Interview mit Anja von Neun Welten

Nur drei Songs enthielt die erste EP der Neun Welten namens „Valg“. Doch die dargebotenen Folk-Klänge reichten aus, um eine beträchtliche Anzahl an Mittelalterfans mit einem Hang für nordische Mythologie für die kommende CD zu interessieren, die am meisten von Bands wie Tenhi, The 3rd And The Mortal sowie Empyrium beeinflusst wurde. Im Interview mit Metal1 stellte sich Anja den Fragen, die sich auch auf die Hintergründe und Ursprünge des Projektes beziehen.

Beschreibt kurz euren musikalischen Werdegang: In welchen Bereichen liegen die Wurzeln der einzelnen Bandmitglieder?
Anja: Unsere drei Herren stammen aus dem Black Metal-Bereich und spielten bereits in unterschiedlichen Bands dieser Szene. Aline, unsere Geigerin kommt spielerisch aus der Klassik. Ich komme aus der Mittelalter- und Folkszene und habe auch in diversen MA-Projekten mitgewirkt. „Neun Welten“ besteht quasi aus einer bunten Mischung.

Wie würdet Ihr „Neulingen“ mittelalterliche Musik erklären?
Anja: Frei nach dem Motto: „Back to the Roots“ – handgemachte natürliche Musik auf traditionellen Instrumenten mit Texten, die Geschichten vergangener Zeiten erzählen. Dazu ein Horn gefüllt mit Met….

Wie kann man ihnen diese Art von Musik zugänglich machen außer durch moderne Einflüsse?
Anja: Diese Musik ist prinzipiell für jeden zugänglich, jedoch sollte auch ein gewisses Maß an Interesse für die Geschichte und Kultur dieser Zeit vorhanden sein. Ohne diesen Hintergrund erscheint die Musik in der heutigen Zeit vielleicht doch etwas zu klassisch. Vielleicht sollte man dabei auch die Bereiche E- und U-Musik differenzieren und den Ort des Geschehens berücksichtigen. Je nach Interesse kann man MA-Musik auf dem Markt oder im Schlosssaal genießen.

Wo liegen die Unterschiede von Euch zu anderen Mittelalterbands und was sorgt für Widererkennungswert bei eurer Musik?
Anja: So ganz als MA-Band würden wir uns nicht bezeichnen, eher als Folkband. Wir spielen zwar auf akustischen Instrumenten (Geige, Cello, Flöten, Gitarre und Schlagwerk), jedoch auf der Bühne verstärkt mit Technik. Wir fühlen uns sehr mit der Natur verbunden, lassen uns davon inspirieren. In unseren Melodien und Kompositionen spiegeln sich Eindrücke und Erlebnisse wieder. Wir schreiben alle Stücke selbst.

Wodurch wird eure Musik am meisten beeinflusst (Vorbilder, Stilrichtungen, Kulturen, Religionen, usw.)?
Anja: Zum Großteil wird sie beeinflusst von der Natur und der nordischen Mythologie. Wobei man hierzu ergänzen muss, dass damit weniger der Glaube daran gemeint ist, sondern eher das Interesse an den alten Mythen und Sagen, die uns einen besseren Umgang mit der Natur aufzeigen.

Wie erklärt ihr euch die wachsende Akzeptanz eurer Musik in Deutschland auf der einen Seite und die ablehnende Haltung der Radiostationen, TV Sender, etc. auf der anderen?Anja: Das spiegelt den aktuellen Zeitgeist wieder. Gezeigt wird, was die Mehrheit interessiert, da kommen Stilistiken wie MA und Folk noch nicht durch, aber das kann ja noch werden. Es braucht eben alles seine Zeit und die letzten Jahre hat sich doch einiges getan in der Szene. Vielleicht sehnt sich die Gesellschaft doch langsam wieder nach ursprünglicher handgemachter Musik.

