Review Sepultura – Chaos A.D.

  • Label: Roadrunner
  • Veröffentlicht: 1993
  • Spielart: Thrash Metal

Brasilien, die Heimat der legendären Thrash-Metal-Band SEPULTURA, ist ein Land der Gegensätze und blickt auf eine facettenreiche Geschichte zurück: Verslumte Millionenmetropolen existieren neben dem größten Regenwald der Welt, Nachfahren europäischer Kolonialisten und afrikanischer Sklaven leben ebenso im größten Staat Südamerikas wie indigene Stämme, deren Alltag noch genauso abläuft wie vor einem Jahrhundert. Auf die Kolonialzeit folgten Monarchien, Diktaturen und letztendlich demokratische Strukturen (welche in den letzten Jahren jedoch merklich verwässert wurden). All dies ist mit Sicherheit mitverantwortlich für den einzigartigen und charakteristischen Sound, den SEPULTURA in den Neunzigern mit den drei Alben „Arise“, „Chaos A.D.“ und „Roots“ definiert haben.

Die Basis der SEPULTURA-Kompositionen ist ohne Frage Thrash Metal, aber kreativ ergänzt um südamerikanische Percussionelemente oder auch elektronische Versatzstücke in Form von Naturgeräusch-Samples. „Chaos A.D.“ markiert hierbei den Übergang vom noch klassisch anmutendem Thrash auf „Arise“ und dem rohen, teilweise im Dschungel Brasiliens aufgenommenen und massiv von traditionellen lokalen Einflüssen durchzogenem „Roots“-Album.

So ist die musikalische Bandbreite immens: Das wütende „Refuse/Resist“ oder das mächtig groovende „Territory“ sind zu Recht Singles und Meilensteine in der Diskografie der Band, der knackige Zweiminüter „Biotech Is Godzilla“ zeugt ebenso von der Punk-Vorliebe des Quartetts wie das New-Model-Army-Cover „The Hunt“ und vor allem Max Cavaleras durch die Bank politische und gesellschaftskritische Texte.

Inhaltlich will „Chaos A.D.“ seinerzeit den Zustand der Welt beschreiben: So geht es neben dem Nahostkonflikt („Territory“) oder Zensur („Slave New World“) auch um den potenziellen Missbrauch von Gentechnologie („Biotech Is Godzilla“) oder Probleme in der eigenen Heimat: Das Instrumental „Kaiowas“ ist dem gleichnamigen indigenen Stamm gewidmet, der aufgrund einer von der Regierung angeordneten Zwangsumsiedlung kollektiv Selbstmord beging, „Manifest“ handelt von einem Gefängnisaufstand in São Paulo im Jahre 1982.

Das abwechslungsreiche und einzigartige, wie bereits erwähnt von traditionellen brasilianischen Percussioninstrumenten geprägte Schlagzeugspiel von Cavaleras Bruder Igor sorgt für das Groove-Fundament, der Einsatz von Samples wie der Herzschlag von Max‘ bis dato noch ungeborenen Sohn Zyon zu Anfang der Platte oder die psychedelischen Vocaleffekte im atmosphärischen „Amen“ für Abwechslung. Ebenso charakteristisch sind das Gitarrenspiel von Max, aber auch von Lead-Gitarrist Andreas Kisser, dessen Gitarrensolos stets zum Haupthaar-schütteln anregen.

Die Kombination dieser Faktoren und Elemente machen SEPULTURAs fünftes Album zu einem zeitlosen Klassiker, der inhaltlich erschreckenderweise genauso aktuell wie bei Erscheinung vor 27 Jahren ist – aber dafür musikalisch und tontechnisch heute noch funktioniert. Sollte man definitiv mal gehört haben, zumal „Chaos A.D.“ und auch die anderen Alben der Band aus den Neunzigern maßgeblichen Einfluss auf eine ganze Generation von Musikern haben sollten.

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Wertung: 10 / 10

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3 Kommentare zu “Sepultura – Chaos A.D.

  1. Grandioses Album, da bin ich ganz Deiner Meinung! Einige können ja nicht so viel damit anfangen und bevorzugen die älteren Sepultura, aber wenn man bisschen offen ist und nicht immer nur das Gleiche haben will ist das hier ein Beispiel, wie’s gehen kann.

    Wert zu erwähnen ist, dass die beiden Cavaleras dieses Jahr mit Chaos A.D. auf Tour kommen (waren schon im Herbst in den USA unterwegs), unter anderem auf dem Mystic Festival in Gdansk. Freue mich schon wie’n Keks!

    1. Stimmt, hatte ich peripher mitbekommen, allerdings nicht, dass sie auch in Europa damit touren werden. Da muss ich doch mal genauer schauen… insgeheim hoffe ich ja immer noch, dass es irgendwann eine komplette Reunion in Originalbesetzung gibt, aber pssst ;-) Ich wünsche auf jeden Fall viel Spaß in Gdansk, das wird bestimmt großartig.

      1. Ja, die Infos sind gelinde gesagt spärlich… Aber als die Bestätigung für’s Mystic Festival kam war das für mich so der letzte Push, da wirklich hinzufahren.
        Die Webseite gibt nix her, auf Facebook (https://www.facebook.com/cavaleraconspiracy) stehen bislang noch folgende Termine:
        Resurrection Fest, Spanien
        South of Heaven, Niederlande
        Download, England
        Hellfest, Frankreich
        Tons of Rock, Norwegen
        Man liegt wohl nicht komplett daneben, wenn man annimmt, dass zumindest zwischen diesen Terminen (strecken sich über 4 oder 5 Wochenenden) noch bisschen was hinzukommt.

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