CD-Review: Celtachor - Fiannaíocht

Besetzung

Stephen Roche – Gesang, Flöte
David Quinn – Gitarre, Hintergrundgesang
Fionn Stafford – Gitarre, Hintergrundgesang
Robert Macdomhnail – Bass, Bouzouki, Harfe
Anaïs Chareyre – Schlagzeug, Bodhran, Hintergrundgesang
Liam Henry – Geige, Harfe

Tracklist

01. Sons Of Morna
02. King Of Tara
03. Tuiren
04. The Search For Sadbh
05. Caolite
06. Great Ships From Over The Waves
07. The Battle On The Shore
08. Tears Of Aoife
09. Cauldron Of Plenty
10. Dubh, Dun Agus Liath


Zehn Jahre ist es her, dass die irischen Folk-Black-Metaller CELTACHOR mit „Signs Of War“ ihre erste Demo unter das Volk brachten. Lag das Hauptaugenmerk der Truppe damals und auch zuletzt 2015 auf „Nuada Of The Silver Arm“ noch eindeutig auf schwarzmetallischer Härte, die von folkigen Stilmitteln umspielt wurde, so scheint sich dieses Verhältnis nunmehr auf „Fiannaíocht“ umgekehrt zu haben. Auf dem dritten Album der inzwischen zu einem Sextett herangewachsenen Band steht die mannigfaltige Akustik-Instrumentierung eindeutig über der rohen Raserei, die das Material von CELTACHOR vormals definiert hat. Erstmals nutzen die Iren sogar klaren Gesang, wodurch sie ihre Erzählungen, die sich diesmal um die Sagen von Finn und seiner legendären Kriegertruppe, den Fiannaíocht, drehen, noch lebendiger gestalten.

CELTACHOR haben also erneut ein Konzeptalbum geschaffen – was man der Platte eindeutig anmerkt. Es wird eine durchgehende Geschichte vertont, sodass die Musik, je nachdem an welchem Punkt der Handlung man sich befindet, entweder die Spannung in die Höhe treibt oder geruhsam abflacht, sozusagen als Ruhe vor und nach dem Sturm. Insbesondere die drängenderen Passagen zeigen die Celtic-Metaller von ihrer altbekannten Seite: Durch die garstigen Screams, die unheilvollen Riffs und das wuchtige Blasting fühlt man sich direkt ins besungene Schlachtgetümmel versetzt („King Of Tara“).

Langatmigen Black-Metal-Einheitsbrei braucht man hier nicht zu befürchten, denn anstatt nur wüst in die Saiten und auf die Felle zu kloppen, spielen CELTACHOR unter anderem auch mit stampfenden Rhythmen („The Battle On The Shore“), epischen Gitarrenleads und erhabenen Melodien wie etwa auf dem wunderbar stimmigen Abschlusstrack („Dubh, Dun Agus Liath“). Ihre Liebe zum volkstümlichen Liedgut ihrer Heimat drücken die Iren hingegen über zarte, bisweilen schwungvolle Akustikgitarre, verspielte Geigenarrangements und harmonische Flöten aus, durch die „Fiannaíocht“ ein noch breiteres Gefühlsspektrum abdeckt.

Songs wie die von schwermütiger Sehnsucht erfüllte Ballade „The Search For Sadbh“ und das Aufbruchsstimmung verbreitende „Great Ships Came From Over The Waves“ hätten ohne die Folk-Elemente gewiss nicht dieselbe Wirkung. Die Dreingabe von Clean-Vocals sollten CELTACHOR hingegen lieber noch einmal überdenken. Zwar kommen dadurch neue Facetten zum Vorschein, doch bis auf ein paar Ausnahmen fehlt es den Gesangslinien hier noch an packenden Melodien. Meist hat man den Eindruck, dass die Iren einfach stur ihren Text abarbeiten wollten, ohne dabei auf den Fluss der Musik zu achten, sodass die Vocals letztlich hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben.

Dass CELTACHOR auf ihrem dritten Studioalbum vermehrt auf filigrane Klänge zurückgreifen, ist grundsätzlich eine feine Sache. Die abwechslungsreicheren Kompositionen unterstreichen den erzählerischen Aspekt der Platte ganz vorzüglich, sodass man nahezu durchgehend mitfiebert und mitfühlt. Der gelegentlich etwas zu hohe Kitschanteil der Folk-Parts ist daher kaum der Rede wert. Mit dem Klargesang haben sich CELTACHOR hingegen leider (noch) keinen großen Gefallen getan. Noch singt Stephen Roche ein wenig zu eindimensional, wenn auch mit deutlich herauszuhörender Überzeugung. Gelingt es dem Fronter in Zukunft, sein gesangliches Potential gänzlich zu Tage zu befördern, dann kann dabei nur ein fantastisches Werk herauskommen.

Bewertung: 8 / 10

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