Karg Resignation Coverartwork

Review Karg – Resignation

Authentizität gilt vielen als einer der wichtigsten Maßstäbe eines musikalischen Werks. Insbesondere im Black Metal hängt die Reputation einer Band wesentlich davon ab, wie aufrichtig – oder „trve“, wie es im Fachjargon heißt – ihre Kunst ist. Wie das Genre selbst hat sich auch die allgemeine Vorstellung davon, was künstlerische Integrität in diesem Kontext bedeutet, mit der Zeit gewandelt. Das vielleicht beste Beispiel für diese Entwicklung ist KARG: Corpsepaint, Lo-Fi-Produktionen und Teufelsanbetung – einst nahezu unverzichtbare Kernelemente der schwarzmetallischen Tradition – sucht man bei dem Post-Black-Metal-Projekt aus Österreich vergebens. Trotzdem oder gerade deswegen besteht kein Zweifel daran, dass Bandkopf J.J., den viele wohl primär als Sänger von Harakiri For The Sky kennen, mit KARG etwas tief Empfundenes ausdrückt – so auch auf „Resignation“, seinem achten Album.

Wie schon auf den drei Alben davor singt (bzw. schreit) J.J. auf „Resignation“ über universale Themen wie Vergänglichkeit, Verlust und Enttäuschung. Die bittere Inbrunst seines heiseren Schreigesangs und seine erneut im Salzburger Dialekt formulierten Texte offenbaren jedoch seine persönliche Betroffenheit, die den Songs eine immense Bedeutungsschwere verleiht. Dementsprechend groß ist die emotionale Wirkung der betrüblichen Post-Black-Metal-Instrumentierung, die nicht selten von ausgedehnten, filigranen Post-Rock-Parts unterbrochen wird.

Dennoch krankt die Platte an denselben Schwächen, die auch die letzten beiden Full-Lengths einen Teil ihres Potenzials gekostet haben. Zwar haben KARG diesmal darauf geachtet, die Tracklist insgesamt nicht zu überladen, die einzelnen Stücke wirken jedoch abermals zerfahren und überlang. Im Opener „Was bleibt“ mag J.J. mit einer besonders druckvollen Gesangsperformance überzeugen, ansonsten wird er jedoch von den Mitsingenden überschattet – so zum Beispiel in „Grab der Wellen“ von P.G. (Groza) und seinen deutlich kräftigeren Screams.

Dass einige Passagen des Albums keinen bleibenden Eindruck hinterlassen („EBBE//FLUT“), ist ebenso bedauerlich wie der Umstand, dass die Rhythmusgitarren und Drums viel zu dumpf produziert sind und in den Songs insgesamt viel Klangraum ungenutzt bleibt. Auch die als Bonustracks enthaltenen, adaptierten Coverversionen von The Cranberries‘ „Dreaming My Dreams“ und Nothings „Fever Queen“ sind KARG nur mäßig gut gelungen: „Einen Traum weiter dort fangen wir das Licht“ missfällt mit dem geblökten Gesang in seinem Refrain und „Fieberherz“ mäandert alles andere als hitzig vor sich hin.

Dass auf „Resignation“ so vieles im Argen liegt, ist insofern besonders bedauerlich, als es in seinen stärksten Momenten durchaus an das herausragende „Weltenasche“ (2016) heranreicht. Die beinahe tröstlichen Streicher am Ende von „Was bleibt“ und der von dem Hip-Hop-Künstler Private Paul vorgetragene, Endzeitstimmung verbreitende Spoken-Word-Part in „Generation ohne Abschied“ zählen beispielsweise mit zu dem Bemerkenswertesten, was KARG bis dato hervorgebracht haben. „Resignation“ zeigt letztlich einmal mehr, dass KARG eine Herzensangelegenheit von großer Bedeutsamkeit, aber eben bei weitem nicht so ein konsistentes Projekt wie Harakiri For The Sky sind.

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Wertung: 6.5 / 10

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