Interview mit Fit For An Autopsy

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Anfang des Jahres 2017 brachten FIT FOR AN AUTOPSY mit ihrem vierten Album „The Great Collapse“ Verwüstung über die Metallandschaft. Mit dem großen Erfolg der Platte konnten sie ebenso viel Aufmerksamkeit auf sich lenken. Daraus entsprangen nicht nur Tourneen mit verschiedenen Größen der Szene, sondern auch ein Labelvertrag mit Nuclear Blast. Dass zusätzlich ein neues Album in den Startlöchern steht, sollte Grund genug sein, sich mit der Band über den Sound des neuen Werks, die Erwartungen an sich selbst sowie die politische Message in ihren Texten zu unterhalten.

Ihr seid derzeit auf eurer ersten europäischen Headliner-Tour. Wie läuft es bisher?
Joe (J): Sehr sehr gut. An jedem Abend waren die Hallen vollgepackt mit Zuschauern und wir sind wunschlos glücklich. Dazu sind wir mit wirklich coolen Bands auf Tour: Venom Prison, Vulvodynia und Justice For The Damned. Und solch eine bunt gemischte Tour zu haben ist echt stark. Jede Band bringt eine Menge Kids zu den Shows, also wir genießen jeden Moment.
Tim (T): Ja, das Coole an dieser Tour ist, dass es unsere erste richtige Headliner-Tour ist. Wir hatten zwar bereits einige Headliner-Shows zwischen kleineren und größeren Festivals, aber das ist etwas anderes. Und weißt du, für unseren ersten vollen Headliner-Run sind wir alle sehr überrascht, dass es so gut läuft. Wir haben schon erwartet, dass es ganz gut wird, aber nicht so gut. Ich bin mir ziemlich sicher, dass alle sehr zufrieden sind.
Patrick (P): Ja, die Erwartungen waren nicht gering, aber das übertrifft alles, was wir uns vorstellen konnten.

Ihr habt bereits vor einigen Monaten auf einer Tour in Amerika einen neuen Song namens „Shepherd“ gespielt und habt ebenso verkündet neue Songs auf dieser Tour zu spielen. Wie waren die Reaktionen der Fans?
B: Bisher wirklich gut. Niemand hat sich beschwert. Ich glaube bisher ist wirklich niemand auf uns zugekommen und hat gemeint, dass der neue Song Scheiße wäre.
P: Wir sind in Deutschland. Und die Deutschen sind sehr ehrlich, wenn es darum geht, was sie mögen. Und genau das liebe ich an den Deutschen. Wenn du ein Album veröffentlichst und jemandem gefällt der Vorgänger besser, dann haben sie keine Angst dir das zu sagen. Und ich mag diese Ehrlichkeit. Aber bis jetzt waren die Leute sehr zufrieden.

Also habt ihr bisher nur „Shepherd“ gespielt?
P: Ja, wir wollen nicht zu viel vorweg nehmen. Wir haben gerade erst bei Nuclear Blast unterschrieben, wodurch alles etwas größer wird. Das ist also eine sehr wichtige Tour für FIT FOR AN AUTOPSY. Deswegen wollen wir nicht überhastet handeln und zu viel preisgeben bevor die Zeit reif dafür ist. Ich mein, die Leute, die uns lieben und uns unterstützen hätten natürlich verdient, jetzt schon alles zu hören, aber wir haben uns erst Mal dagegen entschieden.
Blue (B): Vor allem ist es auch einige Zeit her, dass wir das letzte Mal in Europa waren. Und wir müssen den Leuten ein Headliner-Set geben…
J: Ja, viele sind nach den Shows auf uns zugekommen und meinten: „Man, das letzte Mal habt ihr nur 20 Minuten gespielt“ und sie sind freuen sich wirklich, uns jetzt mit mehr Songs zu sehen.

