Rise Against w/ Refused

  • Hanns-Martin-Schleyer-Halle, Stuttgart
  • 12. Oktober 2015

2007 spielten sie noch an einem Samstag im Leipziger Werk II, vor rund 300 Zuschauern. Heute ist ihre Bühne die Schleyer-Halle in Stuttgart, die sonst Legenden wie Black Sabbath, Judas Priest oder Marilyn Manson als Auftrittsort dient. Und es ist Montag. Es stellt sich also die Frage, ob RISE AGAINST in den letzten Jahren tatsächlich eine Fangemeinde um sich scharen konnten, die eine solche Halle füllt, selbst wenn der Mainsupport niemand geringeres als Refused ist und auf der aktuellen Tour nur drei Shows in Deutschland gespielt werden.

Refused liveDiese beginnen ihren Auftritt mit einem, vom Start weg, klaren und druckvollen Sound, der die offensichtliche Motivation und Spielfreude der Band wunderbar transportiert. REFUSED gehen ab wie angestochen, nicht zuletzt dank der energiegeladenen Performance von Sänger Dennis. Dieser findet sich dann auch schon beim dritten Song „Rather Be Dead“ in Mitten des Publikums wieder, das begeistert mit dem Sänger schreit und tanzt. Mit ihren Ansagen bleiben REFUSED sich treu und halten nicht mit ihren (politischen) Meinungen hinterm Berg, aber auch zur Hardcoreszene positioniert man sich, indem der oft vorherrschende Sexismus angeprangert und mit „Destroy The Man“ besungen wird. Zum Überhit „New Noise“ schließlich springt der Großteil der Halle und sogar eine Mischung aus Wall Of Death und Moshpit ist zu bestaunen. Unterm Strich steht ein Auftritt der deutlich macht, wie sehr die Musikwelt REFUSED vermisst hat.

Setlist Refused

  1. Elektra
  2. The Shape of Punk To Come
  3. Rather Be Dead
  4. Destroy The Man
  5. Dawkins Christ
  6. The Deadly Rhythm
  7. 366
  8. Servants Of Death
  9. Thought Is Blood
  10. New Noise
  11. Tannhäuser / Derivè


_IGP0828Vermisst haben viele Anwesenden auch RISE AGAINST, was allerdings nicht an deren längeren Abwesenheit, sondern von der intensiven Zuneigung der Fans herstammt. Die Herren aus Chicago sind wie aufgezogen, springen über die Bühne, lachen, posen und knallen ihre Songs einem Publikum entgegen, das jeden Ton feiert. „The Good Left Undone“ und „Satellite“ wärmen die Meute ordentlich an, ehe Sänger Tim McIllrath beim vierten Song „Give It All“ erstmal auf die Absperrung zum Fotograben springt und auf Tuchfühlung mit den Fans geht. Auffällig ist, dass RISE AGAINST am heutigen Abend mit fünf Mann auf der Bühne stehen und Tim nicht selbst Gitarre spielt. Diesen Umstand erklärt der Fronter gleich selbst, indem er ein wenig zerknirscht gesteht, dass er sich die Hand gebrochen hat. Doch statt die Shows abzusagen, hat man lieber einen Freund aus Chicago engagiert, um die Klampfe zu spielen. Eine weitere Einladung ging offenbar an Dennis von Refused, der zum Minor-Thrat-Cover „Screaming At A Wall“ auf der Bühne erscheint und den Song zu einem der Highlights des Abend macht. Eine tolle Hommage an die gemeinsamen Wurzeln der beiden Bands, auch da Tim den Song mit einer Anekdote ausschmückt, die von seinem ersten Besuch eines Refused-Konzerts in Chicago vor vielen Jahren handelt. Mit „Prayer Of The Refugee“ und „Ready To Fall“ beenden RISE AGAINST ihr Set mit zwei absoluten Krachen nach rund 70 Minuten, nur um kurz danach in abgespeckter Form wieder auf der Bühne zu stehen. Denn „Hero Of War“ wird nur von Tim, Gitarrist Zach Blair und Aushilfsgitarrist Neil vorgetragen. Noch kleiner wird die Besetzung bei den folgenden „People Live Here“ und dem grandiosen „Swing Life Away“, für die sich Tim seine Akustikgitarre umschnallt und trotz seiner gebrochenen Hand selber in die Seiten greift. Nach so ruhigen 15 Minuten holen RISE AGAINST nochmal die Punk-Rock-Keule raus und verabschieden die begeisterten Zuschauer mit „Dancing For Rain“ und „Saviour“ in die Nacht, im Gepäck die Erinnerung an einen großartigen Auftritt einer grandiosen Band.

Setlist Rise Against

  1. The Great Die-Off
  2. The Good Left Undone
  3. Satellite
  4. Give It All
  5. The Dirt Whispered
  6. Re-Education (Through Labor)
  7. Survive
  8. I Don’t Want To Be Here Anymore
  9. Collapse (Post-Amerika)
  10. Screaming At A Wall (Minor Threat cover mit Dennis Lyxzén)
  11. Make It Stop (September’s Children)
  12. Prayer Of The Refugee
  13. Help Is On The Way
  14. Black Masks & Gasoline
  15. Ready To Fall
  16. ———————–

  17. Hero Of War
  18. People Live Here
  19. Swing Life Away
  20. ————————

  21. Dancing For Rain
  22. Savior


_IGP0915Und so gibt es nach dem Auftritt gar keine Zweifel mehr daran – RISE AGAINST sind tatsächlich groß genug, um an einem Montag und bei einem kartenpreis von knapp 45€ (Abendkasse) eine so große Halle zu bespielen. Dass dabei auch alteingesessene Fans, die sich wehmütig an die kleinen Clubshows erinnern, nicht verprellt werden spricht ebenso für die Truppe, wie der Umstand, dass man sich mit REFUSED absolut geniale Unterstützung mitgenommen hat. Grandiose Bands mit starken Auftritten – Fanherz was willst du mehr?

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