
Thrash Metal lebt mehr als andere Genres in der Vergangenheit: Kaum ein Stil ist so von den Bands der ersten Stunde dominiert wie der Thrash. Und nirgendwo anders wird das so zelebriert. So überrascht es auch nicht weiter, dass im Herbst 2025 zur „Thrash Of The Titans“-Tour geladen wird, in Anlehnung an die „Clash Of The Titans“-Tour von 1990, auf die sich zuletzt unter anderem schon KREATOR mit der „Klash Of The Titans“ bezogen hatten. Der gemeinsame Nenner aller drei Touren sind TESTAMENT, die bei allen drei Touren dabei waren – diesmal sogar als Headliner. Bei so viel Tradition ist es fast überraschend, dass mit NERVOSA zumindest eine (vergleichsweise) junge Band mit von der Partie ist.
Den Anfang dieses Thrash-Fests haben sich die Fans wie auch NERVOSA selbst allerdings vermutlich anders vorgestellt: Nahezu den gesamten ersten Song lang sind nur Schlagzeug und Gesang zu hören – und zwar nicht nur im Publikum, sondern auch auf der Bühne. Zwar spielen die Musikerinnen ihren Track souverän fertig – danach jedoch stellt Prika Amaral konsterniert fest, dass der Soundcheck wohl umsonst war. Wirklich in den Griff bekommt der Soundmann das Problem erst mehrere Songs später – bei einem 30-Minuten-Slot muss man da aber schon von einem entstandenen Totalschaden sprechen. Applaus bekommen die Brasilianerinnen für ihren engagierten Auftritt trotzdem – Euphorie kommt unter diesen Umständen aber weder auf noch vor der Bühne auf.
- Seed Of Death
- Behind The Wall
- Kill The Silence
- Perpetual Chaos
- Venomous
- Jailbreak
- Endless Ambition
Nervös muss deswegen aber niemand werden, denn dass es auch anders geht, zeigt nur knapp 15 Minuten später der Tontechniker von DESTRUCTION. Obwohl die Bands heute aufgrund einer Veranstaltung im Zirkus nebenan auf 99 dB limitiert sind, donnern die Hits der Thrash-Legende aus Baden-Württemberg mit viel Wucht aus den Boxen. Dass sich ausgerechnet Drummer Randy Black nur zwei Tage zuvor den Knöchel verstaucht hat, merkt man der Performance ebenso wenig an wie die Tatsache, dass DESTRUCTION heute nicht als Headliner hier sind. Vom Opener „Curse The Gods“ an ist die Stimmung in der mittlerweile gesteckt vollen Tonhalle blendend. Dass DESTRUCTION Hit im Hit nachlegen, und unter anderem 40 Jahre „Bestial Invasion“ feiern, tut sein Übriges. Umso bedauerlicher ist es, dass das Quartett in diesem Package eben nur Vorband ist und nach nurmehr 40 Minuten auch schon wieder Schluss ist.
- Curse The Gods
- Nailed To The Cross
- Scumbag Human Race
- Mad Butcher
- No Kings No Masters
- Thrash ‚Til Death
- Bestial Invasion
- Destruction
Nachdem DESTRUCTION bereits alles abgerissen haben, heißt es nun: Erstmal zu OBI. Bereits um 20:15 Uhr steht mit OBITUARY der Pre-Headliner auf der Bühne. Eingehüllt in Nebelschwaden, so dicht, als hätten sie diese direkt aus den Sümpfen mitgebracht, liefert die Truppe 60 Minuten lang feinsten Florida-Death der klassischsten Sorte. Das liegt insbesondere daran, dass die vor gut 40 Jahren als EXECUTIONER gegründete Band auf dieser Tour das 35. Jubiläum ihres bis heute meistverehrten Albums „Cause Of Death“ feiert. So gibt es, nach einer kurzen Aufwärmphase mit alten und neuen Songs, als Herzstück der heutigen Show gleich fünf Tracks des Klassikers am Stück zu hören. Dass John Tardy auf Ansagen prinzipiell verzichtet, sodass es auch heute zwischen den Songs teils irritierend lange still ist, bleibt etwas befremdlich – mangelnden Humor kann man dem Quintett aber nicht unterstellen: Zum Rausschmeißer „Slowly We Rot“ schmeißt auch John Tardy einen raus – und zwar einen Aufblas-Alligator. Der hat zwar nur ein extrem kurzes Leben in Freiheit, ehe ihn sich der erste übereifrige Memorabilia-Jäger schnappt – für einen kurzen Lacher ist die Aktion allemal gut.
