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Six Feet Under geben Albumtitel bekannt

Die aus Florida stammenden Death-Metal-Urgesteine SIX FEET UNDER haben mit „Nightmares Of The Decomposed“ den Titel ihres nächsten Albums enthüllt. Der Nachfolger zum 2017 erschienenen „Torment“ ist für dieses Jahr geplant.

Metal1.info goes Spotify: Die Up-To-Date-Playlist

Streaming ist in der Zwischenzeit fast unumgänglich und dabei sowohl ein Fluch wie auch ein Segen. Wir von Metal1.info wollen uns nun einige der positiven Aspekte zu Nutze machen und euch unsere erste Playlist präsentieren: die Up-To-Date-Playlist. Hier werden ab sofort und mit regelmäßigen Updates die besten neuesten Songs der Metal-Szene zusammengestellt sowie Anspieltipps zu unseren aktuellsten Rezensionen gelistet. Egal ob Underground oder weltberühmt, ob Black Metal oder Punk – hier findet ihr alles auf einen Schlag. Um immer auf dem Laufenden gehalten zu werden, klickt einfach HIER und folgt der Playlist. Wir wünschen euch viel Spaß beim Anhören und hoffen, euch dadurch einen guten Überblick über das aktuelle Geschehen in unserer geliebten Musikrichtung sowie auf Metal1.info geben zu können!

 

Revel In Flesh – The Hour Of The Avenger

Speerspitze des deutschen Death Metal, das Beste, was dieses Genre zu bieten hat, eine Klasse für sich – Superlative hagelte es für REVEL IN FLESH in den letzten Jahren zuhauf. Das dies nicht ganz unberechtigt geschehen ist, beweist nicht zuletzt die Tatsache, dass das 2016er Werk „Emissary Of All Plagues“ auch bei uns damals zum Album des Monats gekürt wurde. Mittlerweile haben REVEL IN FLESH ihren neuesten Longplayer „The Hour Of The Avenger“ veröffentlicht und deshalb gibt es hier nun einen kleinen Eindruck, was es dort zu hören gibt.

Tatsächlich muss man nicht um den heißen Brei herumreden: REVEL IN FLESH machen nämlich einfach dort weiter, wo sie vor drei Jahren aufgehört haben. Das Quintett aus Schwäbisch Gmünd präsentiert weiterhin feinsten Schwedentod mit kleineren Anleihen aus dem Black und Thrash Metal. Extrem schmissige Riffs, großartige Melodien und viel Groove donnern hier gut 45 Minuten aus den Boxen und lassen dem Hörer nicht viel Zeit zum Durchatmen. Als wäre das noch nicht genug, klingt auch noch die Produktion eine ganze Ecke fieser als auf dem Vorgänger.
Möchte man unbedingt noch Vergleiche bemühen, so dürften vor allem Hypocrisy, in einigen Momenten auch frühe Werke von Amon Amarth und ein wenig Bolt Thrower – ja, tatsächlich keine Schweden – die Bands sein, die REVEL IN FLESH einst geprägt haben. Der Sound des Quintetts ist aber glücklicherweise keine Kopie oder wahllose Ausweidung der genannten Einflüsse, denn bekanntermaßen haben REVEL IN FLESH längst ihren eigenen schlüssigen Stil daraus gemacht.

