Das Cover von "Eternal Flame" von Northtale

Review Northtale – Eternal Flame

Der brasilianisch-amerikanische Gitarrist Bill Hudson spielte und spielt in etlichen Metal-Bands von Rang und Namen: Angefangen beim Teutonenstahl-Urgestein U.D.O. über die Progressive Metaller Circle II Circle bis hin zu den Deathern I Am Morbid  verdingt sich der Mann bei so mancher namhaften Formation unterschiedlichster Couleur. Seine eigene Band NORTHTALE debütierte 2019 mit ihrem ersten Abum „Welcome To Paradise“ und konnte damals schon einen ziemlich guten Eindruck hinterlassen. Mittlerweile hat sich der Wind noch weiter zugunsten der Truppe gedreht, denn melodieschwangerer Power Metal liegt zusehends im Trend – ihre zweite Platte „Eternal Flame“ erscheint also genau zur rechten Zeit.

Auf „Eterna Flame“ spielen NORTHTALE abermals gitarrenlastigen Power Metal, der sich zu gleichen Teilen an der nordeuropäischen Genre-Prominenz orientiert, wie er sich zeitgemäß druckvoll präsentiert: Schon der Opener „Only Human“ vereint erhabene Melodieläufe mit edlen Hochgeschwindigkeits-Riffs verpackt in eine noch edlere Produktion. Das klingt nicht nur in unüberhörbar hanseatisch inspirierten Tracks wie „Ride The Storm“ und „Future Calls“ – nicht umsonst taucht hier Kai Hansen als Gastsänger auf – wie eine Mischung aus klassischen Helloween, Gamma Ray und Stratovarius auf Steroiden und wird jeden Fan des Genres sofort in seine Wohlfühlzone schicken.

Zwar treten NORTHTALE mit dem an zweiter Stelle platzierten Kitschfest „Wings Of Salvation“ unvermittelt auf die Bremse und der Iron-Maiden-Klassiker „Judas Be My Guide“ verliert in der sterilen Hochglanz-Version dieser Band viel von seinem ursprünglichen Charme, angesichts der ansonsten enorm hohen Qualität von „Eternal Flame“ ist das aber nicht weiter schlimm. Denn der Kitsch hält sich auf dieser Platte zumeist innerhalb vertretbarer Grenzen: In Nummern wie „Midnight Bells“, „In The Name Of God“ und dem Titeltrack verbinden NORTHTALE immer wieder gekonnt durchschlagskräftige Riffs mit eingängigen Arrangements und positionieren sich damit eindeutig als Melodic-Metal-Band, ohne je über die Maßen schwülstig zu wirken – in „The Land Of Mystic Rites“ wird es sogar richtig progressiv.

Während die Band musikalisch also nahtlos das Programm ihres gelungenen Debüts fortsetzt, gibt es auf „Eternal Flame“ doch eine maßgebliche Neuerung, denn NORTHTALE haben mit Guilherme Hirose mittlerweile einen neuen Sänger an Bord geholt. Der macht seine Sache hervorragend und erinnert an eine Mischung aus Helloween-Frontmann Michael Kiske und Hibria-Sänger Juri Sanson. Damit klingt der neue Frontmann natürlich alles andere als individuell, verfügt aber über eine Power-Metal-Stimme aus dem Bilderbuch. Da NORTHTALE auch ansonsten keine neuen Wege gehen, aber zwölf durchweg stilechte Songs in der Tradition des Genres geschrieben haben, hätten sie kaum einen besseren Sänger wählen können.

Objektiv betrachtet bieten NORTHTALE auf „Eternal Flame“ tatsächlich kaum etwas, das man nicht anderswo auch schon gehört hat. Vermutlich war es aber auch nicht das Ziel der Mannschaft, die hart Musik zu revolutionieren, sondern ein Power-Metal-Album ganz im Stile der Pioniere des Genres zu schreiben. Und da muss man neidlos anerkennen, dass das auf ganzer Linie gelungen ist. Bill Hudson und seine Mitstreiter richten sich ganz klar an Fans der zahlreichen im Text angeführten Referenzen und die werden an „Eternal Flame“ kaum etwas auszusetzen haben. Wenn NORTHTALE dieses hohe Niveau weiter beibehalten können, steht ihnen eine lange und erfolgreiche Karriere bevor.

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Wertung: 8 / 10

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