CD-Review: Dödsrit - Mortal Coil

Mai 2021

Besetzung

Christoffer Öster - Gesang, Gitarre
Georgios Maxouris - Gesang, Gitarre
Jelle Soolsma - Bass
Brendan Duffy - Schlagzeug

Tracklist

01. The Third Door
02. Shallow Graves
03. Mortal Coil
04. Apathetic Tongues


So schnell kann es gehen: Bestanden DÖDSRIT noch auf dem letzten Album „Spirit Crusher“ lediglich aus Mastermind Christoffer Öster, wurde das Line-Up inzwischen um drei Herren an Gitarre, Bass und Schlagzeug erweitert. Am Sound der damit zu einer waschechten Band angewachsenen DÖDSRIT ändert sich damit aber nichts, noch immer versteht es Öster meisterhaft, überlange Post-Black-Metal-Crust-Punk-Songs zu schreiben. Wer jetzt an Ancst, King Apathy und Konsorten denkt, liegt damit prinzipiell gar nicht so falsch. Allerdings spielen DÖDSRIT mit ihrer neuen Scheibe „Mortal Coil“ so ziemlich alle Genrekollegen an die Wand und empfehlen sich als heiße Kandidaten für das nächste große Ding in der Post-Black-Metal-Szene.

Mit lediglich vier Tracks und einer Laufzeit von knapp 36 Minuten stellt sich aber erstmal etwas Ernüchterung ein. Anscheinend folgen auch DÖDSRIT der sich immer weiter ausbreitenden Devise: „In der Kürze liegt die Würze“. Zumal sich Öster für die Scheibe drei Jahre Zeit gelassen hat. Aber sei es drum, zumindest kann „Mortal Coil“ auf diese Weise mit Fug und Recht behaupten, nur aus Killern und keinen Fillern zu bestehen. Die Grundzutaten klingen dabei nicht revolutionär: Post-Black-Metal mit laut/leise- und schnell/langsam-Spielchen trifft auf Hardcore, Crust-Punk und einer großen Portion Melancholie. Von diesem Schema wird in allen vier Songs auch nur ansatzweise abgewichen und doch klingen DÖDSRIT anders, packender, besser.

Dies liegt zum einen daran, dass die Tracks innerhalb ihrer Genregrenzen unglaublich abwechslungsreich geschrieben sind. Der Opener „The Third Door“ beginnt beispielsweise mit sphärischen Gitarren, steigert sich dann zu einer relativ typischen Post-Black-Metal-Nummer, nur um nach einem stimmigen Break in D-Beat und Hardcore-Raserei zu verfallen. Das Wiederaufgreifen des sphärischen Gitarrenmotivs und Östers heißere Vocals halten den wilden Ritt zusammen und machen ihn zu einem runden Song. Dieser brachiale Stilmix mit unvorhersehbaren und doch perfekt gelungenen Breaks zeichnet auch den Rest von „Mortal Coil“ aus. „Shallow Graves“ und der Titeltrack glänzen darüber hinaus auch noch mit grandiosen Gitarrensoli, die mehr als nur ein bisschen Schwedentod atmen und dem Sound von DÖDSRIT damit eine weitere Nuance hinzufügen. Das Titelstück ist gleichzeitig auch die heftigste Eskalation des Langspielers: Die zweite Hälfte besteht zu großen Teilen aus wüstem Hardcore, der sich in seiner rohen Wildheit nicht vor Ancst und Co. verstecken braucht.

DÖDSRIT ist mit „Mortal Coil“ ein Album gelungen, das trotz überlanger Songs mit eigentlich ausgelutschten Zutaten unglaublich stimmig, abwechslungsreich und mitreißend ist. Christoffer Öster stellt damit einmal mehr unter Beweis, welch gutes Gespür er für die perfekte Mischung aus Atmosphäre und Raserei, große Melodien und knackige Breaks hat. Die Entscheidung, DÖDSRIT vom Ein-Mann-Projekt zur vollwertigen Band zu transformieren, war außerdem goldrichtig. So fett und rund klangen die ersten beiden Scheiben nämlich nicht. Die nächste Veröffentlichung darf dann gerne auch ein oder zwei Songs mehr enthalten.

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Bewertung: 9 / 10

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