CD-Review: Evildead - United States Of Anarchy

Besetzung

Phil Flores - Gesang
Juan Garcia - Gitarre
Albert Gonzales - Gitarre
Karlos Medina - Bass
Rob Alaniz - Schlagzeug

Tracklist

01. The Descending
02. Word Of God
03. Napoleon Complex
04. Greenhouse
05. Without A Cause
06. No Difference
07. Blasphemy Divine
08. A.O.P. / War Dance
09. Seed Of Doubt


Als EVILDEAD 1991 ihr für lange Zeit letztes und mithin stärkstes Werk „The Underworld“ veröffentlichten, versuchte die U.S.-Regierung gerade, der Bevölkerung ihr Eingreifen im Irak als MTV-mäßiges Event zu verkaufen. Das sorgte für allerhand gesellschaftlichen Zündstoff, der sich auch in den unverhohlen sozialkritischen Texten der kalifornischen Thrasher widerspiegelte. 2020 genügt ein Blick auf ein beliebiges Nachrichtenportal, um zu erkennen, dass die USA sich nicht nur erneut im sozialen Aufruhr, sondern gar in der schlimmsten innenpolitischen Krise der Nachkriegszeit befinden – ironischerweise könnte der Zeitpunkt für eine Rückkehr von EVILDEAD daher kaum besser sein, denn Stoff für ihre Texte gibt es gerade mehr als genug. Entsprechend stehen auch Titel und Artwork ihres Comeback-Albums „United States Of Anarchy“ nicht nur voll und ganz in der Tradition der Truppe, sondern bieten obendrein eine bissige Karikatur der äußeren Umstände.

Wer EVILDEAD kennt, weiß, was ihn erwartet: Anders als die meisten ihrer – früheren wie heutigen – Genre-Kollegen setzt die Band weniger auf ausgebuffte Songstrukturen und technische Finesse als auf unaufhaltsamen Groove im mittleren Tempobereich. Das ist auch auf „United States Of Anarchy“ nicht anders. Überhaupt sind sich die Kalifornier in vielerlei Hinsicht treu geblieben, was sicher auch daran liegt, dass die heutige Besetzung von EVILDEAD ausnahmslos aus Musikern besteht, die auch an den ersten beiden Alben der Band beteiligt war. So liefern die Herren hier einmal mehr erbarmungslos groovenden Thrash, wie er nur aus dem Los Angeles der frühen 90er stammen kann. Das bedeutet: Kürzere Songs und weniger Riffs oder Gefrickel als bei Exodus oder Megadeth, dafür verheißungsvolle Melodien und vor allem zähe Riff-Walzen, die unaufhaltsam wie ein Panzer dahinrollen.

Das funktioniert über weite Strecken ziemlich gut und fährt in Nummern wie „Greenhouse“, „Word Of God“ oder dem großartigen Rausschmeißer „Seed Of Doubt“ dank starker Riffs sofort ins Genick. Ein weiterer Grund, weshalb EVILDEAD noch klingen wie auf ihren stilbildenden Platten, ist sicherlich Frontmann Phil Flores. Der bellt mit seinem vergleichsweise tiefen Organ so aggressiv wie eh und je, weshalb man ihm auch heute noch abkaufen möchte, dass ihm die Missstände, über die er da referiert, tatsächlich übel aufstoßen. Dennoch: Obwohl die wiedervereinten Thrasher mit dem ziemlich unerwarteten Jazz-Intro zu „No Difference“ oder den progressiven Arrangements von „War Dance“ aus der gewohnten Formel ausbrechen, kann sich „United States Of Anarchy“ einer gewissen Monotonie doch nicht erwehren. Verpackt in den pappigen, direkt von „The Underworld“ importierten Low-Fi-Sound inklusive übersteuerter Bässe, fließen die Songs oft zäh, ja geradezu hypnotisch gleichförmig aus den Boxen, was wenigstens ein bisschen ermüdend ist.

Die eingangs erwähnte Sozialkritik ist auf „United States Of Anarchy“ ein zweischneidiges Schwert. Wenn bewaffnete Bürgerwehren die Mär von der gestohlenen Wahl und noch weitaus Abstruseres propagieren und so die Grundfesten der Demokratie in Frage stellen, sind Zeilen wie „in god we trust our governing body to you and me the Illuminati“ („The Descending“) oder „liberal media plants the seed of doubt (…) our soldiers fought for this, won’t live like communist“ („Seed Of Doubt“) mit Vorsicht zu genießen. Dabei ist es durchaus spannend, dass EVILDEAD ihre Position nicht eindeutig klarmachen und dem Hörer Raum für Interpretation lassen. Einiges in den Texten von „United States Of Anarchy“ kann daher aber auch so ausgelegt werden, dass auch der Verfasser Verschwörungserzählungen nicht gänzlich abgeneigt ist. Am Ende wird solcherlei Holzhammer-Systemkritik, wie EVILDEAD sie hier betreiben, aber ohnehin keinen größeren Schaden anrichten.

Es gibt sicherlich Reunions, die schlechter zu rechtfertigen sind als der Neustart von EVILDEAD – dazu ist dieses Album zu authentisch und das Line-up der Truppe zu traditionsreich. Die Kalifornier haben definitiv noch etwas zu sagen und „United States Of Anarchy“ macht unmissverständlich deutlich, dass sie ihr Handwerk nicht verlernt haben. Allerdings hat sich seit 1995 im Thrash Metal so einiges getan und gerade die letzten zehn Jahre haben eine Unmenge an jungen, hungrigen und musikalisch ziemlich gut beschlagenen Bands hervorgebracht. Gemessen an denen wirken EVILDEAD mit ihrem grobschlächtigen, Riff-orientierten und schlichtweg simpleren Ansatz etwas aus der Zeit gefallen – die rumplige Produktion der Platte tut da ihr Übriges. Fans wird das nicht stören, haben sie es hier doch keineswegs mit einem schlechten Album zu tun, doch die jungen Wilden von heute machen EVILDEAD ihren Platz zumindest streitig.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Bewertung: 6.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: