Review Rome – The Tower

Bevor das Jahr 2025 zu Ende geht, überrascht ROME mit einer Doppel-LP, der insgesamt dritten und vierten Veröffentlichung allein in diesem Jahr. Wer sich auf die Klangwelten von Jérôme Reuter einlässt, sollte sich auf eine intensive Reise gefasst machen. „The Tower“ ist kein Album, das man mit einfachen Singles erschließt. Es verlangt nach Aufmerksamkeit und Hingabe.

Die Eröffnung mit „The Twine And The Twist“ wirkt zunächst schwebend, fast gespenstisch. Synthetische Klänge eröffnen einen Minimalismus, der an frühe akustische Singer-Songwriter-Arbeiten von ROME erinnert, bevor Reuter mit seiner charakteristischen Baritonstimme die Atmosphäre in eine melancholische Dimension hebt. „Dieser immer dichter werdende Nebel, der uns umgibt“, singt er – eine Metapher, die sowohl die Klanglandschaft als auch die Stimmung des Albums beschreibt. Glockenartige Akzente durchbrechen die Dunkelheit und verleihen dem Track eine unheimliche Ruhe.

Mit „To The Great Work Only“ folgt ein Stück, das Gothic-Folk-Elemente aufgreift und mit wiederkehrenden Bildern von „schwarzen Jahren“ sowohl bedrückend als auch inspirierend wirkt. „Twilight Leaves“ öffnet ein leichteres Fenster, bleibt aber von einer unterschwelligen Düsternis geprägt. Die gesprochenen Passagen am Ende verstärken das gespenstische Moment und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. „The Lighthouse And The Catacombs“ hebt das Album in fast cineastische Sphären. Das Stück wirkt wie eine Erinnerung an Nachkriegszeiten oder vergangene Katastrophen, genau wie der Opener „The Twine And The Twist“ getragen von Reuters tiefem, brummendem Bariton. Leicht elektronisch unterlegte Synthesizer fügen dem Track eine subtile Modernität hinzu, ohne den introspektiven Kern zu verwässern.

„This Slaughter Behold“ greift erneut die minimalistische Stimmung der Anfangstracks auf, entwickelt sie aber zu einem historischen, beinahe traumartigen Klangbild. „Verblassende Blumen auf jedem Feld“, singt Reuter – und erzeugt so ein Bild, das Erinnerungen wachruft, die der Hörer vielleicht längst vergessen geglaubt hatte. „Remember To Dare“ ist ein überraschendes Stück, das an klassische Americana erinnert und Reuter als vielseitigen Songwriter zeigt. Mystische Melodien und fast schon gespenstische Gesangslinien verleihen dem Track eine spirituelle Note.

„Ire And Truth“ zeigt Reuter in einer vertrauten, aber kraftvollen Manier, die Fans von ME AND THAT MAN bekannt vorkommen dürfte. Der eingängige Refrain „If it causes no stir, it covers no ground“ lädt geradezu zum Mitsingen ein. Den Abschluss bildet „This Hour Her Vigil“, ein Track von geradezu epischer Fragilität. Der Song erinnert an NICK CAVE & THE BAD SEEDS in ihren introspektiven Momenten – post-punkig, zugleich ätherisch und existenziell aufgeladen. Reuter hinterlässt mit seinen letzten Zeilen eine nachhallende Frage, die das Album atmosphärisch perfekt abrundet.

„The Tower“ ist kein Album für nebenbei. Es fordert den Hörer, öffnet aber auch Türen zu tieferen Einsichten – sowohl in die Musik als auch in das eigene Empfinden. Wer sich auf diese Reise einlässt, wird mit einer der wohl intensivsten Veröffentlichungen der letzten Zeit belohnt.

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Wertung: 8 / 10

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