CD-Review: Chelsea Grin - Self Inflicted (-)

Besetzung

Alex Koehler – Gesang
Dan Jones – Gitarre
Jake Harmond – Gitarre
Stephen Rutishauser – Gitarre
David Flinn – Bass
Pablo Viveros – Schlagzeug

Tracklist

01. Welcome Back
02. Four Horsemen
03. Love Song
04. Clickbait
05. Skin Deep
06. Scratching And Screaming
07. Strung Out
08. Broken Bonds
09. Life Sentence
10. Never, Forever
11. Say Goodbye


CHELSEA GRIN haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ihre Musik dem oftmals negativ konnotierten Subgenre Deathcore zuzuordnen ist, ganz im Gegensatz zu vielen „Modern-Death-Metal“-Bands. Ironischerweise fischten gerade sie auch in anderen Gewässern, sodass Alben wie „Ashes To Ashes“ auch Einflüsse aus Black, Tech-Death und sogar Symphonic Metal aufwiesen. Ebendiese lobenswerte Kreativität scheint CHELSEA GRIN jedoch leider zusammen mit ihrem Gitarristen Jason Richardson verlassen zu haben, denn „Self Inflicted“, das vierte Album der Amerikaner, könnte generischer nicht sein.

Dabei macht das Sextett auf dem furiosen Opener „Welcome Back“ noch eine durchaus gute Figur. CHELSEA GRIN punkten hier noch mit gnadenlosen Blast-Beats, tiefen, unheilvollen Riffs und höchst aggressivem Screaming. Der Brutalitätsbonus bleibt jedoch einzig dem Eröffnungstrack vorbehalten, denn abgesehen vom Intro von „Love Song“ folgen die Drums von da an fast nur noch den Breakdowns, die immer mehr die Überhand gegenüber den bösen Riffs gewinnen. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen wie zum Beispiel die düsteren Melodien zu Beginn von „Skin Deep“ ist das Gitarrenspiel auf „Self Inflicted“ unglaublich langweilig, die Breakdowns und das moderne Groove-Gekloppe haben praktisch nie Pause. Selbst Core-Hörer dürften nach Tracks wie „Clickbait“ oder „Broken Bonds“ erst einmal für eine Weile genug von Breakdowns haben. Wer schon bei Whitechapel die Notwendigkeit von drei Gitarristen anzweifelte, wird sie hier mit Gewissheit verneinen.
Dass in dem Gepolter, das darüber hinaus auch noch maßlos künstlich überproduziert klingt, der Bass völlig untergeht, ist da keine Überraschung. Bis auf die wenigen Momente, in denen CHELSEA GRIN einen letzten Rest ihres einstigen Einfallsreichtums hervorkramen (so beispielsweise die kurzzeitig doch recht technischen Leads in „Life Sentence“), können immerhin die teuflischen, hohen Screams – im Gegensatz zu den schwachen, gepressten Mid-Screams – von sich überzeugen. Auf die Texte sollte man jedoch besser nicht achten: Völlig einerlei ob die Deathcoreler nun besingen, wie egal ihnen doch alles ist oder wie verzweifelt sie sind (was dann ja wohl irgendwie nicht ganz stimmen kann), CHELSEA GRIN geben in nahezu jedem Song Grund zum Fremdschämen.

„Self Inflicted“ ist somit in fast allen Aspekten eine herbe Enttäuschung. Waren CHELSEA GRIN vor nicht allzu langer Zeit noch eine vielversprechende Deathcore-Kapelle, die die Grenzen des Genres hinter sich ließ, so ist die Band nun lediglich ein Schatten ihrer selbst. Von den verschiedenen stilistischen Ausflügen der Vorgängerplatte sind nur noch Fragmente übrig, selbst die Death-Metal-Elemente wurden auf ein Minimum reduziert, sodass die Platte nicht einmal durch rohe Brutalität überzeugen kann. Was genau CHELSEA GRIN hiermit bezweckt haben, kann man nur vermuten, aber sie dürften offenbar daran gescheitert sein.

Bewertung: 3.5 / 10

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