Interview mit Marta Gabriel

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Marta Gabriel kennt man vor allem als Sängerin von Crystal Viper. Nun veröffentlicht sie mit ihrem Soloprojekt MARTA GABRIEL ihr erstes Album „Metal Queens“, auf dem sie ihren musikalischen Idolen Respekt erweist. Mit uns sprach sie über die ungewöhnliche Songauswahl, ihr vielfältiges musikalisches Können und warum es keine Option ist, eine Pause einzulegen.

Hallo, wie geht es dir kurz vor dem Release von „Metal Queens“?
Mir geht es gut, danke!

Leider fällt die Veröffentlichung noch in die Corona-Zeit – wie war diese Zeit für dich als Mensch und Musikerin und was hat sich bei dir dadurch verändert? Was vermisst du am meisten und warum Konzerte und Festivals?
Du hast recht, Konzerte und Festivals fehlen mir, aber ich vermisse auch meine Freunde und Bandkollegen. Die Mitglieder von Crystal Viper leben in drei verschiedenen Ländern. Aufgrund von Beschränkungen und Problemen bei Reisen haben wir uns tatsächlich seit mehr als einem Jahr nicht mehr gesehen.

Mit Crystal Viper hast du erst im Januar „The Cult“ herausgebracht und ein halbes Jahr später steht schon dein Soloalbum an – du scheinst dich ja förmlich in die Arbeit zu stürzen!
Ich liebe Musik und ich liebe alles, was mit Musik zu tun hat – wie Aufnehmen, Komponieren und Performen – so sehr, dass das für mich nicht wirklich Arbeit ist. Musik ist meine größte Leidenschaft, etwas, das ich rund um die Uhr machen kann. Also nein, ich brauche keine Auszeit und du kannst dir sicher sein, dass ich im letzten Jahr nicht nur das neue Crystal-Viper-Album und das Soloalbum gemacht habe!

Wie entstand die Idee, ein Soloprojekt zu starten?
Wir wussten, dass wir direkt nach der Veröffentlichung von „The Cult“ keine Shows mehr spielen können. Also wollten wir, anstatt herumzusitzen, uns zu beschweren und nichts zu machen, die Zeit so gut wie nur möglich nutzen. Ich liebe es aufzutreten, aufzunehmen und zu spielen, und ich liebe es, das mit den Fans zu teilen. Ich bezeichne mich auch selbst als Fan, ich höre eine Menge Musik. Außerdem mag ich es, Coversongs aufzunehmen – das ist meine Art, den Leuten zu zeigen, wo meine musikalischen Wurzeln liegen, woher das alles kommt, und es ist meine Art, meinen Lieblingskünstlern Respekt zu erweisen. „Metal Queens“ ist als Verbindung aus all diesen Elementen entstanden.

„Metal Queens“ hat als Coveralbum eine recht unytpische Auswahl, da die meisten Tracks der Masse und den jungen Hörern heute nicht mehr so bekannt sein dürften. Wie hast du die Lieder ausgewählt?
Die Auswahl der Songs fiel mir ziemlich leicht: Ich habe einfach einige meiner Lieblingssängerinnen ausgesucht und dann meine Lieblingssongs von ihnen, obwohl es schwer war, mich auf nur 10-11 Tracks zu beschränken. Ich habe eine Liste mit meinen Lieblingssongs gemacht und dann mit meinem Produzenten abgeklärt, wie ich mich in den Liedern anhöre, ob wir die Tonart ändern müssen, oder ob ich in der ursprünglichen Tonlage singen kann.

Du singst „Reencarnacion“ wie im Original auf Spanisch. Sprichst du neben Polnisch und Englisch auch Spanisch oder noch andere Sprachen?
Nein, ich spreche leider kein Spanisch, aber ich habe vor, endlich mit dem Lernen der Sprache anzufangen. Es ist schon lustig, wenn wir durch Spanien touren und die Leute manchmal zu mir kommen und mich auf Spanisch ansprechen – Marta ist ein typisch spanischer Name, und ich höre oft, dass ich spanisch aussehe.

Kannst du dir auch ein „Metal Queens 2“ vorstellen? Sicher hast du doch noch mehr Lieder im Kopf, die du gerne umsetzen würdest?
Das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen, denn es gibt mindestens 20 oder sogar noch mehr Songs, die ich gerne noch aufnehmen würde. Wer weiß, vielleicht mache ich, wenn die Leute dieses Album mögen, irgendwann „Metal Queens II“ … das wäre wirklich großartig!

Kennst du manche der Musikerinnen auch persönlich oder hast während oder nach der Entstehung der Lieder Kontakt zu ihnen aufgenommen?
Du meinst die originalen Künstler, die ich gecovert habe? Ja, ich kenne ein paar von ihnen und bin mit einigen befreundet.

Gibt es Pläne, auch eigene Lieder mit deinem Soloprojekt aufzunehmen?
Ja, das wird früher oder später bestimmt passieren!

Sowohl Eric als auch Cedric hast du von Crystal Viper mitgebracht. Wie hat sich das entwickelt? Hat es den Schreib- und Aufnahmeprozess vereinfacht, weil ihr euch eh schon kennt?
Cederick und Eric sind unglaublich talentierte und professionelle Musiker. Abgesehen davon, dass wir befreundet sind, verstehen wir uns auch ohne Worte, und sie nehmen das, was sie tun, sehr ernst. Mit ihnen zu arbeiten bedeutet also, dass alles pünktlich fertig wird, und zwar perfekt. Es gibt da dieses Sprichwort: „Never change a winning team“. Als ich also mit der Arbeit an „Metal Queens“ anfing, habe ich nicht wirklich daran gedacht, es mit jemand anderem zu machen – Eric und Ced waren meine erste Wahl.