Was das im Einzelnen heißt, könnte man an jedem der Songs verdeutlichen, da es qualitativ keine Ausfälle gibt. Bereits der Opener „The Hour Of The Avenger“ zeigt, wie gut die Band es hier verstanden hat, genau die richtigen Stellschrauben zu drehen. Der Gesang ist wie bereits auf den Vorgängern eine Klasse für sich und trotzdem sind vor allem die Screams nochmals eine ganze Stufe gemeiner geworden. Im Gegensatz zu vielen anderen Liedern geht es beim Titeltrack zudem fast ungebremst nach vorn. Recht ähnlich ist es bei „My Trial“, das aber zwischendrin einen extrem starken Groove-Part zu bieten hat.
Mit „Blood Oath“ geht es dann wieder in das gewohnt starke Mid-Tempo, welches auch „Sky Burial“ und „The Wayfarer“ auszeichnet. Dass REVEL IN FLESH auch rockig können, beweisen sie mit „The Nihilistic Nothingness“ in Perfektion. Die Nummer hebt sich dezent vom Rest des Materials ab, besitzt aber trotzdem alle Trademarks der Schwaben und wirkt dadurch nicht wie ein Fremdkörper auf der Platte. Richtig düster wird es gegen Ende des Albums nochmals mit dem fast schon schleppenden „The Nightbreed“. Den Abschluss macht das Motörhead-Cover „Rock Out“.

Insgesamt haben sich REVEL IN FLESH auf „The Hour Of The Avenger” nochmals gesteigert und eine für die Band mehr als erfolgreiche Dekade zu einem würdigen Abschluss gebracht. Fans der Süddeutschen können hier bedenkenlos zugreifen. Wer die Band noch nicht kennt, aber auf gepflegten Death Metal im Stile der oben genannten Gruppen steht, sollte diese Scheibe ebenfalls seiner Plattensammlung hinzufügen.

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Whitechapel überraschen mit Acoustic-Version zu „Hickory Creek“

Die amerikanische Deathcore-Institution WHITECHAPEL hat ihre Fans in der aktuell schwierigen Zeit mit einem kleinen Schmankerl überrascht: Der Song „Hickory Creek“ ihres aktuellen Albums „The Valley“ ist nun auch in einer Acoustic-Version verfügbar. So hat die Band bereits auf den beiden neuesten Alben stellenweise ruhiger Töne angeschlagen – wie mit jenem Song – eine solche Interpretation ist dennoch ein Novum für die Jungs aus Tennessee. Anhören könnt ihr das sehr gelungene Stück gleich hier:

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Sinister veröffentlichen „Deformation Of The Holy Realm“ im Mai

Die holländischen Death-Metal-Veteranen SINISTER haben mit „Deformation Of The Holy Realm“ ein neues Album angekündigt. Die mittlerweile 14. Platte der Band wird am 29. Mai über Massacre Records in den Handel kommen.

Für „Deformation Of The Holy Realm“ arbeiteten SINISTER bei Mix und Mastering mit Kristian Kohlmannslehner in dessn „Kohlekeller Studios“ zusammen. Das Artwork wurde von Alexander Tarcus entworfen.

01. The Funeral March
02. Deformation Of The Holy Realm
03. Apostles Of The Weak
04. Unbounded Sacrilege
05. Unique Death Experience
06. Scourged By Demons
07. Suffering From Immortal Death
08. Oasis Of Peace – Blood From The Chalice
09. The Ominous Truth
10. Entering The Underworld

Das Cover von "Deformation Of The Holy Realm" von Sinister

Nekrovault – Totenzug (Festering Peregrination)

Wo die Musik von NEKROVAULT erklingt, da weht modrig-feuchte Gruft-Luft durch den Raum. Diese Erfahrung gibt es nun erstmals auch auf Album-Länge für die heimische Stereoanlage zu erwerben. Die Extreme-Metal-Qualitätsschmiede Ván Records macht es möglich. Mit „Totenzug (Festering Peregrination)“ beweist die junge Death-Metal-Kombo aus Memmingen endgültig, dass sie sich hinter gleichgesinnten Gruppen aus ihrer Heimatstadt wie Khaos und Sacroscum, mit denen sie sogar Mitglieder teilt, nicht zu verstecken braucht. Auf den Club- und Festival-Bühnen der Nation sowie mit ihren zwei EPs hat sich die Band ohnehin bereits ihre Meriten im Szene-Underground erworben.

