CD-Review: Laster - Het Wassen Oog

Besetzung

S. – Gesang, Instrumente
N. – Gesang Instrumente
W. Damiaen – Gesang, Instrumente

Tracklist

01. Vacuüm ≠ Behoud
02. Schone Schijn
03. Zomersneeuw
04. Ondersteboven
05. Haat & Bonhomie
06. Blind Staren
07. Weerworm
08. Zinsbetovering


Ein eigenständiges, markantes Konzept zu entwickeln, ist gewiss eine der effektivsten Methoden, um als Band von möglichst vielen potentiellen Fans wahrgenommen zu werden. In Zeiten von Spotify und SoundCloud sind kunstvolle Album-Cover und außergewöhnliche Klangkombinationen zwar keine Garantie für Erfolg, doch zumindest in der Metal-Szene kann man damit durchaus noch auf sich aufmerksam machen. Die niederländischen Post-Black-Metaller LASTER haben in dieser Hinsicht jedenfalls das Zeug dazu, große Wellen zu schlagen. Mit der anmutigen, visuellen Ästhetik ihrer ersten beiden Alben und ihrem unkonventionellen, stellenweise fast schon schizophrenen Musikstil konnte die dreiköpfige Band bereits Prophecy Productions von sich überzeugen, sodass LASTER mit „Het Wassen Oog“ nicht bloß ihr drittes Album, sondern zugleich auch ihre erste Platte unter dem Banner des renommierten deutschen Labels veröffentlichen.

Die wuchtigen Drums und rauen Gitarren, welche die ersten paar Sekunden des Openers „Vacuüm =/= Behoud“ ausmachen, lassen anfänglich noch nichts von dem verrückten Höllenritt erahnen, der den Hörer auf „Het Wassen Oog“ noch erwarten sollte. Einen ersten Hinweis darauf liefern LASTER mit den geisterhaft aus dem Hintergrund raunenden Clean-Vocals, die sich auch in weiterer Folge noch mit den unwirklichen, wie ein Sturm heulenden Screams abwechseln. Spätestens wenn dann tänzelnde Akustiktöne, quirlig trippelnde Gitarren, geschäftiges Drumming und urige Retro-Keyboards die vergleichsweise herkömmlichen Post-Black-Metal-Elemente ablösen, wird wohl niemand mehr daran zweifeln, dass die Niederländer ganz und gar nach ihren eigenen Regeln spielen.

Der teuflische, gutturale Gesang, das düstere Riffing und die schroffen Rhythmen, welche die Ausstrahlung des Albums in einen beängstigenden Schwarzton tauchen („Haat & Bonhomie“), kommen zwar keineswegs zu kurz, doch am Interessantesten klingen LASTER, wenn sie die Grenzen ihrer primären Stilrichtung hinter sich lassen. Das kurze „Ondersteboven“ hypnotisiert beispielsweise mit seinen schräg verschwommenen Gitarren, auf „Haat & Bonhomie“ folgen auf die finstersten musikalischen Abgründe abrupt lässige, verspielte Prog-Parts und auf „Schone Schijn“ werden die mysteriösen Gitarrenmelodien ganz nonchalant von eleganten, jazzigen Pianoarrangements begleitet.

Derart skurrile und zum Teil völlig unangekündigte Stilwechsel bekommt man in diesem Ausmaß sonst fast nur von Shining zu hören. Erfreulicherweise verarbeiten LASTER ihre ungewöhnlichen Ideen genau so professionell wie ihre schwedischen Kollegen, sodass man sich in jedem Track aufs Neue darauf freut, sich überraschen zu lassen. Bemerkenswert ist auch, dass „Het Wassen Oog“ produktionstechnisch trotz der plötzlichen Wendungen in Lautstärke und Tempo nie aus dem Gleichgewicht gerät – alles klingt genau so, wie es klingen soll, die brachialen Ausbrüche ebenso wie die feinsinnigen Prog-Spielereien.

„Het Wassen Oog“ ist ein Album voller merkwürdiger 180-Grad-Drehungen, die auf dem Papier vielleicht absurd wirken würden, tatsächlich aber durchaus Sinn ergeben. Obwohl sich LASTER kaum jemals die Mühe machen, ihre verschiedenartigen Inspirationen flüssig miteinander zu verbinden, entsteht auf dem dritten Album der avantgardistisch veranlagten Black-Metaller nie der Eindruck von Willkür. Letztlich ist es LASTER hiermit auf unnachahmliche Weise gelungen, technische Raffinesse, eine trittsichere Gratwanderung zwischen Genie und Wahnsinn und einnehmende Atmosphäre unter einen Hut zu bringen. Ihren Platz im hoch angesehenen Prophecy-Roster haben sich die Niederländer definitiv genau so verdient wie die Aufmerksamkeit der Fans des Labels im Allgemeinen.

Bewertung: 8.5 / 10

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