Ja, ich freue mich ebenfalls euch zum ersten Mal als Headliner zu sehen. Der letzte Mal war auf dem Summer Breeze 2017…
P: Das war eine der besten Shows, die wir je in Europa gespielt haben!
T: Bevor wir gespielt haben bin ich bereits kurz auf die Bühne und niemand war da. Ich meinte: „Alles klar Jungs, bringen wir es hinter uns.“ Und als wir dann die Bühne betraten war da einfach ein Meer an Leuten.
P: Wir waren die zweite Band an dem Tag, erste Band auf der Bühne. Als wir ankamen sagte ich zu Joe, dass wir einfach die Show spielen und Spaß haben sollten. Und als wir dann rausgegangen sind waren einfach 12000 Leute da. Jeder von uns dachte sich nur „Heilige Scheiße“ und bis heute sagen Leute zu uns, dass das der beste Opener war, den das Summer Breeze je hatte. Weißt du, um zwölf Uhr mittags und so viele Leute… Und eine coole Anekdote zu diesem Tag: Die Jungs von Nuclear Blast haben unser Set angesehen und Gerardo (Anm. d. Red.: Martinez, Nuclear Blast USA) meinte, es war eins der besten Opener-Sets mit den meisten Leuten. Dieser Auftritt hatte also einiges damit zu tun, dass sie daran interessiert waren mit uns zu arbeiten. Das ist irgendwie schon cool. Jeder, der an diesem Tag zu unserem Set gekommen ist hat uns dabei geholfen, die Band voran- und zu einem größeren Label zu bringen. Wir werden wohl ewig darüber reden. Summer Breeze ist mega.

Was sind eure Erwartungen mit eurem neuen Label im Rücken?
P: Ich hab einen gewissen Respekt davor, weil wir uns jetzt mit den Besten der Besten messen. Wir kamen von einem wirklich großartigen Label, das aber nicht eine solche Last trägt wie Nuclear Blast. Das größte Metal-Label der Welt… Slayer sind bei diesem Label, mehr muss man gar nicht sagen. Mir wird angst und bange, wenn ich daran denke, dass wir bei dem selben Label sind wie eine Band, die so großartige Dinge vollbracht hat. Ich habe hohe Erwartungen daran, was das Label mit unserer Musik anfangen kann, bezüglich der Reichweite. Allerdings ist es in unserer Verantwortung, sicherzustellen, dass die Live-Shows, die Musik und die Alben dem Standard von Nuclear Blast gerecht werden. Wir müssen also viel beachten, wenn wir den nächsten Album-Zyklus angehen. Deshalb halten wir uns bislang auch zurück, es vorschnell zu veröffentlichen. Gott, das ist aufregend.

Euer neues Album (Anm. d. Red.: „The Sea Of Tragic Beasts“, VÖ: 25.10.2019) ist also bereits im Kasten. Könntet ihr uns einen Hinweis geben wie es klingen wird?
P: Wie FIT FOR AN AUTOPSY (lacht). Ich will nicht zu viel vorweg nehmen oder wie jeder andere sagen: Es ist mehr Metal, es ist mehr das. Es ist genau das, was wir mit dem Album erreichen wollten und wenn man unser altes Zeug mag, dann wird man es auch mögen.
T: Ich fand es immer lustig, dass jedes Mal wenn eine Band in einem Interview über ihr neues Album spricht, sie sagen: „Das ist das beste, das wir je gemacht haben.“ Sie wollen einen Hype um das Album generieren. Aber wenn man uns als Band kennt weiß man, dass es eine Kombination aus allen Schaffensphasen der letzten zig Jahre wird. Ich finde, dass es Einflüsse aus allem, was wir je gemacht haben, beinhaltet.
P: Ja, wir wollen uns nicht in Aussagen verwickeln wie „es klingt wie unser altes Zeug, es klingt wie unser neues Zeug.“ Das heißt also, dass es durchaus anders klingen wird, aber wie eine reifere Version von FIT FOR AN AUTOPSY. Und es ist wie immer hart. Wir haben das Harte nicht über Bord geworfen, so viel ist sicher. Joe’s Vocals sind mit die besten, die ich je gehört hab, Josean’s Drumming wird live richtig zünden. Blue’s Bass wird ordentlich knallen. Es ist einfach eine weiterentwickelte Version davon, wozu FIT FOR AN AUTOPSY fähig sind.