Auf ihrem Debütalbum geben sich die drei Jungs und das Mädel bereits deutlich gereift. Das zeigt sich schon anhand der Produktion: Wo die EPs noch absolut roh und ranzig klangen, erzeugt der Sound diesmal ordentlich Druck. Was die Musik so an ungezügeltem Sturm und Drang einbüßt, macht die dazugewonnene Düsternis im Klangbild wieder wett. Denn glatt poliert klingt „Totenzug (Festering Peregrination)“ beleibe nicht, vielmehr an den richtigen Ecken ein klein wenig geschliffen. Und so bleibt dankenswerterweise auch jenes Gefühl erhalten, das Anhänger orthodoxen Death Metals so schätzen: in der schieren Dunkelheit einer verschlossenen Krypta vom Unbekannten überwältigt zu werden, einer klanglich manifestierten Übermacht ausgeliefert zu sein.

Das bedeutet allerdings nicht, dass NEKROVAULT das stilistische Korsett allzu eng schnüren würden. Klar, das Material der Gruppe ist unverkennbar in der alten Genre-Schule verwurzelt und macht aus seinen altgedienten Vorbildern keinen Hehl. Viele Riffs wären auch bei Morbid Angel und Bolt Thrower nicht fehl am Platz. Auch der eitrigen Zähigkeit von The Ruins Of Beverast und der frühen Asphyx scheint NEKROVAULTs Gitarren-Doppel nicht abgeneigt zu sein. Überhaupt spielt Doom auf „Totenzug“ eine stärkere Rolle als noch auf den EPs. Dieser Death Metal rast nicht, er walzt – passend zum Albumtitel. Dennoch finden sich auch Tremolo-Gitarren, die ihre Black-Metal-Schlagseite nicht verleugnen können. Klingt pechschwarz und abweisend – ist es zunächst auch. Und doch entpuppen sich Nummern wie der das Album eröffnende Titeltrack „Totenzug – Funereal Hillscapes“ und das nachfolgende „Sepulkrator“ nach einigen Durchläufen als auf ihre eigene räudige Art geradezu eingängig und mitgrowlbar.

Ein gelungenes Experiment wagt die Band im letzten Song, „Eremitorium“, der mit einer Länge von neun Minuten auch der längste ist: Spätestens hier zeigt sich deutlich, was Gitarrist SS. meint, wenn er in Interviews von The-Cure-Einflüssen spricht: Kaum verzerrte Gitarren-Klänge erheben sich in der zweiten Hälfte der Nummer über den schleppenden Death-Doom-Riffs und malen interessante Grauschattierungen an die Wände der dusteren Katakomben.

Wirkliche Schwachpunkte gibt es auf „Totenzug (Festering Peregrination)“ nicht zu bemängeln. Die Memminger haben ein Debüt vorgelegt, das für Freunde bösen, nicht glatt polierten Death Metals in diesem Jahr ohnehin auf dem Einkaufzettel stehen dürfte – oder dahin wandern sollte. Und doch zeigt gerade „Eremitorium“ zum Abschluss des Albums deutlich, welches Potenzial noch in NEKROVAULT steckt, wenn sich die Gruppe nur weiterhin keinem Einfluss verschließt. Vielleicht ist die Entscheidung ausgerechnet diesen Song ans Ende des Albums zu stellen ja ein Fingerzeig.

Thanatos – Violent Death Rituals

Eigentlich könnte man meinen, Gründungs- und einzig verbliebenes Originalmitglied Stephan Gebédi sowie Asphyx-Klampfer Paul Baayens, sein Gitarren-Sidekick seit nunmehr über 20 Jahren, könnten seit der Auflösung von Hail Of Bullets anno 2017 mehr Zeit für THANATOS aufbringen. Doch seit dem letzten Album, dem 2014er Output „Global Purification“, ist nun auch schon etwas mehr als ein halbes Jahrzehnt vergangen. Dennoch ist dies kein Grund zum Meckern, ist die Bandphase seit der Jahrtausendwende – als auch Baayens zur Gruppe stieß – doch in Sachen Longplayer die produktivste in der ganzen bis 1984 zurückgehenden Geschichte der Niederländer: Im regelmäßigen Vier-bis-fünf-Jahres-Abstand erscheint eine neue Full-Length aus dem Hause THANATOS, gewürzt mit dem einen oder anderen Lebenszeichen zwischendurch, etwa in Form einer EP, Split oder Compilation. Jüngstes Ergebnis dieser Konstanz stellt die Platte „Violent Death Rituals“ dar.

