CD-Review: The Absence - Coffinized

Besetzung

Jamie Stewart – Gesang
Taylor Nordberg - Gitarre
Mike Leon - Bass
Jeramie Kling - Schlagzeug

Tracklist

01. Coffinized
02. Future Terminal
03. Choirs of Sickness
04. Radiant Devestation
05. Cathedral Dawn
06. Black Providence
07. Discordia
08. Treacherous
09. This Consuming Nocturne
10. Aperture Expands
11. Faith in Uncreation


THE ABSENCE gehören zu diesen klassischen Underdogs. Die Band besteht bereits seit fast 20 Jahren, hat mit „Coffinized“ das fünfte Album am Start und immer durchweg hohe Qualität abgeliefert, trotzdem läuft sie irgendwie immer unter dem Radar. Musikalisch hört man der Combo aus dem sonnigen Florida ihre Herkunft nicht vordergründig an, denn sie zelebrieren klassischen Melodic Death Metal der Göteborger Schule.

Diesen haben THE ABSENCE bereits auf den ersten beiden Alben „From Your Grave“ (2005) und „Riders Of The Plague“ (2007) überzeugend dargeboten, nach dem schwächeren 2010er „Enemy Unbound“ war es aber erstmal still um die Combo. Einige Besetzungswechsel und ganze acht Jahre später war „A Gift Of The Obsessed“ so etwas wie ein Comeback-Album mit einem nun hoffentlich stabilen Line-up.

In diesem Genre ist es heutzutage schwer, noch innovativ zu sein oder Neues zu versuchen, also lassen sich THE ABSENCE auch gar nicht dazu hinreißen. Als Opener legt der Titeltrack brachial los, nach einem kurzen Intro brechen alle Dämme: Die Drums rasen in Dark-Tranquillity-Manier zu „The Mind’s I“-Zeiten, Riffs und Melodiebögen erinnern an „Slaughter Of The Soul“ von At The Gates oder Arch Enemy um die Jahrtausendwende. Frontmann Jamie Stewart wütet, schreit und krächzt sich die Seele aus dem Leib. Wenn die schwarzmetallische Bridge atmosphärisch in den Refrain überleitet, die Blastbeats einsetzen und der treibende Rhythmus sich anschickt, die Kontrolle über die Nackenmuskulatur zu übernehmen, muss dem Genrefan einfach das Herz aufgehen. Sonst hat er den Melodic Death Metal nie geliebt!

„Radiant Devestation“ drückt nach dem rasanten Anfangsdreier erst einmal etwas auf die Bremse und zeigt wie auch das an Carcass erinnernde „Black Providence“, dass THE ABSENCE sich auch im groovenden Midtempo pudelwohl fühlen. Bei „Cathedral Dawn“ etwa hört man den US-Amerikanern ihre Herkunft dann doch an: Hier ist ein deutlicher Thrash-Einschlag zu bemerken, der sich – wenn auch nicht vordergründig – durch den gesamten Sound der Scheibe zieht. Ein Track wie „The Consuming Nocturne“ vereinigt alle Stärken: Highspeed-Drumming, Midtempo-Groove, tolle Melodien, durchgehende Aggressivität, ein eingängiger Refrain und Songwriting auf den Punkt.

THE ABSENCE haben ihren Stil und ihre Fähigkeiten weiterentwickelt und legen mit „Coffinized“ ihr rundestes und bestes Album vor. Die Band wirkt nach chaotischen 2010er Jahren perfekt aufeinander eingespielt. Keine der 50 Minuten ist langweilig oder überflüssig, alle Melodien, Hooks und Breaks haben Hand und Fuß.  Auch wenn hier viele bekannten Namen zu Vergleichen herangezogen wurden, sind die Amerikaner nie eine billige Kopie ihrer schwedischen Vorbilder, sondern bauen auf diesem Fundament ihr eigenes Werk auf. Tatsächlich ist es THE ABSENCE trotz aller Ähnlichkeiten zu den Vorreitern des Genres gelungen, ihre eigene Note zu finden und nicht zuletzt durch ihren thrashigen Einschlag einen unverkennbaren Sound zu kreieren. Das ist eine Meisterleistung in einem Genre wie dem Melodeath, der die letzten Jahre von billigen Nachahmern, Bands ohne Seele und Ambition und stinkenden Käse-Veröffentlichungen überflutet wurde. „Coffinized“ ist rein für sich stehend ein starkes Album mit fantastischem Songwriting, wirkt wie aus einem Guss und ist durchgehend spannend. Ein wahres Freudenfest für Fans der Ursprünge und der Hochzeit des schwedisch geprägten Melodic Death Metal.

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Bewertung: 9 / 10

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