Das hört sich schon mal sehr gut an. Wie lief das Songwriting? Könntet ihr uns etwas über den Prozess erzählen?
P: Wie wir es schon immer gehandhabt haben. Will erledigt das Songwriting. Er ist derjenige, dem wir Riffs zukommen lassen und was er daraus macht oder nicht, entscheidet er. Meistens benutzt er sie nicht, da er eine ganz konkrete Vorstellung davon hat, wie es klingen soll. Anschließend gehen wir ins Studio, Tim und ich schreiben ein paar Leads und Soli, Blue macht den Bass, Joe hilft dabei die Lyrics zu schreiben. Josean überarbeitet das Schlagzeug und wir setzen uns einfach hin und erledigen alles…
B: Es ist vielleicht nicht die traditionellste Art, ein Album zu schreiben, aber es ist sehr geradlinig und effektiv.


Ihr wart zudem schon immer eine politische Band. Wird es auch auf dem neuen Album politische Themen geben?
J: Es wird ein bisschen mehr um die Menschheit an sich gehen. Wir wir miteinander umgehen, wie wir einander wahrnehmen und weshalb es totaler Bullshit ist den Gegenüber immer als Gegner zu sehen. Wir brauchen mehr Liebe und müssen unsere Stärken bündeln, aber das macht niemand. Bei uns ist gerade das Thema um Abtreibungen aktuell und es zeigt, dass Leute nicht die Chance haben, gehört zu werden und wir müssen für diese eintreten und für die Leute sprechen, die keine Stimme oder erst gar keine Wahl haben. Tagtäglich werden Menschen ihre Rechte weggenommen und das ist einfach Scheiße. Und wir wollen das thematisieren.

Meint ihr, dass es einige Fans ankotzen wird, die nicht eurer Meinung sind?
J: Alles was wir schreiben, alles was wir veröffentlichen wird irgendjemanden ankotzen oder aufregen. Aber das sind die Reaktionen, die wir wollen. Wir wollen solche Reaktionen auslösen, da dadurch Diskussionen entstehen. Es bringt Leute zum Nachdenken, Leute fangen an darüber zu reden. Wir wollen, dass sich die Leute dessen bewusst sind. Wir wollen nicht, dass sie ohne jegliche Ahnung herumsitzen. Redet darüber, seid verärgert, zeigt mir, dass es euch interessiert. Das ist alles, was wir wollen.
P: Und darüber hinaus glaube ich, dass Will und Joe sehr clevere Lyrics schreiben, die einerseits wortwörtlich genommen oder aber auf unterschiedliche Situationen übertragen werden können. Wir wollen nicht nur sagen: „Hey, dir passt das nicht und blah blah blah.“ Wir verschicken in unseren Songs eine Nachricht und diese beinhaltet verschiedene Deutungsmöglichkeiten, sodass jeder sagen kann: „Ja. So habe ich mich in dieser oder jener Situation gefühlt.“ Nicht unbedingt das gleiche, was wir empfinden, wenn wir den Song schreiben, aber es ist anwendbar auf jeden. Jeder ist wegen irgendwas wütend. Ich kann mich Joe nur anschließen, man sollte von Dingen angepisst sein. Weißt du, wir schreiben nicht einfach einen Song über das Abtreibungsproblem in den USA und dass diesen Leuten einfach ihre Rechte genommen werden. Wir schreiben allgemein, dass Leuten ihre Rechte genommen werden. Wir versuchen demnach, unsere Songs so facettenreich wie möglich zu halten. Sie sollen ein bestimmtes Gefühl hervorrufen und dann liegt es an dir, wie du mit diesem Gefühl umgehst.
B: Wenn man über Erfahrungen spricht, das wahre Leben, seien es deine eigenen Probleme oder die eines anderen, wird man immer Leute begegnen, die nicht deiner Meinung sind oder es anders sehen. Wenn du umsichtig bist kapierst du, dass sich die Welt nicht nur um dich dreht. Jeder macht andere Erfahrungen. Du kannst also die Lyrics nehmen und sie drehen und wenden wie auch immer sie am besten auf dich zutreffen. Die meisten Leute interpretieren etwas anderes in die Lyrics, die sie lesen. Wir mögen zwar manchmal thematisch etwas spezifischer vorgehen, aber du wirst immer die Möglichkeit haben, sie unabhängig von unserem eigentlichen Ziel zu interpretieren.

