CD-Review: Nucleus - Entity

Besetzung

Dave Muntean - Gesang, Gitarre
Dan Ozcanli - Gitarre
Ryan Reynolds - Bass
Pat O'Hara - Schlagzeug

Tracklist

1. Arrival
2. Entity
3. Uplift
4. Mobilization
5. Approach
6. Outpost
7. Dominion
8. Timechasm


NUCLEUS aus Chicago scheinen es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, der Welt zu beweisen, dass Death Metal nicht nur brutal, schnell und roh klingen muss. Dass Death Metal mehr sein kann als entweder nur walzend oder nur klöppelnd, mehr als nur Splatter oder Krieg. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Amerikaner mit ihrem zweiten Album „Entity“ so ziemlich alle Facetten dieses Genres in acht Songs unterbringen.

Bereits der Blick auf das Logo von NUCLEUS könnte einen ersten Hinweis darauf geben, welche primäre musikalische und inhaltliche Marschrichtung die vier Amerikaner vorgeben. Die Ähnlichkeit der Logos von NUCLEUS und den SciFi-Metal-Urvätern Vovoid scheint dabei ein passender Zufall zu sein, denn das Quartett aus Illinois hat sich thematisch völlig dem SciFi verschrieben.

Kaum passender könnte es sein, den Opener des acht Songs umfassenden Albums „Arrival“ zu nennen. Im weiteren Verlauf besingen NUCLEUS den Zyklus einer entstehenden Gesellschaft („Entity“), deren Aufschwung („Uplift“) und Expansion („Outpost“) hin zu deren Bedrohung („Timechasm“). Mit der bloßen Erzählung geben sich die Amerikaner allerdings nicht zufrieden: NUCLEUS spannen diese Geschichte in ein Death-Metal-Gefilde, deren Ausuferungen sich dem jeweiligen Erzählstrang anzupassen scheinen, denn wahllos wirkt auf „Entity“ nichts.

Ein Indiz: NUCLEUS lassen sich Zeit. Nicht, weil sie nur Mid-Tempo beherrschen, sondern weil die Tempowechsel als Mittel zum Zweck, nicht zur Aneinanderreihung von verschiedenen technischen Fingerfertigkeiten dienen. Auf „Entity“ wird eine Geschichte musikalisch untermalt, nicht aber Musik mit Texten ausgestattet.

Dadurch stehen die acht Songs nicht nur in harmonischer Chronologie zueinander, sondern leben auch von einer eigenständigen Charakteristik, die durch die Rahmenbildung von Opener und letztem Song „Timechasm“ eingefangen wird. Zwar treten in nahezu jedem Song die Twin-Guitar-Salven von Dan und Dave auf, die gerne mal in einem Solo enden, dennoch wirkt wenig vorhersehbar. Das sich sanft erhebende „Approach“, dessen Keyboard-Einschub sofort im Ohr bleibt, der groovende Titeltrack oder das schleppende „Dominion“: Ebenso wie der Teil der Geschichte, den NUCLEUS gerade erzählen, beliebt auch dessen musikalische Untermalung im Hinterkopf.

Wer bei SciFi-Metal sofort an Wormed oder Khonsu denkt, wird mit NUCLEUS definitiv eine andere Interpretation dieses Charakteristikums entdecken. Besonders, weil die Amerikaner musikalisch überhaupt nicht an SciFi erinnern, im Gegenteil, „Entity“ klingt mindestens 20 Jahre älter, als die Platte ist, weil NUCLEUS nah am (gut produzierten) oldschool-Sound der 90er Jahre und meilenweit vom modern produzierten, sterilen Klang entfernt sind. Wessen Ohren das nicht abschreckt, wird mit „Entity“ einige positive Überraschungen erleben!

Bewertung: 7.5 / 10

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