Wie sind die Entstehung und Aufnahmen des Albums abgelaufen, hat sich durch Corona viel an eurem gewohnten Prozess verändert?
Wir haben „Metal Queens“ im Grunde auf die gleiche Art und Weise aufgenommen, wie das neue Crystal-Viper-Album „The Cult“, also komplett aus der Ferne. Wir haben uns nicht im Studio getroffen. Wir waren in ständigem Kontakt, aber ich habe Gesang und Bass in meinem Home-Studio in Polen aufgenommen, Cederick hat das Schlagzeug in Schweden eingespielt und Eric hat seine Gitarrenparts in Deutschland aufgezeichnet. Dann wurden alle Spuren zum Abmischen nach Schweden geschickt und zurück nach Polen zum Mastern. Ganz simpel!

Todd Michael Hall ist einer der Gastmusiker auf „Metal Queens“. Mit ihm hast du eine sehr schöne Version von „Shallow“ aufgenommen“ – wie ist das entstanden?
Todd ist ein Freund und selbstverständlich ein unglaublich talentierter Sänger. Wir haben uns vor einigen Jahren kennengelernt, als er bei Burning Starr gesungen hat und ich bei ihnen als Tourgitarrist dabei war. Wir sind in Kontakt geblieben und ein paar Jahre später kam Todd zu uns, als wir mit Crystal Viper das Riot-Cover aufgenommen haben. Als wir realisiert haben, dass wir uns in Schweden treffen werden – Crystal Viper und Riot haben beide auf dem Sabaton Open Air gespielt – und da wir beide „Shallow“ aus „A Star Is Born“ mögen, haben wir beschlossen, es aufzunehmen. Wir haben auch ein einfaches Musikvideo dazu gedreht, dass ihr euch auf YouTube ansehen könnt.

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Bei Crystal Viper spielst du Gitarre, auf deinem Soloalbum spielst du Bass. Ich habe gesehen, dass du bei deiner Coverversion von „When The Crowds Are Gone“ von Savatage Keyboard spielst – spielst du noch mehr Instrumente, gibt es überhaupt ein Instrument, das du nicht spielst und noch lernen möchtest?
Ich habe tatsächlich vor, Schlagzeug spielen zu lernen. Ich kann elektronische Drums programmieren und mache das in der Regel, wenn ich an Demo-Versionen meiner Songs arbeite, aber es wäre cool, alle Drum-Tracks selbst spielen zu können.

Du bist musikalisch immer sehr traditionell unterwegs, sowohl bei Crystal Viper und nun auch bei Blazon Stone und solo. Hast du auch Lust, mal eine ganz andere Richtung einzuschlagen auszuprobieren?
Ja, ich denke, dass ich das eines Tages machen werde. Ich bin eine klassisch ausgebildetete Musikerin und mein Hauptinstrument ist das Piano – ich habe die Musikschule in der Piano-Klasse abgeschlossen. Ich mag auch klassischen Rock, viele Pop-Interpreten, Film-Soundtracks… Also wer weiß!

Du singst als Frau in Metalbands, das wird in der Promotion dann oft verallgemeinert als „Female Fronted Metal“ vermarktet – was hältst du von so einer Kategorisierung?
Ich habe damit kein Problem. Nun, natürlich ist es kein Genre, aber wenn einige Leute es vorziehen, Bands so zu beschreiben, warum nicht? Werbung ist eine Sache, aber ich glaube, dass es auch Leute gibt, die keine Fans von weiblichem Gesang im Metal sind, also könnte es auch zur Anti-Werbung werden.

Im Juli sind für Crystal Viper drei Festivals in Österreich, der tschechischen Republik und Polen geplant. Wie sehr freust du dich nach der langen Zeit, endlich wieder auf der Bühne zu stehen?
Es ist absolut unglaublich, das werden unsere ersten Live-Shows seit 15 Monaten sein! Ich denke, „The Cult“ ist das bisher beste Crystal-Viper-Album, und ich kann es kaum erwarten, die neuen Songs endlich live zu spielen!

Planst du auch Livekonzerte mit deiner Soloprojekt?
Bis jetzt habe ich noch keine konkreten Pläne. Ich habe vorher auch nicht darüber nachgedacht, aber ich habe tatsächlich einige Angebote bekommen, mit dem Projekt aufzutreten, also ja, das wäre echt interessant!

Kommen wir zum Abschluss zu unserem traditionellen Brainstorming. Was fällt dir zu folgenden Begriffen ein…

Streaming: Ich könnte auch ohne leben, aber ich gebe zu, dass ich manchmal Spotify benutze.
80er: Die beste Zeit, was Musik und Filme angeht!
Games: Ich liebe old school Arcade-Games aus den 80ern und 90ern.
Natur: Ich liebe die Natur über alles, ich verlasse den Betondschungel, so oft ich nur kann!
Aktuelles Lieblingsalbum: Da kann ich nicht nur eines nennen, aber es wäre vermutlich
ein Album von Judas Priest oder Iron Maiden.
Leben ohne Musik: Unmöglich!
Marta Gabriel in 10 Jahren: Immer noch singen, spielen, aufnehmen und auftreten – hoffe ich!

Vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast! Die letzten Worte gehören dir.
Vielen Dank für den Support! Ich hoffe, dass euch das neue Crystal-Viper-Album „The Cult“ und mein Soloalbum „Metal Queens“ gefallen werden! Darauf gibt es eine Menge Heavy Metal!

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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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