Auf eurem 2017er-Album „The Great Collapse“ habt ihr mit dem Song „Black Mammoth“ die Ölpolitik in North Dakota und die Pipelines, die durch das Gebiet der amerikanischen Ureinwohner führen, thematisiert. Welche Entwicklungen konntet ihr anschließend beobachten? Hat es einen Unterschied gemacht?
J: Es brachte Aufmerksamkeit. Leute fingen an darüber zu reden und es zu sehen. Ich hab einige YouTube-Reaction-Videos angeschaut und die Leute fanden Interesse daran. Sie wollten sich genauer damit auseinandersetzen.
P: In den USA reden wir immer darüber, wer es am schlechtesten hat und dass man niemanden außen vor lassen darf. Und ich glaube, dass dieses Thema komplett missachtet wurde. Und Leute darauf aufmerksam zu machen, dass diese Menschen gerade Hilfe benötigen, war eine verdammt wichtige Sache. Jeder verdient es, geschützt und gut behandelt zu werden. Wenn also eine Gruppe aufgrund zig anderer sozialer Probleme hinten über fällt, ist es eine super Sache, Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Und wir haben mit unserer Musik einfach eine coole Plattform, um diese Dinge anzusprechen. Ich bin wirklich stolz auf die ganze Sache.
T: Es war irgendwie auch witzig. Als wir das Video veröffentlicht haben, gab es ein mächtiges Feedback. Einerseits waren da die Fit-Fans, die wussten, dass wir zwar keine extrem politische Band sind, aber unsere Standpunkte stark vertreten. Andererseits die Fans, die davon keinen Plan hatten. Die nur das musikalische gehört, den Lyrics aber keine Achtung geschenkt haben. Wir bekamen Antworten wie: „Warum zur Hölle seid ihr jetzt eine politische Band?“ Wir waren fassungslos. Diese Leute haben uns einfach nie zugehört. Bereits bevor ich in der Band war, wusste ich um den lyrischen Inhalt und auch als ich zu „Hellbound“ und „Absolute Hope“ dazugekommen bin, ging vieles um den Umgang miteinander und soziale Ungleichheit. Wir konnten einfach nur den Kopf schütteln und uns fragen, was zur Hölle sich diese Leute die ganze Zeit gedacht haben.
P: Auf der anderen Seite geschahen aber auch schöne Dinge. Bei einer Show in Kanada kamen ein paar kanadische Ureinwohner vorbei und dankten uns. Wir haben in der Nähe der Gegenden gespielt, wo das Thema die Leute direkt betraf und sie kamen vorbei und meinten: „Niemand hört uns zu. Das ist einfach schön von euch.“ Das sind die Momente, die uns wirklich freuen. Nicht, dass wir es deswegen tun, aber es ist einfach ein gutes Gefühl. Ich wollte immer, dass wir nicht nur darüber sprechen, sondern auch etwas dagegen tun. Als beispielsweise die Flüchtlingskrise in Syrien ausbrach, verkauften wir ein T-Shirt und der gesamte Erlös ging an Hilfsorganisationen. Als „Black Mammoth“ rauskam und wir die Belle Fourche Pipeline thematisierten, stand unser Album in den Startlöchern. Wir hatten dabei ein Package mit einem T-Shirt, auf dem ein Baum abgebildet war, aus dem Blut tropft. Es sollte die gesamte Situation sowie unser Album repräsentieren. Den gesamten Erlös spendeten wir ebenfalls nach Dakota. Es ist wirklich wichtig, dass du etwas unternimmst und es nicht nur als Plattform für deine Band missbrauchst. Wir versuchen einfach, auf möglichst viele Arten die Leute auf sowas aufmerksam zu machen. Wir haben dabei keine Angst unsere Meinung zu vertreten und wollen auch jedem danken, der uns dabei unterstützt. Das ist das wirklich Wichtige für uns.

