So Hideous - None But a Pure Heart Can Sing Cover
Dezember 2021

Review So Hideous – None But A Pure Heart Can Sing

Obwohl Black Metal nicht gerade für sein schöngeistiges Wesen bekannt ist, schöpfen viele Bands dieses Genres Inspiration aus klassischer Musik. Aus dem symphonischen Schaffen Emperors ist der Einfluss der großen Komponisten früherer Jahrhunderte nicht wegzudenken, Satyricon und Dimmu Borgir ließen sich auf der Bühne schon von ganzen Orchestern begleiten. Ein besonders delikates Gespür für klassische Melodieführung haben SO HIDEOUS auf ihren ersten beiden Alben unter Beweis gestellt. Anstatt sich auf den ihnen für „Last Poem / First Light“ (2013) und „Laurestine“ (2015) zugesprochenen Lorbeeren auszuruhen, beschreiten die Amerikaner auf „None But A Pure Heart Can Sing“ neues stilistisches Terrain.

Ihre künstlerische Identität werfen SO HIDEOUS auf ihrem Drittwerk freilich keineswegs über den Haufen. Ihre klassische Ader, die die Band beispielsweise auf Max Richter und Arvo Part zurückführt, leben die Post-Black-Metaller weiterhin vor allem über von Gastmusikern eingespielte Streicher-Arrangements aus. Diese verleihen den Tracks in ihren drängendsten Momenten eine packende Theatralik. Den ruhigeren Abschnitten wie dem dramatischen Mittelteil des Elfminüters „Motorik Visage“ wohnt dank der Saitenklänge eine erlesene, anmutige Schönheit inne.

Auch ihre Begeisterung für den teils sentimentalen, teils monumentalen Post-Rock von Mono und Envy haben SO HIDEOUS nicht verloren. Am deutlichsten zeigt sich dies im anfänglich wuchtigen, bedeutungsschweren „Intermezzo“, das in der zweiten Hälfte mit träumerischen, tröstlichen Clean-Gitarren, marschierenden Drums und einem grübelnden Piano einen rührseligeren Ton annimmt. Der Black Metal kommt auf „None But A Pure Heart Can Sing“ ebenfalls nicht zu kurz, obgleich SO HIDEOUS sich seltener denn je als übermächtige Bedrohung, sondern als von einer vehementen Rastlosigkeit Getriebene gerieren. In dieser Hinsicht sticht vor allem das rasante, sogar während der sanfteren Passagen außergewöhnlich vertrackte Drumming heraus. Frontmann Christopher Cruz macht seine geringe stimmliche Flexibilität hingegen einmal mehr mit seiner unglaublich intensiven Performance wett.

Dass SO HIDEOUS neuerdings außerdem Jazz und sogar Afrobeat in ihren Sound einfließen lassen, macht sich insbesondere in „The Emerald Pearl“ bemerkbar. Nach seinem lässigen und doch schwermütigen Intro, das wie ein Post-Rock-Soundtrack zu einem fiktiven Spaghetti-Western klingt, wird der fulminante Song von herrlich verspielten, mal schnarrenden, mal geschmeidigen Bläsern dominiert.

„None But A Pure Heart Can Sing“ ist lediglich 32 Minuten lang und doch reicher an spannenden Ideen als die meisten Platten mit dem doppelten Umfang. Möglicherweise ist gerade dieser Kürze der einzige Schwachpunkt des Albums geschuldet: die manchmal etwas zu abrupten Umbrüche wie etwa zur Halbzeit von „Intermezzo“ oder im allzu plötzlichen Ausklang von „Motorik Visage“. Nichtsdestoweniger haben SO HIDEOUS ihre charakteristische Mischung aus Black Metal, Post-Rock und Klassik durch die Einbindung von Jazz zu einem einzigartigen, fesselnden Album geformt, das mit dem wie eine triumphale Ankunft klingenden „From Now (Til The Time We’re Still)“ darüber hinaus einen perfekten Abschluss hinlegt. Ende gut, alles gut.

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Wertung: 9 / 10

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