CD-Review: Progenie Terrestre Pura - oltreLuna

Besetzung

Emanuele Prandoni – Gesang
Davide Colladon – Gitarre
Fabrizio Sanna – Bass

Tracklist

01. [.Planeta.Zero.]
02. [.subLuce.]
03. [.oltreLuna.]
04. [.Deus.Est.Machina.]
05. [.Proxima:B.]


Atmosphärischer Metal mit Weltraum-Thematik ist eigentlich nichts allzu Bahnbrechendes, schon so manche Band wie beispielsweise Khonsu hat sich dieses Konzept auf ihre Fahnen geschrieben. Dennoch ist die Aussicht auf Musik, die einen gedanklich aus dem Orbit befördert, immer wieder faszinierend. Kein Wunder also, dass das italienische Black-Metal-Trio mit dem sperrigen Namen PROGENIE TERRESTRE PURA auch ohne Vorreiterstatus mit dem sphärischen Artwork im Stile alter Sci-Fi-Comics auf sein zweites Album „oltreLuna“ aufmerksam machen kann. Vier Jahre sind seit dem Debüt „U.M.A.“ vergangen, die neue Platte soll detailorientierter und organischer sein – und mit Elementen ethnischer Musik aufwarten.

Das klingt leider nicht nur auf dem Papier sehr abwegig, auch das Endresultat wirkt alles andere als konsistent. Seien es nun die eigentümliche Perkussion, die PROGENIE TERRESTRE PURA im Opener „[.Pianeta.Zero.]“ an den Beginn ihres Albums gestellt haben, die immer wieder wahllos in die Songs hineingeworfenen Streicher oder der befremdliche Kehlkopfgesang, der „[.oltreLuna.]“ einleitet, nichts will so recht zum Rest der Musik passen. Für sich genommen sind die Ethno-Klänge gewiss nicht uninteressant, im Kontext eines Space-Metal-Langspielers in dieser Form jedoch leider fehl am Platz.
Ironischerweise sind gerade diese fremdkörperlichen Stilmittel so ziemlich das einzige, das auf „oltreLuna“ organisch klingt. Zwar vermeiden PROGENIE TERRESTRE PURA den sterilen, leblosen Sound, der oft im Mainstream-Metal vorherrscht, aber von einem natürlichen Klang kann hier auch nicht die Rede sein. Vielmehr hört sich die knapp einstündige Platte wie eine rostige, ausrangierte Maschine an, die es garantiert nicht mehr aus der Erdumlaufbahn schaffen würde. Doch nicht nur die unsaubere Produktion, auch die Kompositionen lassen einiges zu wünschen übrig. Ein paar gelungene Abschnitte finden sich zwischendurch zwar immer wieder, so zum Beispiel das abgehackte Tremolo in „[.subLuce.]“ oder die spacigen Leads im abschließenden „[.Proxima:B.]“, das außerdem mit coolen, zurückgelehnten Clean-Gitarren endet.
Trotz einiger solcher Parts und der Tatsache, dass es den über weite Strecken instrumentalen Tracks gewiss nicht an metallischer Brutalität mangelt, werden die Songs jedoch mit zunehmender Länge unspektakulärer – bei bis zu 15 Minuten langen Tracks eine fatale Feststellung. Das chaotische Sound-Mischmasch aus rohem Screaming, Riffing und Blasting, das PROGENIE TERRESTRE PURA fabrizieren, bleibt kaum jemals im Gedächtnis und die an sich recht stimmigen Electro-Keyboards weichen manchmal leider entnervenden Dubstep-Tönen.

Ein paar kreative Ansätze sind auf „oltreLuna“ durchaus erkennbar, diese bilden jedoch traurigerweise die Ausnahme. Viel zu weitreichend begnügen sich PROGENIE TERRESTRE PURA mit nichtssagendem Geballer und ihr Versuch, Dubstep und Ethno-Musik in ihren Klangkosmos aufzunehmen, geht kolossal schief. Kompositorisch und klanglich ist „oltreLuna“ demnach allzu voll von Unzulänglichkeiten, die Songs ziehen sich stark in die Länge und sind ziemlich ermüdend. Ob PROGENIE TERRESTRE PURA es eines Tages mit Bands wie Khonsu aufnehmen können werden, ist also mehr als fraglich. Bis dahin werden aber wohl noch viele andere diesen Stil aufgegriffen und besser umgesetzt haben.

Bewertung: 4.5 / 10

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