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Die nächste Frage ist vielleicht etwas lustig. Ihr habt ziemlich beeindruckende und prägnante Lyrics, beispielsweise „God is a lie and men is a failure“, die einen pessimistischen Blick auf die Welt vermitteln. Worin seht ihr das Schöne auf der Welt?
T: Alles, das nichts mit Menschen zu tun hat.
P: Welpen (lacht). Ich finde, dass der Klimawandel viele gute Dinge mit sich bringt, auch wenn die Entwicklung selbst gefährlich ist. Denn die Diskussionen sind gut, über Probleme zu reden ist gut. Leute, mit denen man mit Anstand und Respekt über die aktuellen Geschehnisse diskutieren kann. Ob man miteinander übereinstimmt oder nicht spielt dabei keine Rolle. Denn dadurch entstehen Ideen und die Diskussionen werden nach außen getragen. Es passiert also viel gutes durch das miteinander Reden! Ich finde sogar etwas Schönes an Donald Trump. Jeder hasst ihn und er ist ein Alptraum als Präsident, aber er zwingt uns dazu, zu diskutieren. Jetzt müssen wir über vieles reden. Jetzt müssen wir kommunizieren. Wir müssen uns mit den Problemen auseinandersetzen, um etwas zu verbessern. Ich glaube einfach, dass das Schöne nicht so sehr thematisiert werden muss. Ich finde aber Genugtuung darin, die dunklen Seiten der Gesellschaft ans Licht zu bringen. Auch darin liegt etwas Schönes.

Um auf die musikalischen Aspekte zurückzukommen. Mit „The Process Of Human Extermination“ seid ihr als Deathcore-Band gestartet. Auf dem Weg zu „The Great Collapse“ habt ihr euren Sound erweitert und mehr Death-Metal-Einflüsse eingebaut. Könntet ihr die Entwicklung der Band beschreiben?
P: Beim ersten Album war ich der einzige hier, der mit dabei war. Anschließend kam Josean. Durch ihn konnten wir neue Elemente einbauen, wir konnten Dinge anders machen als zuvor und in eine neue Richtung lenken. Als Will dann entschied, nicht mehr zu touren holten wir uns Tim in die Band. Danach kamen noch Joe und Blue dazu. Die Besetzungswechsel haben viel ausgemacht und gesangstechnisch konnten wir uns mit Joe breiter aufstellen. Er kann singen, screamen, hat kranke Highs, großartige Lows. Er hat insgesamt mehr Vocal Range, wodurch wir mehr experimentieren konnten. Wir hatten ein breiteres Spektrum, an dem wir uns bedienen konnten. Beispielsweise als wir „Hellbound“ geschrieben haben, rief mich Will an und meinte: „Ich hab da verschiedene Ideen, die ich ausprobieren will“. Also haben wir das gemacht und dann hat uns Nate verlassen, als wir „Absolut Hope“ angingen. Joe haben wir erst zwei Wochen bevor wir ins Studio gegangen sind entdeckt.
J: Alles war bereits fertig geschrieben. Ich dachte mir, ich mach jetzt einfach einfach das beste daraus. Also haben wir das Album aufgenommen und anschließend wurde mir erst bewusst, was ich alles drauf habe. Ich hatte die Möglichkeit, neues auszuprobieren oder anderes zu intensivieren. Und genau das hat mir dabei geholfen ein besserer Sänger zu werden und mich immer weiter zu pushen.