- Redneck Stomp
- Sentence Day
- A Lesson In Vengeance
- The Wrong Time
- Infected
- Body Bag
- Dying
- Cause Of Death
- Chopped In Half / Turned Inside Out
- I’m In Pain
- Slowly We Rot
30 Minuten nach OBITUARY ist es Zeit für die TESTAMENTs-Eröffnung. Wie zu erwarten dürfen sich die Fans über einen bunten Mix aus altem und neuen Material freuen. In 75 Minuten geht es einmal quer durch die über 40-jährige Karriere der Kalifornier, wobei vom Debüt „The Legacy“ bis zum brandneuen Album „Para Bellum“ immerhin zehn der 14 Studioalben mit zumindest einem Song angespielt werden. Entsprechend breit ist das musikalische Spektrum: Von Balladen wie „Trail Of Tears“ bis zu schnittigen Thrash-Hymnen wie dem obligatorischen „Into The Pit“ ist alles dabei, obendrauf gibt es ein Drum-Solo und sogar ein bisschen Feuerwerk. All das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass TESTAMENT in Sachen Energie und Dynamik nicht ganz mit den beiden vorangegangenen Bands mithalten können. Dass sich Fronter Chuck Billy zwischendurch als Videograf betätigt und mit dem GoPro-Stick übers Publikum wedelt, genüsslich eine Banane verspeist (!) oder das Publikum die Plattitüde „Fuck Cancer“ skandieren lässt, heizt die Stimmung im Saal nur bedingt an. Zugegebenermaßen ist Billy aber auch nochmal einige Jahre älter als Schmier oder John Tardy – und musikalisch gibt es (außer am ziemlich lahmen Schlagzeugsolo) auch bei TESTAMENT absolut nichts auszusetzen.
- D.N.R. (Do Not Resuscitate)
- WWIII
- Practice What You Preach
- Sins Of Omission
- Native Blood
- Trail Of Tears
- Low
- More Than Meets The Eye
- Drum Solo
- First Strike Is Deadly
- Infanticide A.I.
- Shadow People
- Return To Serenity
- Electric Crown
- Into The Pit
Dass es nach wie vor die gleichen Bands sind, die den Thrash (und Death) Metal beherrschen, hat fraglos viele Gründe. Einer davon ist die Erbarmungslosigkeit, mit der die Herren gegen das Altern ankämpfen – und zwar mit beachtlichem Erfolg: Selbst am drittletzten Tag einer Tour mit 19 Shows in 22 Tagen bekommen die Fans von DESTRUCTION, OBITUARY und TESTAMENT geboten, wofür sie gekommen sind: Hits aus jeweils rund 40 Jahren Metal-Historie, mit all der ihnen seit jeher innewohnenden Urgewalt. Schon unter optimalen Bedingungen kommen selbst die besten Nachwuchsbands dagegen nur schwerlich an – und unter Voraussetzungen, wie sie NERVOSA heute vorgefunden haben, gar nicht. Die Zeit der neuen Generation mag kommen – aber noch beherrschen definitiv die Silberrücken die Szene. Ein Schauspiel, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

Destruction als Headliner?
Hier hat wohl jemand ein wenig Watte in den Ohren?
Nach über 40 Jahren nichts dazugelernt der musikalische Level wie anno dazumal als man in erster Linie mit dem WarriorLook Aufsehen erregt
Wenn den musikalischen Level der amerikanischen Thrash Riege aus Florida und der San Francisco Bay Region betrachtet und erlebt,wundert es mich überhaupt Nicht,dass der Thrash Metal fest in amerik.Hand ist
Und so wird es auch bleiben..eine Unzahl junger Bands in diesem Genre
kommen aus den USA wo Thrash Metal ein viel größeres Pubklikum erreicht als hierzulande
Hi, weder wird im Bericht behauptet, dass Destruction Headliner waren, noch kann man ernsthaft behaupten, dass sie wie in den rumpeligen Anfangstagen klingen (sorry, das ist wirklich äußerst albern). Dass das Genre amerikanisch dominiert ist, kann man durchaus so sehen, wenngleich es natürlich auch starke und erfolgreiche deutsche/europäische Größen gibt. Danke fürs Kommentieren, wir wünschen viel Freude beim weiteren Lesen und Hören – hoffentlich ohne Watte auf oder in diversen Sinnesorganen. :)