Review Roadrunner United – The All-Star Sessions

Bis zu seinem unrühmlichen Ende im Portfolio von Warner Music 2006 war Roadrunner Records das Label für modernen Metal. Den Höhepunkt in der Geschichte dieses auch sonst geschichtsträchtigen Labels markierte das Projekt ROADRUNNER UNITED: Zu seinem 25. Geburtstag im Jahr 2005 hatte sich das Label nicht lumpen lassen und ein All-Star-Album initiiert, das bis heute seinesgleichen sucht: 55 Musiker aus über 40 Bands sind daran beteiligt – allen voran Dino Cazares (Fear Factory), Robert Flynn (Machine Head), Matthew K. Heafy (Trivium) und Joey Jordison (damals Slipknot), die als  Teamkapitäne für das Songwriting und die Zusammenstellung des jeweiligen Line-ups für die einzelnen Songs verantwortlich zeichnen.

Den Schwerpunkt legen die All-Stars von ROADRUNNER UNITED – der Ausrichtung des Labels entsprechend – auf modernen Metal der härteren Gangart: In den extremsten Fällen wird dieser mit Genre-Größen wie Devildriver-Fronter Dez Fafara (im Groove-Metal-Stück „Baptized In The Redemption“ aus Team Cazares), Deicide-Sänger Glen Benton (im Death-Metal-Kracher „Annihilation By The Hands Of God“ von Joey Jordison), oder Dani Filth (im Black-Metal-Song „Dawn Of A Golden Age“ aus Team Heafy) umgesetzt. Auch Teamleader Flynn geht seine Songs sehr geradlinig an und steuert mit dem Opener „The Dagger“ und dem perfekt auf Max Cavalera zugeschnittenen „Independent (Voice Of The Voiceless)“ zwei Abgehnummern bei – mit „Army Of The Sun“ aber auch ein Stück, das sich nach einem ruhigen Einstieg eher langsam in härtere Gefilde vorwagt.

Doch „The All-Star Sessions“ ist weit mehr als nur ein krachendes Modern-Metal-Album. Gerade Joey Jordison überrascht als Komponist mit extremer Vielseitigkeit: Der bereits erwähnten Tech-Death-Walze „Annihilation By The Hands Of God“ stellt er eine relaxte Rocknummer – „Tired ‚N Lonely“, gesungen Keith (heute: Mina) Caputo (Life Of Agony) – und das fast poppige „No Way Out“ featuring Glassjaw-Sänger Daryl Palumbo gegenüber. Vor allem aber schließt er das Album mit dem sehr ruhigen „Enemy Of The State“, gesungen von niemand Geringerem als dem viel zu früh verstorbenen Type-O-Negative-Frontmann Peter Steele, grandios ab.

Auch andere Songs auf „The All-Star Sessions“ bedienen Fans weniger extremer Metal-Spielarten: die von Matt Heafy komponierte Power-Metal-Hymne „In The Fire“ mit Sänger King Diamond etwa, die ebenfalls von Heafy geschriebene Skatepunk-Nummer „I Don’t Wanna Be (A Superhero)“ mit Michale Graves (ehemals Misfits) am Mikrophon oder die vom Trivium-Frontmann gesungene Halbballade „The End“, die sich Cazares ausgedacht hat. Mit „Roads“ enthält das Album sogar eine echte Ballade – außer der Reihe geschrieben von Josh Silver (Type O Negative). Hier präsentiert Mikael Åkerfeldt (Opeth) zu reduzierten Keyboard- und Streicherklängen die sanfteste Seite seiner Stimme – stark!

„The All-Star Sessions“ ist als Titel für dieses 75-Minuten-Opus absolut angebracht: Auf dem Roadrunner-Jubiläumsalbum erweisen unzählige namhafte Musiker ehemaliger wie (damals) aktueller Roadrunner-Bands „ihrem“ Label die Ehre. Angeführt von vier weise gewählten Team-Kapitänen, die kompositorisch und bei der Auswahl ihrer jeweiligen Mitstreiter astreine Arbeit geleistet haben, hat das Star-Ensemble ROADRUNNER UNITED nichts weniger als ein historisches Album geschaffen: als beispielloses Gemeinschaftsprojekt und Hommage an ein Label, das den modernen Metal geprägt hat wie kein anderes. Aber auch als Beweis für die damalige Stärke von Roadrunner Records, die zwar mit der Übernahme durch Warner 2006 endete, deren damalige Strahlkraft aber unerreicht ist: Bis heute, 15 Jahre später, ist ROADRUNNER UNITED ein einzigartiges Projekt geblieben – und das, obwohl die Anleitung zum Nachmachen sogar mitgeliefert wurde: in Form einer rundum sehenswerten Making-of-DVD.

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