Das würde also auch die Clean Vocals auf „Heads Will Hang“ und „Flatlining“ erklären…
P: Ja, genau. Es hat etwas gedauert, bis wir verstanden haben, dass Joe nie zuvor so professionell aufgenommen hat und Will brachte ihn dazu, viel verschiedenes zu testen. Denn Will ist genau der Typ, der Talent erkennt, das andere nicht sehen. Er brachte Joe auf dem letzten Album dazu, einfach auszuprobieren. Und Joe entwickelte seine Range und wusste für sich, in welche Richtung er sich weiterentwickeln will. Jetzt auf dem neuen Album bewegt er sich in bereits bekannten Gefilden, allerdings ist da auch etwas ganz neues dabei. So etwas bereichert natürlich jeden kreativen Prozess und du willst auch andere Dinge weiterentwickeln. Wir dachten uns also, wir versuchen dies oder das. Wir haben nicht vor, mit unserer Musik irgendeine Gruppe an Personen zu beeindrucken. Wir wollen einfach spielen worauf wir Lust haben und uns entwickeln. Wir wollen nicht das gleiche wieder und wieder veröffentlichen. Wir wollen stetig besser werden. Schau dir nur mal die weltweit größten Bands an. Ich habe letztens die Queen-Dokumentation gesehen und erst waren sie eine Rock-’n‘-Roll-Band, dann haben sie Disco-Musik gemacht, all diese verschiedenen Dinge ohne irgendwelche Einschränkungen. Und genau das ist, was wir machen wollen. Wir wollen weiterhin wie FIT FOR AN AUTOPSY klingen, das Experimentieren eröffnet einem jedoch neue Möglichkeiten und zeigt auch auf, was nicht funktioniert.
T: Wir hatten bei manchen Dingen durchaus unsere Bedenken. Gerade den Gesang betreffend. Ich mein, wir fühlen uns gut dabei, aber wir wissen ja nicht, was andere darüber denken werden. Manchmal muss man etwas riskieren, aber dieses Risiko ist es wert. Wir fühlen uns damit sehr wohl und gehen das sehr selbstbewusst an.
P: Ja, ich glaube, dass jeder wissen wird, was wir damit meinen. Dieses neue Album wird krasser und verrückter, ohne seine aggressive Seite zu verlieren. Es ist ein FIT-FOR-AN-AUTOPSY-ALBUM, aber es gibt einige Überraschungen. Manche gehen in die aggressivere Richtung und andere in die melodischere. Viel verschiedenes, aber alles echt cool. Wir begeben uns mehr auf die eine Seite, mehr auf die andere und brettern wie gehabt durch die Mitte. Wir machen dabei einfach das, worauf wir Lust haben. Dazu touren wir mit immer mehr Bands, die größer sind als wir. Wir schauen uns dabei natürlich auch ab, was bei den Live-Shows funktioniert, was wir auch abliefern wollen. Und je mehr du auf Tour bist und mit verschiedenen Band spielst, umso mehr lernst du dazu.

Mit Will habt ihr einen der bekanntesten Produzenten im modernen Metal in eurer Band. Arbeitet ihr auch mit anderen Produzenten, um Ideen von außen einfließen zu lassen?
P: Das wird nie passieren.
T: Wir befinden uns in der Blase. Wir fühlen uns absolut wohl mit unserem Vorgehen. Ich sehe nicht den Nutzen darin, aber wer weiß, vielleicht…
P: Vielleicht irgendwann mal ein co-produzierter Song. Verschiedene Leute waren bereits daran interessiert mit uns zu arbeiten. Wir haben auch unsere „Depression Sessions“ und überlegen uns, so etwas vielleicht mit einer anderen Band wieder zu machen. Es gibt also immer irgendwelche Einflüsse von außen, aber solange es darum geht ein gesamtes Album zu produzieren, glaube ich, dass es immer Will machen wird. Es sei denn er selbst will jemanden für frischen Wind dazu holen. Wenn wir also mit jemand anderem arbeiten, wird es Wills Entscheidung sein. Er gibt uns während des Aufnahmeprozesses so viel und seine Arbeitsweise ist einfach großartig.
B: Er hat auch immer das letzte Wort, wenn es um das Endprodukt geht. Er hat einfach den nötigen Weitblick, wenn es um diese Dinge geht.
J: Und wir vertrauen Will voll und ganz.
P: Ja, letztendlich vertrauen wir ihm. Wir verstehen, dass er seine eigene Vorstellung der Band hat, aber er achtet auch darauf, was wir uns wünschen. Die Zusammenarbeit ist also wirklich einfach.
T: Wir sind allesamt Team-Player, genau wie er. Wir bewegen uns also in die richtige Richtung.

