Interview mit Selim Lemouchi von The Devil’s Blood

THE DEVIL’S BLOOD halten mit ihrem neuen Album „The Thousandfold Epicentre“ die Fahne des Occult / Psychedelic Rock weiter hoch erhoben. Ob man erklären kann, dass gerade diese durchaus ältere Spielart in der Inkarnation dieser Band derartigen Auftrieb hat, beantwortet Gitarrist und Songwriter Selim Lemouchi im Interview und betont dabei seine Abneigung gegenüber jeglicher Retro-Einstellung. Die sehr aufgeschlossenen und redseligen Antworten lest ihr hier.

Hi zusammen! Danke für das Interview zuerst. Wie geht’s euch so?
Anxious, restless and wild (O-Ton)

Lass uns ein bisschen über das Album quatschen – inwiefern kann man „The Thousandfold Epicentre“ als Konzeptalbum bezeichnen? Gibt es Themen, die sich durch das ganze Album ziehen? Inwiefern unterscheiden sich die großen Konzepte von denen auf „The Time Of No Time Ever More“?
Sie sind genau dieselben, die Dreieinigkeit der Rebellion: Der Tod, Das Chaos und Der Satan. Das war nie anders und wir sich nie ändern. Das Album hat eine „Geschichte“ zu erzählen, die ich versucht habe, in den Texten in Worte zu bannen, aber es ist an jedem Individuum selbst, diese auf eine eigene Weise herauszufinden.

Wie wichtig ist es dir, dass sich die Hörer mit euren Texten beschäftigen? Willst du eine Aussage verbreiten oder findest du es okay, wenn man sich ein paar Bier reinzieht, während man The Devil’s Blood hört? Oder würden sie dann grundsätzlich missverstehen, worum es bei der Band geht?
Es ist absolut unwichtig für mich. Ihnen sollte es wichtig sein. Es finden sich Wissen und Verwirrung in unserem Werk und die Leute sollten in ihren behüteten Leben frei genug sein, etwas davon zu erfahren. Ob sie das auf eine ritualistische Weise tun oder nicht, ist nicht meine Sache.

Wie funktioniert Songwriting bei The Devil’s Blood generell?
Stell dir vor, dass du von unsichtbaren Händen von den Klippen in ein aufgewühltes, schäumendes Meer aus Blut geschmissen wirst, die dir bestimmte Wahrheiten und Visionen in deine Lungen und deinen Magen spritzt und dich dann wieder ausspuckt. Wenn du dann zurück am trockenen Land bist, kotzt, weinst und windest du dich in unfassbaren Todesqualen. Deine Kotze und deine Tränen; sie sind deine persönliche Offenbarung. Meine Kotze und Tränen sind meine Songs.

Wann hast du angefangen, Songs für „The Thousandfold Epicentre“ zu schreiben, wann seid ihr ins Studio gegangen und so weiter?
Ich hasse es, wenn Journalisten zu faul sind, sich angemessen über den Background zu informieren, aber scheiß drauf. Ein letztes Mal:
Anfang 2010.
The Void Studios in Mai, Juni und Juli 2011

Inwiefern würdest du sagen, dass das Album musikalisch gesehen anders ist, als seine Vorgänger?
Es sind andere Songs.

Glaubst du, dass es auf zukünftigen Alben größere musikalische Veränderungen brauchen könnte, um sicherzustellen, dass ihr euch nicht wiederholt?
Nein, ich bin sicher, dass die Songs in ihrer Natur verschieden genug sein werden. Über so etwas denke ich nicht nach. Kunst ist Kunst und sollte sich selbst überlassen werden. Keine Pläne, keine Struktur, nur das Chaos des kreativen Geists, zu dem Satan spricht.

Das ganze Occult / Doom Rock-Ding, wie auch immer man es nennen mag, ist es jetzt kein unbedingt neues Phänomen, an sich ist es ja ziemlich retro und auch ein sehr sepzielles Rock-Genre. Wie würdest du den Erfolg von The Devil’s Blood erklären in Zeiten, wo viele große Rock Acts ziemlich geschrumpft sind oder komplett verschwunden sind und Rock selbst nicht mehr besonders beliebt ist?
Ich werde das nicht erklären, weil ich keine Antwort auf diese Frage habe.

Glaubst du, es hat damit zu tun, dass es heutzutage wieder ein größeres Verlangen nach Satan unter den Rock-Hörern gibt?
Das bezweifle ich sehr.

Hättest du je einen solchen Erfolg dieser Band erwartet, als du mit The Devil’s Blood angefangen hast?
Nein. Ich tu es immer noch nicht. Ich erwarte nichts vom Leben und gehe mit allem was kommt auf spontane und ungezwungene Weise um. Unser „Erfolg“ ist eine direkte Folge davon, dass er uns nicht interessiert.

Es gibt andere Gruppen, die noch mehr retro sind als ihr und nicht nur Occult Rock spielen, sondern sogar einfach nur die alten Songs auf die Bühne bringen, wie es etwa Sabbath Assembly mit den Songs der Process Church of the Final Judgment tun. Wie denkst du über dieses Konzept und hast du je darüber nachgedacht, beispielsweise in paar Coven-Covers zu spielen?
Warum nennst du uns dauernd retro? Verpiss dich mit deinem Retro-Bullshit. Wir sind eine Band, die Musik spielt, zu der uns Satan inspiriert hat und sonst gar nichts. Retro ist ein Wort für Bands, die keinen persönlichen Ansporn haben, Musik zu spielen, sondern einfach eine bestimmte Band oder Periode in der Vergangenheit kopieren. Ich distanziere mich so weit ich kann von dieser Art von musikalischem Aids.

Welche Musik hörst du privat?
Alles

Habt ihr Live-Aktivitäten geplant, um das neue Album zu unterstützen? Mit welchen Bands würdest du wirklich gerne touren?
Vielleicht hättest du unsere Website auschecken und dir das selbst beantworten können.

Metaltouren basieren heutzutage oft auf dem Prinzip „Nimm so viel du kannst“, was zu dem Umstand führt, dass die meisten großen Touren von mindestens fünf oder sechs Bands gespielt werden. Denkst du, dass dieses Konzept Sinn ergibt, kann man sich als Hörer wirklich auf die Atmosphäre sechs verschiedener Bands an einem Abend einlassen? Würdest du es genießen, so eine Tour zu spielen?
Hättest du ungefähr 1% unserer bisherigen Interviews gelesen, würde dir diese Frage so idiotisch und dumm vorkommen, wie sie jetzt mir vorkommt.

Advent muss eine schreckliche Zeit für dich sein. Was tust du, wenn andere versuchen, etwas runterzukommen und sich in besinnliche Stimmung zu versetzen? Was machst du am Heiligen Abend, wenn die Welt die Geburt von Jesus Christus feiert?
Nichts, was dich etwas angeht.

Findest du, dass wir jetzt eine bessere Welt hätten, wenn Jesus Christus vor 2000 Jahren nicht geboren und gekreuzigt worden wäre? Könntest du ein paar Worte zu einem ethischen System sagen, dass du dem christlichen vorziehen würdest?
Ich würde Gesetzlose Freiheit vorziehen. In anderen Worten: Chaos.

Danke dir sehr nochmal, wenn du noch etwas hinzuzufügen hast, tu es hier!

Publiziert am von Marius Mutz

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