CD-Review: Windfaerer - Breaths Of Elder Dawns

Besetzung

Michael Gonçalves – Gesang, Gitarre, Tres
Itay Keren – Gesang, E-Gitarre, Akustikgitarre
Benjamin Karas – Gesang, E-Geige, Geige, Bratsche, Cello, Orchestrierung
Michael Muñoz – Bass
James Applegate – Schlagzeug

Gastmusiker:
Fernando Vázquez Regueira – Dudelsack (Track 06)

Tracklist

01. Oxalá
02. Depletion
03. A Forbidden Path
04. Into The Mist
05. Astral Tears
06. Starcrossed
07. Orchard
08. Longing To Ascend
09. Entombed In Glacial Waves


Windfaerer - Breaths Of Elder Dawns Cover

Streichinstrumente sind im Black Metal zwar nichts Alltägliches, aber auch kein Novum. Die Genre-Vorreiter Celtic Frost demonstrierten bereits 1987 auf ihrem bahnbrechenden zweiten Album „Into The Pandemonium“, dass in dieser Stilrichtung nicht nur Gitarren- und Basssaiten ins Bild passen. Dennoch stechen WINDFAERER insofern heraus, als Streicher in ihrer Musik nicht bloß durch vereinzelte Gastbeiträge zum Zug kommen, sondern einen festen Bestandteil des genutzten Instrumentariums darstellen. Dabei handelt es sich allerdings keineswegs um ein aufmerksamkeitsheischendes Gimmick. Auf „Breaths Of Elder Dawns“ zeigen WINDFAERER, wie hervorragend Geige, Bratsche und Cello mit Black Metal zusammenwirken können.

Obgleich die Streicher bei weitem nicht die einzige Stärke der Band sind, spielen sie auf ihrem viertem Album doch eine Hauptrolle. Sie erklingen wie ein frühlingshaftes Erwachen im Auftakt des Openers „Oxalá“, jaulen in „Into The Mist“ einem wilden Tier gleich und verleihen dem getragenen „Longing To Ascend“ seine zutiefst bedrückende, sehnsüchtige Grundstimmung. Mit dem virtuos verspielten Solo im Elfminüter „Depletion“ machen WINDFAERER sogar Ne Obliviscaris Konkurrenz. Und doch merkt man „Breaths Of Elder Dawns“ an, dass es nicht von Saitenhexer Benjamin Karas allein, sondern von der Band als Gruppe geschrieben wurde.

Für jede herzergreifende Geigenmelodie haben WINDFAERER ein mächtiges Gitarrenriff, einen intensiven Blast-Beat-Ausbruch oder auch eine von Trostlosigkeit erfüllte Clean-Gitarren-Passage als Pendant parat. Aufwühlend sind auch die technisch sicher nicht einwandfreien, aber inbrünstigen Vocals, die hauptsächlich kratzige Screams, teilweise aber auch hymnische und melancholische Klargesänge umfassen. Von dem zwischen erdigem Folk und weltentrücktem Post-Rock vermittelnden Interlude „A Forbidden Path“ bis hin zu epischen, ausladenden Stücken wie dem von einem urigen Dudelsack eingeleiteten „Starcrossed“ verlässt WINDFAERER in keinem der Tracks ihr kreativer Funke.

Einzig das aus heiterem Himmel erscheinende Fade-out am Ende von „Starcrossed“ wirkt uninspiriert und fehl am Platz. Nicht perfekt, aber eine deutliche Verbesserung gegenüber den früheren Veröffentlichungen des Quintetts ist die Produktion. Erfreulicherweise klingt die Platte ein wenig aufpolierter als etwa das relativ harsche „Tenebrosum“ (2015), der erneut etwas zu dumpfe Sound könnte aber wesentlich besser ausdifferenziert sein.

Die ungezähmte Leidenschaft, die Black Metal und Folk in ihrem Kern erfüllt und miteinander verbindet, brennt auf „Breaths Of Elder Dawns“ in jedem einzelnen Song. Etwas mehr Feinschliff hätte der rohen Energie des Albums zwar bestimmt nicht geschadet, die klangtechnischen Schwächen machen WINDFAERER mit ihren packenden, einfallsreichen und beinahe durchgängig schlüssigen Kompositionen jedoch spielend wett. Ihre Lieder sind Wirbelwinde der Gefühle, sie machen wütend, traurig und manchmal sogar ein bisschen hoffnungsvoll. Obwohl dieser Sturm fordernde 64 Minuten andauert, will man danach doch keine davon missen.

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Bewertung: 8.5 / 10

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