Ihr wart letztens erst auf einer interessanten Tour in den USA mit Hatebreed, Obituary, Cro-Mags und Terror. Ist es etwas anderes mit einem so bunt gemischten Package zu touren?
B: Ja. Ich fand es ziemlich cool, dass auf dieser Tour jeder irgendwann jeden musikalisch beeinflusst hat. Außer wir, wir sind diese Young-Kids-Band auf dieser Tour. Aber wenn man sieht wie Obituary und Cro-Mags Hatebreed beeinflusst haben und wie Terror von Hatebreed und Cro-Mags beeinflusst wurden…
P: Wir wurden von jeder einzelnen Band in diesem Billing beeinflusst.
B: Es ist einfach echt cool zu sehen, dass ein so bunt gemischtes Package so gut funktioniert und alle miteinander super klarkommen.
P: Es ist einfach toll, mit solch historischen Bands auf Tour zu gehen und man dabei auf Augenhöhe behandelt wirst. Jeder kam mit jedem klar, jeder hat jedem geholfen. Es war eine Demonstration dessen, wie man sich als Band auf Tour verhalten soll. Ich mein, manchmal erwartest du, auf eine gewisse Art behandelt zu werden, da die anderen schon lange bevor dir ihre Leistung erbracht haben. Aber nicht ein einziges Mal hatte ich das Gefühl, dass jemand auf uns hinabschaut und meinte wir seien nur Kinder oder unprofessionell. Ganz ehrlich, diese Tour, die Trivium/Arch Enemy-Tour und die Sepultura-Tour, mit all diesen berühmten Bands, das waren die besten eineinhalb Jahre, die FIT FOR AN AUTOPSY je erlebt haben. Wir wurden nie zuvor so gut behandelt. Und ich will ihnen in jedem Interview und mit allem was ich hab dafür danken, dass sie uns so viel Respekt entgegengebracht haben.

Was sind eurer Meinung nach die besten Bands im Moment?

B: Ich versuche, mich jede Woche hinzusetzen und alle neuen Releases anzuhören. Also im Metal. Ich ziehe das die letzten paar Monate schon durch. Und es gibt so viele kranke Bands, die gerade herauskommen. Ich war sehr überrascht, denn normalerweise denkst du dir ab einem gewissen Alter, dass alles neue schlecht sei und ich mir lieber alte Death- oder Carcass-Alben anhöre. Aber gerade wenn ich nach Bands schaue, mit denen wir auf Tour gehen könnten, finde ich welche, die mir wirklich gefallen.
P: Das ist eine schwierige Frage. Ich würde immer auf meine Top 4 zurückkommen. Das sind Meshuggah, Gojira, At The Gates und Carcass. Aber ich höre auch gern mal Steely Dan und John Mayer. Ich mag einfach viele verschiedene Bands. An neuen Bands finde ich Venom Prison wirklich gut. Ich mag alle Bands auf dieser Tour. Aber es ist schon eine harte Frage für mich.
J: Bei mir laufen gerade das neue Venom-Prison- und das neue Moon-Tooth-Album in Dauerrotation. Allerdings bin ich mit zweiteren auch seit Ewigkeiten befreundet und finde alles was sie veröffentlichen einfach nur perfekt.
B: Das neue Moon-Tooth-Album ist auch auf meiner Liste. Das neue Horrendous-Album ist eins meiner liebsten im letzten Jahr. Ich bin ein ziemlicher Death-Metal-Typ, aber Lago hatten letztes Jahr auch ein großartiges Album.
T: Ich hab Holding Absence aus Großbritannien letztens gefunden und ihr Album ist auch richtig gut.
P: Die neue Misery-Index-Platte läuft auch sehr oft! Das Album ballert ordentlich.