Dass der Vierer gleich an die eröffnende Position der Scheibe den Titeltrack stellt, kann dabei als Ausrufezeichen gedeutet werden: Es ist ein Song wie eine Machtdemonstration, der zugleich als Wegweiser aufzeigt, wohin die Reise in der folgenden Dreiviertelstunde geht. THANATOS ziehen von Anfang an bereits alle Register, feuern aus allen Rohren, zeigen alle Trademarks ihres Death Metals mit Thrash-Schlagseite. Der schleppende Einstieg wird zunächst durch einen Doublebass-Teppich ergänzt, ehe dieser sich zur Songmitte in einen Uptempo-Sturm verwandelt und in einem Blast-Part gipfelt. Stellenweise legen sich zweistimmige Leads über das fette Riffing, die genauso für einen Hauch von Melodie sorgen wie die Soli, wenn sie nicht gerade chaotisch-dissonant an Größen wie Slayer und Kreator erinnern. Die brachiale und doch zugleich messerscharf-präzise Instrumentalarbeit wird besiegelt von Gebédis fieser Blutkehle, der keifend Gift und Galle spuckt, und veredelt von einem trockenen Studiosound.

Im weiteren Verlauf von „Violent Death Rituals“ schafft es das Quartett, den starken ersten Eindruck zu bestätigen und das hohe Niveau des Openers zu halten. Mal startet die Truppe knüppelhart – gleich einer Boxkombination mit K.-o.-Potenzial – in den Song (z. B. „Sent From Hell (I Infidel)“, „Burn The Books Of Hate“), mal stürmisch („The Outer Darkness“), mal unvermittelt und direkt mit Vocals („Legacy Of The Gods“), mal lässt sie sich mehr Zeit – aber auch nur ein klein wenig („Corporate Indoctrination“).

Tatsächlich lassen THANATOS den Hörern keine Gelegenheit zum Verschnaufen, feuern ein Death-Thrash-Feuerwerk par excellence ab und legen dabei einen geradezu überraschenden Abwechslungsreichtum an den Tag. So kommt „The Outer Darkness“ mit einem Lead-Riff daher, das an 2000er Immortal und Abbath denken lässt, und poltert zunächst als hasserfüllter Wutbrocken aus den Boxen, wartet dann aber wiederum mit einer epischen Kurzpassage auf. „It Always Ends With Blood“, einer der Album-Höhepunkte, schielt hingegen als High-Speed-Knüppler Richtung Exhorder, verwandelt sich jedoch in einen tonnenschweren Midtempo-Stampfer, gewürzt mit einem melodisch-chaotischen Gitarrensolo-Duell.

Typische todesmetallische Merkmale auf „Violent Death Rituals“ wie Tremolo-Picking und Blasts erinnern in der Art ihrer Darbietung zuweilen an US-Legenden wie Morbid Angel und Death („Legacy Of The Gods“), während man an anderer Stelle den Vibe schwedischer Old-School-Genrekollegen wahrnimmt („The Silent War“). Hier und da hört man auch deutlich durch, dass man es bei Gebédi und Baayens mit den Songwritern von Hail Of Bullets zu tun hat („Corporate Indoctrination“, „As Cannons Fade“). Die beiden haben sich mit Mous Mirer und Martin Ooms übrigens eine absolut schlagkräftige Rhythmusabteilung neu ins Boot geholt.

