CD-Review: Ellende - Lebensnehmer

Besetzung

L.G. - Gesang, alle Instrumente

Tracklist

01. Intro
02. Augenblick
03. Die Wege
04. Ein Stück Verzweiflung
05. Der Blick wird leer
06. Liebkosung des Eiswinds
07. Du wärst eine schöne Leiche
08. Atemzug


Wenn es um Post-Black-Metal der melancholischen Sorte geht, dürfte Österreich eine der führenden Nationen sein. Schon alleine mit Harakiri For The Sky und Karg gibt es zwei Garanten für regelmäßig überaus gelungene Alben aus diesem Genre. Seit 2013 mischt auch das Soloprojekt ELLENDE von Lukas Gosch, alias L.G., mit. Nach dem selbstbetitelten Debüt erschien 2016 der „Todbringer“, dem nun, erneut drei Jahre später, der kaum hoffnungsvoller betitelte „Lebensnehmer“ folgt.

Hoffnung ist selbstredend auch auf stilistischer Ebene nicht das, was man erwarten darf. Dem Genre entsprechend sind die acht Nummern der Platte hörbar ein durchgehender Ausdruck von Schmerz und Hass. Flirrende Post-Metal-Gitarren, Black-Metal-Riffs und geisterhaft-verwaschene Screams bilden das melancholische und atmosphärische Klanggewand. Während dies zugegebenermaßen nach dem Abziehbild einer Beschreibung für ein beliebiges Post-Black-Metal-Album klingt, wirken die Songs auf „Lebensnehmer“ leider aber auch so, als seien sie am Reißbrett geplant und dann aus Genre-Versatzstücken zusammengebastelt worden – zumindest in der ersten Hälfte. Schlecht klingt das alles nicht und die düstere Grundstimmung kommt problemlos zum Tragen. Doch wenn „Augenblick“ und „Die Wege“, die ersten beiden Nummern nach dem Intro, nicht nur bis auf wenige Sekunden fast gleich lang sind, sondern auch noch einen nahezu identischen Aufbau aufweisen (Metal-Part, Akustik-Mittelteil, Metal-Part), hinterlässt das durchaus einen etwas faden Beigeschmack, der durch das nicht misslungene, aber nur leidlich packende Instrumental „Ein Stück Verzweiflung“ nur bedingt revidiert wird.

Spannender wird es da schon in der zweiten Hälfte: „Der Blick wird leer“, der kürzeste der nicht rein instrumentalen Songs, bietet gefühlt abwechslungsreichere und auch interessantere Songwriting-Momente als seine Vorgänger (wobei der Eindruck, dass sich in einem durchschnittlichen Song von Harakiri For The Sky oder Karg mindestens dreimal so viele Ideen befinden, dennoch bestehen bleibt). Spätestens bei der im Vorab veröffentlichten Single „Du wärst eine schöne Leiche“ (nein, dabei handelt es sich nicht um ein Eisregen-Cover) zeigt sich ELLENDE in Bestform und erweitert das Klangspektrum seiner dritten Platte um einen Hauch wohltuender Aggressivität. Der neuneinhalbminütige Rausschmeißer „Atemzug“ holt schließlich aus den Stärken von „Lebensnehmer“ noch einmal das Maximum heraus, bevor der Hörer in Begleitung einer ausgiebigen Akustik-Passage versöhnlich entlassen wird.

Schlussendlich bleibt „Lebensnehmer“ leider hinter den hohen Erwartungen zurück, die insbesondere die wirklich starke Single „Du wärst eine schöne Leiche“ geweckt haben dürfte. Während der Metal-Anteil der Songs sich durchgehend mindestens sehen beziehungsweise hören lassen kann, mangelt es insbesondere den Akustik-Parts an Atmosphäre, zudem bleibt die erste Hälfte des Albums insgesamt ein gutes Stück hinter der zweiten zurück. Nicht zuletzt, weil diese aber umso mehr zum Aufhorchen bietet, macht der Genre-Fan mit „Lebensnehmer“ aber keinesfalls einen Fehler – trotz aller noch relativ aktueller und, man muss es fairerweise einfach sagen, stärkerer Konkurrenz etwa in Form der letzten Alben von Harakiri For The Sky  und Karg.

Bewertung: 7 / 10

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