Wie kann man allgemein und wie könnt ihr selbst Vorurteile wie z.B. Eintönigkeit und mangelnde Abwechslung gegenüber mittelalterlicher Musik widerlegen?
Anja: Was bedeutet schon Eintönigkeit und mangelnde Abwechslung in der heutigen Musikwelt. Betrachtet man sich die aktuellen Hits, so entdeckt man eine nicht größere Abwechslung. Jeder Musikstil ist eben mit Vorurteilen und Klischees behaftet und hat damit zu kämpfen. Man kann es nicht jedem recht machen, es ist immer eine Frage des Geschmacks und Hörempfindens. Der MA-Musik sind eben gewisse Grenzen gesetzt, was die Musikalität betrifft. Dennoch gibt es viele Bands, die diesen Vorurteilen kreativ entgegen wirken.

Welche Zielgruppen sind eurer Meinung nach besonders geeignet für Drehleiern, Dudelsäcke, Geigen, Flöten, usw.?
Anja: Schwer zu sagen, alterstechnisch würde ich da keine Grenzen setzen. Wir halten nicht viel vom sog. Schubladendenken.

Welches sind die größten Irrtümer, die man leichtfertig in Verbindung mit Mittelaltermusik bringt?
Anja: Eintönigkeit und mangelnde Abwechslung?

Eure Meinung zu Mittelaltermärkten und Konzerten dort?
Anja: Leider nicht für jeden zugänglich, rein finanziell. Aber immer wieder schön in diese Zeit einzutauchen.

Am 21.10. erscheint euer neues Album. Welchen Namen wird es tragen und welche Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten gibt es zum Vorgänger „Valg“?
Anja: Der Titel lautet „Vergessene Pfade“. Im Gegensatz zu unserem Vorgänger handelt es sich um ein komplettes Album. Das Album beschreibt Pfade, die seit unbestimmter Zeit nicht mehr beschritten wurden und längst in Vergessenheit geraten sind. Sie spiegeln sich in der Aussagekraft der Musik wieder. Es geht dabei nicht nur um bloße Pfade, wie man sie in der Natur findet, sie stehen vor allem für den Bezug des Menschen zur Natur. In dieser hektischen Welt, in der Naturgefühle nur schnell zum körperlichen und geistigen Ausgleich gesucht werden, fehlt ein wahrer, ein ursprünglicher Bezug. Das sind die vergessenen Pfade, auf denen die Menschen einst wandelten und im Einklang mit der Natur lebten.

Für eure EP habt ihr eine Menge positives Feedback bekommen. Seid ihr deswegen nun unter einem besonderen Druck gestanden für den Nachfolger oder hat euch das eher beflügelt?
Anja: Unter Druck standen wir nicht wirklich, in erster Linie zählt für uns die Freude an der Musik. Die positive Resonanz hat uns auf jeden Fall Mut gemacht und natürlich beflügelt weiterzumachen.

Stecken wirklich „Neun Welten“ in „Neun Welten“ oder was hat es mit diesem Bandnamen auf sich?
Anja: Der Name drückt unsere oben erwähnte Beziehung zur nordischen Mythologie aus. Die unterschiedlichen Welten spiegeln sich dabei in der Vielschichtigkeit unserer Musik wieder. Zwei dieser Welten haben wir bisher nach unseren Vorstellungen vertont. In Zukunft folgen vielleicht noch mehr.

Wortspiel (das erste, was euch zu folgenden Begriffen in den Sinn kommt):
Corvus Corax – der Kolkrabe
Schandmaul – wunderschöne Melodien
In Extremo – Erfolg
Faun – Holland, Elf Fantasy Fair 2005 (gemeinsame Mucke)
Tenhi – musikalische Poeten
Spielmänner und Spielmannsleben – tolle Sache
Tradition oder Fortschritt – Tradition
Plugged oder unplugged – oder
Tokio Hotel – Magdeburg


Geschrieben am 10. Oktober 2006 von Sigi Maier

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