CD-Review: Farsot - Insects

Besetzung

10.XIXt – Gesang
3818.w – Gitarre
Pi: 1T 5r – Gitarre
v.03/170 – Bass, Keyboard
R 215k – Schlagzeug

Tracklist

01. Like Flakes Of Rust
02. Empyrean
03. Perdition
04. 7
05. Adamantine Chains
06. The Vermilion Trail
07. Withdrawal
08. Somnolent


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Mit ihrem viel gelobten Debütalbum „IIII“ sorgten FARSOT seinerzeit für einigen Wirbel in der Szene, meinte doch so mancher, in der jungen Band aus Gotha die Zukunft des deutschen Black Metal zu sehen. Nun, vier Jahre später, meldet sich die Band mit ihrem neuen Werk „Insects“ zurück – und hat entsprechend hohen Erwartungen gerecht zu werden.

Ob FARSOT dieses Kunststück gelungen ist, muss wohl einmal mehr jeder für sich entscheiden – sicher ist: Egal, wie man sich in dieser Frage positioniert – für beide Sichtweisen gibt es stichhaltige Argumente.
Fakt ist: „Insects“ ist kein zweites „IIII“ und mit diesem auch bei genauerem Hinhören kaum vergleichbar. Die Düsternis der Songs, das Depressive und Introvertierte, das „IIII“ zu keinem einfachen, jedoch genialen Album gemacht hat, ist sehr offenen, ausladenden Kompositionen gewichen, filigran gewobenen Klangteppichen, über die sich viele Soli, Melodien und – sehr auffällig – elaborierte Bassläufe legen.
Auffälliger noch sind die vielen ruhigen Elemente: So könnte „Empyrean“ mit seinen Cleangitarren-Parts, die in schnelle, klar übersungene Riffs münden, problemlos auch auf einem der neuesten Werke von Enslaved zu finden sein – fast schon psychedelisch wird es dann im Instrumental „7“, welches zwar viele gute Ideen beinhaltet, jedoch trotz allem leider etwas unstrukturiert wirkt.
Lässt dann der Anfang von „Adamantine Chains“ auch durch seinen leicht verschrobenen Charakter zunächst noch an das norwegisch-französische Projekt Code denken, ist es aufs Ganze gesehen doch vor allem der folgende Vergleich, der eine Spaltung der Fanscharen erklären dürfte: Das Album erinnert in der Art so manches Riffs und dem sehr sauberen, transparenten Sound, vielleicht jedoch sogar mehr noch seines Charakters denn der Komposition selbst wegen, merklich an die letzten Alben von Dark Fortress sowie Secrets Of The Moon, an deren Qualität sich wiederum wegen eben jener Sterilität und der oft unterstellten „gefühllosen Perfektion“ die Geister scheiden.

Und auch hier ist genau das der Aspekt, der den ein oder anderen enttäuschen könnte: Von der rauen Bösartigkeit, die die „042103Freitod”-Demo oder auch “IIII” aufwiesen, ist kaum noch etwas zu spüren, was, von den mitunter fast lieblichen Melodieführungen einmal abgesehen, vor allem am Gesang liegen dürfte. Sicherlich, ich gebe zu, die mit Hass und Verachtung herausgeschrienen deutschen Vocals von “IIII” würden hier nicht mehr sonderlich gut in den musikalischen Kontext passen – dennoch kann ich nachvollziehen, dass der ein oder andere Fan der ersten Stunde ihnen eine Träne nachweinen wird… ist es doch (vom Inhalt der Texte ganz abgesehen) Fakt, dass Deutsch die markantere, härtere Sprache ist, wohingegen sich das Englische hier auch geschrien fast schon geschemidig in die Kompositionen einpflegen lässt, welche so Akzentuierungen einbüßen.
In Kombination mit den recht brav klingenden Gitarren, dem dominanten Bass, der dem Ganzen zusätzlich Fülle und Rundung gibt, und den ausladenden, teils fast verspielten Songstrukturen ergibt das zwar eine durchaus in sich stimmige, jedoch vom Charakter her gänzlich anders angelegte Atmosphäre.

Mit „Insects“ haben FARSOT ohne Zweifel ein extrem professionelles, durchdachtes und rundes Album geschaffen, das eigentlich jedem Fan der im Review genannten Bands gefallen müsste, und der Band aus Thüringen somit gewiss den Weg zu Größerem ebnen wird.
Dennoch komme ich nicht umhin, mit ein wenig Bedauern festzustellen, dass FARSOT zugleich – bewusst oder unbewusst – ein Stück ihrer Identität verloren haben. Denn wo „IIII“ zwar sicher keinem nie dagewesenen, jedoch einem in dieser Form trotzdem individuellen (musikalischen) Konzept folgte, ist „Insects“ nur ein weiteres Album im Kreise der „typisch deutschen“ Black Metal-Releases der letzten Jahre. Individualität liegt eben oft, jedoch nicht immer, im Komplexen.

Bewertung: 8 / 10

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