CD-Review: Moon Far Away - Athanor Eurasia

Besetzung

Leda – Gesang
Count Ash – Gesang, Gitarre, Flöte, Perkussion, Keyboard
Zhigich – Bass
Victorion – Schlagzeug, Perkussion, Flöte

Tracklist

01. The Song Of The Five Lakes Watermill
02. The Blank Flag Of The Europe
03. Napadi, Rosa
04. Polia Vy, Polia
05. Lubila Menja Mat, Obozhala
06. Dva Lazyrja
07. The Blueberry Song
08. Intersymbolism
09. Ostavaisja Bely, Knjaz
10. Celebrate!


Je nachdem, in welchem Teil der Welt man sich befindet, bekommt man auf die Frage nach dem Musikgenre Folk mitunter gänzlich unterschiedliche Antworten. Obwohl die verschiedenen Ausformungen der vordergründig mit klassischen Akustikinstrumenten interpretierten Spielart eine gewisse Einfachheit und eine tiefsitzende Naturverbundenheit eint, würden wohl nur die wenigsten Hörer einen amerikanischen Bluegrass-Song mit einem Stück des eher archaischen nordeuropäischen Stils oder einem slawischen Volkslied verwechseln. Zwischen den westlichen und östlichen Folk-Traditionen besteht somit eine gewisse Kluft, welche die russischen Prophecy-Neuankömmlinge MOON FAR AWAY mit ihrem fünften Album „Athanor Eurasia“ nunmehr zu überbrücken suchen.

Eine innige Vereinigung unterschiedlicher Folk-Variationen findet auf „Athanor Eurasia“ – so viel sei bereits verraten – eigentlich nicht statt. Vielmehr verlagern MOON FAR AWAY im Zuge des gut fünfzig Minuten langen Albums je nach Song schlicht ihren musikalischen Standpunkt. So folgt etwa auf das geruhsame, mit minimalistischer Akustikgitarre und recht beliebiger Perkussion eingespielte Instrumental „The Song Of The Five Lakes Watermill“ mit „The Blank Flag Of The Europe“ eine melancholische Nummer, die mit dem tiefen Männergesang und den einfach gestrickten Arrangements eine offensichtliche Hommage an Sol Invictus darstellt. Dass Tony Wakeford, der Kopf der besagten Neofolk-Pioniere, im feierlichen Abschlusstrack „Celebrate!“ Gastgesang beisteuert, erscheint da nur folgerichtig.

Das Liedgut ihres Heimatlandes verarbeiten MOON FAR AWAY hingegen vor allem in Songs wie dem von schiefem Frauengesang und allerlei sonderbaren, mysteriösen Sounds getragenen „Napadi, Rosa“ oder dem wie eine tröstliche Umarmung klingenden „Dva Lazyrja“. Für an westliche Musikgepflogenheiten gewöhnte Hörer muten wohl vor allem die russischen Volkslieder, die das Quintett auf „Athanor Eurasia“ wiedergibt, befremdlich an – beispielsweise das friedliche „Lubila Menja Mat, Obozhala“, das mit dem Gezeter einer alten Frau beginnt, oder das neugierig klackende, von einem Kind gesungene „Ostavaisja Bely, Knjaz“.

Dennoch ist es nicht allzu schwer, sich auch mit den verschrobeneren Nummern anzufreunden, da sich MOON FAR AWAY grundsätzlich durchwegs an ihr genügsames Instrumentarium, bestehend aus Akustikgitarre, Flöte und organischer Perkussion wie Schellen und Rasseln, halten. Die bodenständige Gelassenheit, mit der MOON FAR AWAY zu Werke gehen, verleiht den Tracks einen natürlichen Charme und lässt letzten Endes auch wohlwollend über die eine oder andere kompositorische Ungereimtheit oder Banalität hinwegsehen.

Im Grunde genommen gelingt MOON FAR AWAY der musikalische Kulturaustausch, den sie sich vorgenommen haben, auf ihrer ersten über Prophecy Productions veröffentlichten Platte nur bedingt. Die west- und osteuropäischen Folk-Einflüsse wurden größtenteils voneinander getrennt in die Lieder integriert, sodass einige eher in die eine und manche eher in die andere Richtung tendieren. Abgesehen von ein paar irritierenden Eigenheiten wie etwa den wahllosen Rhythmen im Eröffnungstrack präsentieren sich die Russen jedoch in beiden Teilbereichen ihres Schaffens als fähige Musiker mit einem respektablen Gespür für einprägsame, gefühlsmäßig ansprechende Melodien. Alles in allem ist „Athanor Eurasia“ eine angenehm unaufgeregte, trotz ihres unkomplizierten Aufbaus jedoch keineswegs langweilende Platte, die für Folk-Fans aus beiden Lagern von Interesse sein sollte.

Bewertung: 7 / 10

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