CD-Review: Nocte Obducta - Umbriel (Das Schweigen zwischen den Sternen)

März 2013

Besetzung

Torsten – Gesang
Flange – Gesang
Stefan – Gesang, Gitarre
Marcel – Gesang, Gitarre, Keyboard
Heiding – Bass
Matze – Schlagzeug, Theremin

Tracklist

01. Kerkerwelten – Teil 1
02. Gottverreckte Finsternis
03. 01-86 Umbriel
04. Dinner auf Uranos
05. Mehr Hass
06. Leere
07. Ein Nachmittag mit Edgar
08. Reprise Dinner auf Uranos
09. Kerkerwelten – Teil 2


NOCTE OBDUCTA – kaum ein Bandname aus der deutschen Black-Metal-Landschaft weckt so ambivalente Gefühle. Für die einen die überschätzteste pseudo-avantgardistische Band, die die Szene je hervor gebracht hat, für die anderen das absolute Non-Plus-Ultra, unübertroffen in Atmosphäre und Melodie. Am Ende mag vielleicht beides irgendwo stimmen – vielseitig genug ist die Diskographie der Truppe schließlich auch zusammengesetzt: Stets wechselte man zwischen vergleichsweise truem Schwarzmetall und anmutigen Klängen hin und her. So ist es auch wenig überraschend, dass auf das sehr traditionell gehaltene „Verderbnis – Der Schnitter kratzt an jeder Tür“ aus dem Jahre 2011 nun ein Album folgt, das mit diesem nicht zu vergleichen ist, und damit genau diese Eigenart der Band gekonnt unterstreicht – ein Album, zwischen sphärischen Passagen, 70’s-Rock-Elementen und typischen NOCTE-Bausteinen, wie das Album vollmundig angekündigt wird.

Mit einem beschwingten Einstieg „Kerkerwelten Teil 1“ aus sanftem Klavier, luftigen Gitarren und sphärischen Synthesizern macht „Umbriel (Das schweigen zwischen den Sternen)“ bereits mit den ersten Takten klar, dass man hier wieder einem ganz anderen musikalischen Anspruch gerecht wird als noch mit dem Vorgänger. Denn auch, wenn im Folgenden durchaus auch harte Gitarren zu hören sind, ist der Grundtenor dieses Mal ein gänzlich anderer: Rein von der Musik her wäre „Umbriel“ nämlich eher die logische Brücke zwischen den „Nektar“-Werken und „Sequenzen einer Wanderung“. Tatsächlich sind hier wieder deutlich mehr typische NOCTE-OBDUCTA-Elemente herauszuhören, erweitert jedoch auf ein musikalisches Spektrum, wie man es in dieser Breite von dieser Band noch nicht gehört hat. Hier wechseln sich starke Riffs und Distortion-Melodien mit verspielten Athmo-Passagen ab, psychedelische Synthesizer-Klänge verschmelzen mit melancholischen Clean-Gitarren – und auch gesanglich ist einiges geboten: So sorgen insgesamt vier Sänger auf dem Album durch den daraus resultierenden, ständigen Wechsel von geflüsterten, geschrienen und gesungenen Teilen sowie deren Kombinationen, für große Vielfalt. Doch auch, was gesungen wird, ist hier hervorzuheben – ist die Lyrik, die hier dargeboten wird, doch ihrerseits schon wert, sich damit zu beschäftigen.
Was „Umbriel (Das schweigen zwischen den Sternen)“ bei alledem so stark macht, ist die Art und Weise, wie NOCTE OBDUCTA die Elemente hier arrangiert haben – vermisst man an dem Album doch trotz der gebotenen Vielfalt zwischen Black Metal („Mehr Hass“) und fast schon dem Ambient zuzurechnenden Passagen wie in „Dinner auf Uranos“ zu keiner Zeit den sprichwörtlichen roten Faden. Die Songs gehen flüssig ineinander über und verstricken sich auch nicht in unauflösbaren Strukturen, so dass man sich in „Umbriel (Das schweigen zwischen den Sternen)“ nicht erst langwierig hineinhören muss, um die Qualität dieses Albums zu erkennen.
Doch je höher das Niveau, auf dem musiziert wird, desto kritischer hört man hin und umso mehr fällt auf, was eben nicht perfekt, sondern nur gut ist. In diesem Punkt muss leider noch einmal auf den Klargesang zurück gekommen werden. So weist dieser einige kleinere Unsicherheiten auf, über die in einer anderen Punkte-Kategorie großzügig hinweggesehen hätte werden können – mit voller Punktzahl ist ein wackliges „Kosmos“ wie in „Dinner auf Uranos“ jedoch nicht vereinbar.

Mit „Kerkerwelten Teil 2“ schließen den Kreis gekonnt und runden das Album vollendet ab – ein Album, das ich ohne zu zweifeln zum bisherigen Meisterstück dieser Band erheben würde.
Fans der „Nektar“-Alben, der „Stille“-EP, aber wohl auch der nicht ganz unumstrittenen „Sequenzen einer Wanderung“-Scheibe werden hier voll auf ihre Kosten kommen – doch auch jeder Fan der derzeit so gefeierten Bands aus der Post-Black-Metal-Ecke sollten hier ein Ohr riskieren, könnte man „Umbriel (Das schweigen zwischen den Sternen)“ doch auch guten Gewissens als deutsche Antwort auf Alcest verkaufen.

Bewertung: 9.5 / 10

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