Man kann THANATOS attestieren, dass sie innerhalb ihrer Genregrenzen mit durchaus vielfältigem Songwriting punkten können und „Violent Death Rituals“ trotz rabiater Ausrichtung in Stil und Wortwahl der Songtitel keine überanstrengende Abrissbirne geworden ist. Die Westeuropäer bieten eine umfangreiche Palette an Riffs, Tempi und Drum-Patterns, ohne dass der Longplayer überladen wirkt. Sie brechen gerne aus 08/15-Songstrukturen aus, ohne dass die einzelnen Tracks lediglich wie sinnlos aneinandergereihte Versatzstücke klingen, sondern vielmehr wie sorgsam zusammengefügte Puzzleteile, die ein sinnvolles, stimmiges Gesamtbild ergeben. Fast schon wie Kurzfilme ziehen die Lieder so an einem vorbei, wie einzelne Kapitel eines Buches muten sie an. Lediglich die Einprägsamkeit und somit der Wiedererkennungswert der Tracks leidet ein wenig unter den durchdachten Strukturen. Dennoch bleibt am Ende festzustellen: „Violent Death Rituals“ ist ein starkes, kurzweiliges Extreme-Metal-Album geworden, an dessen Abwechslungsreichtum sich andere niederländische Death-Thrash-Kapellen gerne eine Scheibe abschneiden können.

Sweven – The Eternal Resonance

Die Auswirkungen der Corona-Krise machen die Welt zu einem surrealen Ort. Menschenleere Innenstädte, schwarze Ladenfenster unter der Woche und darüber ein Himmel ohne Kondensstreifen. Die Realität ist ausgehebelt. Gewohnte Abläufe stehen in Frage. Die Regeln des Lebens können sich ändern, von Minute zu Minute. Insofern kommt „The Eternal Resonance“, das Debüt der Schweden von SWEVEN, genau zur richtigen Zeit auf den Markt.

Denn mit seiner Musik transzendiert Alleinkomponist Robert Andersson alle Death-Metal-Konventionen. Selbst für Genre-Kenner ist auf der neuen Platte des Skandinaviers nichts vorhersehbar. Alle Strukturen sind im ständigen Fluss. Wer sich als Hörer in den Klängen treiben lässt, findet sich schließlich in einem entrückten Geisteszustand wieder. „The Eternal Resonance“ hat eine beinahe psychedelische Wirkung, ist eine Art Traumspiel mit den Mitteln des Death Metal. Der perfekte Soundtrack also, um sich in einer Stunde der Muse aus dem unwirklichen Zustand der Isolation hinaus in noch viel entrücktere Sphären zu katapultieren.

Andersson setzt damit an dem Punkt an, an dem seine Band Morbus Chron im Jahr 2015 in die Binsen ging – nicht ohne der Metal-Gemeinde im Vorjahr mit „Sweven“ einen modernen, höchst innovativen Meilenstein hinterlassen zu haben. Dass der Musiker nun sein neues Projekt nach dem Schwanengesang der Vorgängerformation benannt hat, ist ein Wink mit dem Zaunpfahl, der in die richtige Richtung weist.

„The Eternal Resonance“ entfernt sich noch weiter von den Death-Metal-Wurzeln, gibt ein weiteres Stück Härte zugunsten von Abwechslung und Vielfalt auf. Damit dringt der Skandinavier kompositorisch endgültig in schwindelerregende Höhen vor. Dem, der im Album-Kanon des Genres nach Brüdern im Geiste sucht, fallen progressive Werke ein, die offengeistigen Aficionados einen Kniefall abringen: „The Sound Of Perseverance“ von Death, „Words That Go Unspoken, Deeds That Go Undone“ von Akercocke, „Focus“ von Cynic, „Blackwater Park“ von Opeth sowie – neueren Datums – „Trance Of Death“ von Venenum. Anders als die genannten Klassiker löst sich „The Eternal Resonance“ jedoch endgültig von aller bleiernen Death-Metal-Schwere und klingt stattdessen leichtfüßig, luftig, fast schon fluffig. Passenderweise geht es auch in den sehnsuchtsvollen Lyrics ums Loslassen, um das Überwinden des Status quo und darum, wie sich das eigene Leben in ein sich stets wandelndes Ganzes einfügt.

