CD-Review: Therion - Beloved Antichrist

Besetzung

Christofer Johnsson - Gitarre, Keyboards, Programmierung
Lori Lewis - Gesang
Thomas Vikström - Gesang
Christian Vidal - Gitarre
Björn Nalle Påhlsson - Bass, Gitarre
Johan Kullberg - Schlagzeug

Tracklist

01. Turn From Heaven
02. Where Will You Go
03. Through Dust, Through Rain
04. Signs Are Here
05. Never Again
06. Bring Her Home
07. The Solid Black Beyond
08. The Crowning Of Splendour
09. Morning Has Broken
10. Garden Of Peace
11. Our Destiny
12. Anthem
13. The Palace Ball
14. Jewels From Afar
15. Hail Caesar!
16. What Is Wrong
17. Nothing But My Name
18. The Arrival Of Apollonius
19. Pledging Loyalty
20. Night Reborn
21. Dagger Of God
22. Temple Of New Jerusalem
23. The Lions Roar
24. Bringing The Gospel
25. Laudate Dominum
26. Remaining Silent
27. Behold Antichrist
28. Cursed Be The Fallen
29. Resurrection
30. To Where I Weep
31. Astral Sophia
32. Thy Will Be Done!
33. Shoot Them Down!
34. Beneath The Starry Skies
35. Forgive Me
36. The Wasteland Of My Heart
37. Burning The Palace
38. Prelude To War
39. Day Of Wrath
40. Rise To War
41. Time Has Come Final Battle
42. My Voyage Carries On
43. Striking Darkness
44. Seeds Of Time
45. To Shine Forever
46. Theme Of Antichrist


Wenn, dann richtig. Genau das scheinen sich THERION gedacht zu haben, als ihnen die Idee zu ihrer Rock-Oper „Beloved Antichrist“ in den Sinn kam. Genau acht Jahre nach ihrem letzten Studio-Material „Sitra Ahra“ und sechs Jahre nach ihrem Cover-Album „Les Fleurs Du Mal“ präsentieren die Stockholmer anno 2018 ein über drei Stunden währendes, mit 46 Tracks gespicktes und in drei Disks in die Plattenläden kommendes Konzept-Album – hier wird Musikhören zur Herausforderung.

Um die Idee hinter „Beloved Antichrist“ zu verstehen, sollte sich der Hörer im Klaren sein, dass es sich wortwörtlich um eine Oper handelt: Verschiedene Charaktere, mehrere Akte, unterschiedliche Wendungen; Mastermind Johnsson hat das auf einen bzw. mehrere Silberlinge gebrannt, wofür andere Leute viel Geld in der New Yorker Met lassen würden.

THERION halten sich inhaltlich dabei an Wladimir Solowjows Werk “Kurze Erzählung vom Antichrist” (1899), wobei die Schweden diese Geschichte um einiges erweitern und neue Charaktere hinzufügen. Während das Herz des Musical-Fans nun völlig aufgeht, wird der Druck auf der Brust des reinen Symphonic-Metal-Liebhabers womöglich größer. Um beide Gruppen gleichermaßen erfreuen zu können, muss THERION das gelingen, was man sich bei einem über dreistündigen Album nur schwer vorstellen kann: Unterhaltung, Abwechslung, Fesslung.

Dabei ist es schwer, einzelne Songs und geschweige denn Parts sowie Motive besonders hervorzuheben. Bei dieser Masse an musikalischen Input bleibt dem Rezensenten nur die Möglichkeit, den Gesamteindruck von „Beloved Antichrist“ aufzuzeigen. Und während THERION drei Stunden lang musizieren, beschleicht eben jenem Kritiker genau ein Gedanke: Musik als Mittel zum Zweck. „Beloved Antichrist“ ist mitnichten ein „The Great Mass“ (Septicflesh) oder ein „The Engineered Flesh“ (Lyfthrasyr), da THERION rein kompositorisch betrachtet weder hochgradig eingängig noch erstaunlich komplex vorgehen; stattdessen unterfüttern sie instrumental eine Geschichte.

Nachdem der Punkt Abwechslung demnach gestrichen werden kann, stellt sich die Frage, inwiefern es „Beloved Antichrist“ gelingt, zu unterhalten. Mag die Neugier zu Beginn noch groß sein, schmälert sie sich bereits in der ersten Hälfte des ersten Aktes, da es THERION nicht gelingt, die bis dato gehörten Muster zu durchbrechen oder um eine neue Facette zu bereichern. Symphonie trifft auf Frauen- oder Männergesang, ab und an wird die Akustikgitarre bemüht, das Mid-Tempo nicht verlassen. Das raubt den einzelnen Tracks die Möglichkeit, sich mit einem Alleinstellungsmerkmal abzugrenzen.

Unterhaltung wie auch Abwechslung sind somit nicht die Schlagwörter, für die „Beloved Antichrist“ steht; womöglich aber Fesslung? Erneut ein bestimmtes Nein. Denn leider gelingt es den Schweden nur schwerlich, die Spannung in der Geschichte auch auf die Musik zu übertragen. THERION könnten mit Laut-Leise-Kontrasten, Tempo-Wechsel oder allmählich aufbauenden Steigerungen arbeiten, also Stilmitteln, welche den Erzählstrang auf die musikalische Ebene verhelfen würde. Stattdessen bewegen sich die Skandinavier in einem vergleichsweise viel zu engen Korsett, um dieser Mammut-Aufgabe, über drei Stunden Musik fesselnd darbieten zu können, gerecht zu werden.

Wesentlich ratsamer wäre es gewesen, wenn THERION dieses Material als Trilogie anstatt als drei Akte umfassende Veröffentlichung auf den Markt gebracht hätten, denn im Falle von diesem Album obsiegt lediglich die Quantität anstatt der künstlerischen Qualität. Schlussendlich mangelt es „Beloved Antichrist“ somit an Rückgrat, um die mutige Idee, eine Metal-Oper einzuspielen, auch mutig umzusetzen.

Bewertung: 6.5 / 10

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