CD-Review: Helheim - The Journeys And The Experiences Of Death

Besetzung

V'gandr - Gesang, Bass
H'grimnir - Gitarre, Gesang
Thorbjørn - Gitarre
Hrymr - Schlagzeug, Keyboard, Programmierung

Tracklist

01. Veneration For The Dead
02. Dead Man's Eyes
03. The Bewitchment
04. The 2nd Death
05. Entering The Beast
06. Helheim 5
07. Oaken Dragons
08. 13 To The Perished
09. The Thrall And The Master


Puh, das neue Werk der Norweger HELHEIM, namentlich „The Journeys And The Experiences Of Death“ ist ein ganz schön hartes Stück ebenso harten Metals. Das Konzeptalbum behandelt die Totenkulte und -riten während der Zeit der Wikinger, was musikalisch und lyrisch wiedergespiegelt wird. Hinter der Scheibe typischen Viking Metal in Richtung Thyrfing oder Konsorten zu vermuten, ist schlichtweg falsch, denn es handelt sich um düsteren, harten und fast vollkommen unmelodischen Viking Black Metal der anspruchsvolleren Sorte. Die Betonung liegt hier sicher nicht auf Feierstimmung oder dergleichen, es werden durchgehend intelligente und komplexe, aber simpel arrangierte Songs geboten, die eine genaue Zuordnung fast unmöglich machen. Umso schwieriger ist auch, zu dem Album Zugang zu erlangen und wirklich Gefallen daran zu finden. Mir erschließt sich bis heute aufgrund teils sehr seltsamer Melodie- und Songstrukturen die von einigen angepriesene Genialität dieser Platte nicht zu hundert Prozent, auch wenn ich ihr die sehr hohe Qualität natürlich nicht abzusprechen wage. Dennoch ist das hier eines der sperrigsten Alben, die ich seit langem gehört habe.

Los geht es mit einem harten, treibenden Riff, das von einer leisen, dunklen Melodie und druckvollem Drumming begleitet wird und sehr viel Stimmung aufbaut. Plötzlich springt der Song komplett um, nach einem Break ändern sich Tempo, Melodie und die komplette Struktur wird verworfen. Eigenartiges Riffing und sehr vielseitiger Gesang geben jetzt den Ton an, ab und zu mischen sich auch Keyboardklänge ins Geschehen ein. Schon hier wird man zunächst überfordert, da man gar nicht wirklich sagen kann, was einem daran gefällt. Zum Ende wird der sehr stimmungsvolle Anfang jedoch wieder aufgegriffen, was zu gefallen weiß. „Dead Man’s Eyes“ könnte zu Beginn eine typische Immortal-Nummer sein, frei nach dem Motto „Black Metal, der eigentlich gar kein richtiger Black Metal ist“. Sehr gut gefällt mir jedoch das Riffing innerhalb des Songs, auch wenn er sich wieder ziemlich hinzieht. Keine „Besserung“ in Sicht, auch der folgende Song versucht erneut, mit teils dissonanten Klängen zu überzeugen, schaft dies aber nicht auf Anhieb. Das Akustikintermezzo und der darauf folgende Ausklang stellt jedoch einen großen Höhepunkt auf dem Album dar und kann sich durchaus sehen lassen.

„The 2nd Death“, einer der wohl stärksten Songs des Albums, erinnert mich teilweise sehr stark an die Größen dieses progressiv angehauchten Genres, wie zum Beispiel Enslaved oder Borknagar. Trotz allem sind HELHEIM vollkommen anders unterwegs, eingängige Melodien sind kaum bis eigentlich gar nicht vorhanden. Lediglich die Einsätze der Akustikgitarre können entspannend-eingängige Passagen darstellen. Wieder etwas anders kommt da „Entering The Beast“ daher, könnte dieser fast gar als typischer Viking Metal Song durchgehen. Aber irgendwie dann doch nicht so voll und ganz. Sehr anspruchsvoll wird es nun mit dem großartigen Interludium „Helheim 5“ und dem darauffolgenden Epos „Oaken Dragons“. Diese zwei Titel stellen zusammen wohl das dar, was HELHEIM auf diesem Album repräsentieren wollen. Höchst anspruchsvoller, aber dennoch primitiver und dunkler Metal mit einem sehr ungewöhnlichen Konzept. Hier wird der „Progressive“ Hammer wohl entgültig ausgepackt. Und er schlägt zu. Wem die Platte gefallen soll, der muss sich spätestens hier ganz weit weg unterwegs ertappen. Natürlich lässt der Vierer die Stimmung nicht abreißen, sondern zieht sie bis zum Ende durch, darauf näher einzugehen, ist ehrlichgesagt viel zu anstrengend.

Nach diesen 47 Minuten Musik der etwas anderen Art pocht der Schädel. Wer sich nicht auf derartige Musik einlassen kann, der wird kläglich beim Versuch scheitern, dem Album etwas abzugewinnen. Hier funktioniert fast nichts nach einem normalen Prinzip, die Melodien sind größtenteils nichts, was man sonst so in der Musik zu hören bekommt, beruhen zum Teil gar auf unharmonischen Klängen. Damit hat dieses Album etwas, was kein anderes hat. Ob dies nun als Meisterwerk oder akustische Vergewaltigung aufgenommen wird, liegt im Auge (besser: im Ohr) des Hörers. Und wahrlich, ich sage euch: Wem’s gefällt, der hat was, das nicht jeder hat. Obwohl ich noch die ein oder andere Schwäche ausmachen kann, muss ich sagen: Mittlerweile gefällt’s mir.

Bewertung: 8.5 / 10

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