Das Cover von "Para Bellum" von Testament

Review Testament – Para Bellum

  • Label: Nuclear Blast
  • Veröffentlicht: 2025
  • Spielart: Thrash Metal

TESTAMENT mögen nicht zu den „Big Four“ des Thrash gezählt werden, Fans sind sich aber dennoch einig, dass die Band aus Oakland zu den wichtigsten Vertretern des Genres gehört. Obwohl die Gruppe seit 1987 durchgehend aktiv ist, erlebt sie erst seit 2005 und damit der Rückkehr ihres im Übermaß talentierten Gitarristen Alex Skolnick ihren zweiten Frühling, zu dem sicherlich auch der nach wie vor gültige Vertragsabschluss mit Nuclear Blast beiträgt. Fünf Jahre nach ihrem letzten Output „Titans Of Creation“ veröffentlichen TESTAMENT mit „Para Bellum“ ein neues Album, auf dem erstmals ihr 2023 beigetretener Schlagzeuger Chris Dovas zu hören ist.

Auf „Para Bellum“ haben TESTAMENT die extremeren Anteile ihres Sounds (wieder)entdeckt. Da riskiert die Truppe auch gleich im ersten Song, Teile ihrer Hörerschaft vor den Kopf zu stoßen, denn mit schrammelndem Black/Death-Riffing, jeder Menge Blastbeats und einem Chuck Billy, der derart aggressiv ins Mikro keift, dass man stellenweise einen Gastsänger vermuten möchte, beschreiten die Kalifornier hier definitiv ungewohntes Terrain. „For The Love Of Pain“ ist gleichzeitig auch das extremste Beispiel für diese stilistische Veränderung, aber auch Nummern wie „Witch Hunt“ und der Titeltrack kokettieren mit ihren eiskalten und oft düster-melodischen Riff-Passagen unüberhörbar mit dem skandinavischen Death Metal.

Trotzdem muss niemand befürchten, dass die Thrasher hier einen weiteren radikalen Stilbruch wie seinerzeit mit „Demonic“ begehen. Starke Songs wie „Infanticide A.I.“, „Havana Syndrome“ und das cool groovende „Shadow People“ kommen ganz klar aus der Bay Area und reihen sich in die lange Liste großartiger Songs ein, die TESTAMENT seit „The Formation Of Damnation“ aufgenommen haben. Generell scheinen Eric Peterson und seine Mannschaft auf „Para Bellum“ aber mehr Gefallen an Experimenten zu finden. So wagen die Herren mit dem rockigen „Nature Of The Beast“ einen Ausflug in den astreinen Heavy Metal und mit dem Gänsehaut-verdächtigen „Meant To Die“ liefert die Band ihre bisher beste Ballade ab.

Ob der stilistische Blick über den Tellerrand durch die Verpflichtung von Drummer Chris Dovas kommt, kann nur gemutmaßt werden – zumindest ist der Mann u. a. auch im Death Metal beheimatet und das hört man „Para Bellum“ an. Wie bereits im Opener deutlich wird, ist Mr. Dovas ein technisch unfassbar versierter Schlagzeuger und er lässt es sich nicht nehmen, das auch bei TESTAMENT zur Schau zu stellen. Prinzipiell funktioniert das und es verleiht vielen der Songs sehr viel Energie, es kann mitunter aber auch zu viel des Guten sein. Mit unerbittlichem Blastbeat und kapriziösen Fills „überrollt“ der neue Felldrescher die Nummern oftmals, was selten deutlicher wird als in „High Noon“. Technisch kann man dem Drummer keine Vorwürfe machen, aber ein in Nuancen reduzierteres Spiel wäre wahrscheinlich songdienlicher.

„Para Bellum“ ist sicherlich eines der vielfältigsten Alben in der Karriere von TESTAMENT und zeigt die Truppe bisweilen von ihrer härtesten Seite. Überhaupt muss honoriert werden, dass es der Band um Team-Captain Eric Peterson auch nach fast 40 Jahren noch gelingt, sich zu entwickeln – manch andere Formation mit ähnlichem Status hätte wohl weitaus mehr auf sicher gespielt. Jedoch gibt es kein Licht ohne Schatten und auch „Para Bellum“ macht es einem nicht immer leicht. So vielschichtig sich TESTAMENT auf ihrem neuesten Album präsentieren, so wenig bleibt doch am Ende von den einzelnen Nummern hängen. Obendrein haut Drummer Chris Dowas mit seinem extremen Spiel einfach alles platt und lenkt von den eigentlichen Songs ab. „Para Bellum“ ist damit keine schlechte Platte, aber gerade diese Band war schon deutlich besser.

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Wertung: 7 / 10

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