In seiner Herangehensweise ist das Werk eng verwandt mit dem Schaffen von 70er-Prog-Ikonen wie King Crimson und Van Der Graaf Generator, Yes und Genesis. Scheinbar konträre Parts komponiert Andersson so geschickt aneinander, dass keine harten Brüche entstehen. Evolution statt Revolution. Alles fließt. Alles bleibt spannend. Die Songs schwellen an, die Songs ebben ab. Stille Introspektion macht allmählich erschütternden, lauten Gefühlsausbrüchen Platz. Verträumte Klaviermelodien gehen über in fiese E-Gitarren-Dissonanzen. Mancher Part wirkt, als wäre er im Zuge einer freigeistigen, spontanen Jazz-Jamsession entstanden. Hier und da schimmert fragil flirrender Post-Metal aus Death-Metal-Riffs der alten Schule hervor. „The Eternal Resonance“ lebt von seinen Kontrasten. Dass die Scheibe dabei zu keiner Zeit einen inhomogenen Eindruck macht, einen schlüssigen dramaturgischen Aufbau aus den Augen verliert oder den Hörer überrollt, ist das untrüglichste Zeugnis der Kunstfertigkeit ihres Schöpfers.

Doch obgleich Robert Andersson als kreativer Kopf bei SWEVEN im Vordergrund steht, haben auch seine beiden Sidekicks einen großen Anteil am künstlerischen Erfolg von „The Eternal Resonance“. Mit Jesper Myrelius ist ein Schlagzeuger am Start, der die Kunst des Zuhörens beherrscht, der mehr ist als nur ein Rhythmusgeber. Gekonnt und abwechslungsreich umspielt Myrelius die Riffs – und weiß auch, wann er sich zurücknehmen sollte. Zuweilen begnügt er sich damit, das Geschehen mit subtilem Tribal-Drumming zu untermalen oder die Felle ganz schweigen zu lassen.

Ebenso wenig ist Lead-Gitarrist Isak Koskinen Rosemarin ein Haudrauf. Wer Shredder-Soli sucht, ist bei SWEVEN an der falschen Adresse. Der 24-Jährige klingt nicht, als hätte sich sein Spiel in Death- und Thrash-Metal-Bands geformt. Vielmehr klingen in seinen feinfühligen, bescheiden und zugleich versiert dargebotenen Linien Einflüsse der alten Heavy-Metal-Schule à la Iron Maiden durch. Das harscheste, ungeschliffenste Element sind Robert Anderssons heiser gescreamte und geröchelte Vocals, wie man sie in ähnlicher Form etwa von Chuck Schuldiner oder Johannes Andersson von Tribulation kennt.

Eine herrlich warm klingende und zugleich transparente Produktion setzt all dem die Krone auf. Einzelne Songs hervorzuheben wäre wie Kapitel aus einem Roman zu isolieren. Wer sich einen ersten Eindruck verschaffen möchte, sollte in „Mycelia“ reinhören, das mit seinen rockigen Riffs noch die geradlinigste Nummer darstellt, und sich bei Gefallen gleich selbst dem Gesamtwerk widmen.

„The Eternal Resonance“ ist Death Metal, der mehr kann, als nur Death Metal zu sein. Dass SWEVENs Erstling – zumindest in offengeistigen Underground-Metal-Kreisen – bald als künftiger Klassiker gelten dürfte, ist wohl kaum eine vermessene Einschätzung. Ein früher Kandidat auf den Spitzenplatz im Jahrespoll ist das Album in jedem Fall. So viel Kreativität, Mut, Talent und Innovationskraft hat nichts anderes als die Höchstnote verdient. Und das möchte etwas heißen bei einem Debüt.

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