die dennoch eindeutig im Glam und Sleaze Rock zuhause sind und schafft so einen schönen Spagat zwischen den traditionsreichen Wurzeln der Musik und heutigen Produktionsstandards. Wer in den 80ern hängen geblieben ist, wird eher mit Vypera glücklich, aufgeschlossenere Hörer riskieren gerne mal ein Ohr bei BLOODY HEELS.

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Wertung: 7.5 / 10

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