Ich hab noch eine letzte Frage. In einer Band zu spielen und auf Tour zu sein ist mit Sicherheit auch anstrengend. Wie bringt man die Band und Familie unter einen Hut?
J: Es ist schon schwer, aber du musst es irgendwie schaffen. Man muss sich einfach bewusst sein, dass wenn man das über einen längeren Zeitraum machen will, auch Opfer bringen muss. Und wenn es dein Traum ist, dann machst du das auch. Wir alle hatten schwere Zeiten in den letzten Jahren. Aber wir lieben, was wir machen und wollen auch immer größer werden. Deshalb machen wir weiter und bringen diese Opfer. Wir sehen, dass es es wirklich wert ist.
P: Für mich ist es, als einziger in der Band, der verheiratet ist und ein Kind hat, nicht einfach. Ich sehe meinen Jungen über Facetime aufwachsen, aber man muss für sich selbst herausfinden, wie man am besten mit seiner Familie, Freundin, Ehemann, Ehefrau, Ex umgeht. Ich versuche, so präsent wie möglich zu sein, aber ich bin einfach auch sechs bis sieben Monate im Jahr unterwegs. Die Touren zum neuen Album kommen und es wird wieder eine Zeit lang hart werden. Aber ich finde, dass die ganze Technik es deutlich einfacher macht und meine Frau unterstützt die Band auch enorm. Nicht nur mich, sondern jeden. Und die Jungs sind wie Onkel für meinen Sohn. Wenn sie mit mir auf Tour sind vermisst er sie genauso. Wir haben wirklich eine starke Bindung zueinander. Und ich sag das wirklich nicht oft, aber ich schätze es sehr, wie die Jungs meine Familie unterstützen und ich versuche, das gleiche für sie zu machen. Wir versuchen alle füreinander da zu sein, wenn es schwierig wird. Wir sind eine Familie. Sie sind meine Familie, mein Sohn und meine Frau sind meine Familie. Ich sehe Tims Arsch öfter als den meiner Frau und das ist ein Problem, aber es ist die Wahrheit (lacht). Wir verbringen einfach so viel Zeit miteinander und ich würde dafür töten, stehlen, betteln und alles verkaufen, dass es jedem hier gut geht. Ich glaube, dass sowas einfach entsteht, wenn man das lang genug miteinander durchmacht, wenn man mit den richtigen Leuten unterwegs ist. Wir streiten auch wie kleine Kinder, aber am Ende des Tages dient alles der Verbesserung des Projekts. Und dass es jedem, der in diesem Projekt irgendwie involviert ist, gut geht. Für Joes Mum, für Blues Familie, für Tims Familie, für Joseans Familie und für mein Kind und meine Frau. Wir machen das für jeden. Letztendlich hängt alles natürlich davon ab, wie du es angehst, aber ich bin glücklich in der Band zu sein und ich sehe auch genug Langlebigkeit darin. Weil wir uns alle umeinander kümmern. Außer um Blue (lacht).

Am Ende von jedem Interview machen wir das traditionelle Metal1.info-Brainstorming. Ich gebe euch ein Wort und ihr antwortet mit dem ersten, was euch in den Sinn kommt.
New York: Josean (Jo): Verrückt. J: Pizza. B: Hardcore. T: Schmutzig. P: Kindheit
Gojira: Jo: Heavy. J: Wale. B: Einzigartig. T: Grandios. P: Niemand ist besser.
Social Media: P: Bullshit. T: Hundescheiße. B: Notwendiges Übel. J: Kacke. Jo: Hass (lacht).
Fußball: Jo: Hass. J: Eeeeh. B: Ist mir egal. T: Ist okay. P: Stressig.
Rick & Morty: P: Urkomisch. T: Pickle-Rick. B: Shwifty. J: Großartig.

Euch nochmal vielen Dank! Ich würde die letzten Worte euch überlassen:
B: Danke dir!
P: Ich möchte jedem einzelnen danken, der zu unseren Shows kommt und einfach zuhört. Ob ihr es letztendlich mögt oder nicht, ihr habt unserer Musik eine faire Chance gegeben. Ich möchte jedem danken, der diese Tour möglich gemacht hat: Avocado, Nuclear Blast, Venom Prison, Justice For The Damned, Vulvodynia. Jedem, der etwas getan hat, um uns zu helfen und auch danke für deine Zeit. Wir schätzen das sehr.

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Publiziert am von Silas Dietrich

Dieses Interview wurde persönlich geführt.

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