Konzertbericht: Saltatio Mortis w/ Bad Loverz

07.11.2025 München, Zenith

Wenn SALTATIO MORTIS in München Halt machen, ist eines sicher: Es wird laut, es wird heiß – und es wird voll. Auch an diesem Abend strömt das Publikum zahlreich ins Zenith, um die Spielleute auf ihrer aktuellen „Weltenwanderer“-Tour zum 25-jährigen Bandjubiläum zu erleben. Zuvor dürfen jedoch die BAD LOVERZ ran, jenes schrille SaMo-Nebenprojekt, das einmalig auf dieser Tour als Warm-up fungiert und mit seinen augenzwinkernden Cover-Versionen bereits beim WACKEN OPEN AIR für Furore gesorgt hat.

Zu den BAD LOVERZ ist an dieser Stelle eigentlich genug gesagt. Live entpuppt sich das Projekt auch in München erwartungsgemäß als zuverlässige Stimmungsgarantie, vor allem für all jene, die zu leicht modifizierten Radio-Hits und anderen Klassikern einfach nur feiern oder mitgrölen wollen. Ein Hauch Schalmei in A-HAs „Take On Me“ oder etwas „Dudelsack“ in ROBBIE WILLIAMS’ „Angels“ – viel mehr eigene Note gibt es nicht. Die meisten Besucher stört das allerdings kaum: Spätestens beim Chorus von „Major Tom“ singt das Publikum in beeindruckender Lautstärke mit. Dass Alea alias Venice Steel sich zwischen den Songs in bester Bruce-Darnell-Manier durch die deutsche Sprache hangelt, gesanglich wenig überzeugt und die Musiker ihre Alter Egos bewusst überzeichnen, fügt sich konsequent ins Gesamtbild. Wenn ein paar lieblos zusammengezimmerte Cover-Versionen genügen, um eine Menge derart zu begeistern, darf man sich kaum wundern, wenn künftig seelenloses KI-Recycling die Hallen füllt, in letzter Konsequenz vermutlich sogar ohne echte Musiker. Auf der Strecke bleiben dann wohl jene Projekte, die Tiefgang, Mehrwert und echte Kreativität bieten. Schade.

Gegen 21:00 Uhr ist es soweit: Unter den ersten, donnernden Takten von „Finsterwacht“ betreten SALTATIO MORTIS die Bühne und verwandeln das Zenith unmittelbar in ein flammendes Spektakel. Der Opener schlägt mit wuchtigen Riffs und schweren Trommeln ein, während eine massive Feuerfront die Bühne in grelles Licht taucht und die Menge sofort in Bewegung setzt. Zwei Fackelträgerinnen in weißen Mönchskutten verstärken den ritualhaften Charakter des Auftakts. Das Bühnenbild folgt anfangs einem klar nordisch inspirierten Konzept und ist eine der größten Stärken der gesamten Show: Großflächige Darstellungen von Yggdrasil und Fenrir dominieren den Hintergrund, neonfarbene Akzente und detaillierte Requisiten runden das visuelle Arrangement ab. Selbst Aleas kunstvoll gestalteter Mikrofonständer fügt sich nahtlos in die Mythologie-Ästhetik ein. Bereits bei „Taugenichts“ verlässt er allerdings die Bühne, balanciert auf dem Grabengitter und begrüßt die ersten Reihen aus nächster Nähe.

Unterstützt von zwei Tänzerinnen gewinnt die ohnehin opulente Inszenierung zusätzliche Tiefe. Besonders bei „Schwarzer Strand“ entstehen eindrucksvolle, fast poetische Momente, als eine Tänzerin in einem weißen Kleid Alea umkreist und die Bühne in ein stilles Tanztheater verwandelt. „Feuer und Erz“ markiert daraufhin den gegenteiligen Pol: Wirbelnde Tücher, Funkenregen und dynamische Choreografien rücken das Element Feuer ins Zentrum. In „Heimdall“ erreicht der visuelle Bombast schließlich einen weiteren Höhepunkt, als die Tänzerinnen Feuerräder kreisen lassen und den Song in ein loderndes Finale führen. Mittendrin greift sogar Alea selbst zum Dudelsack. Einer der verbindendsten Momente des Abends folgt mit „Mittelalter“: Auf Aleas Bitte legen hunderte Menschen die Hände auf die Schultern ihrer Nachbarn und bewegen sich gemeinsam im Takt – ein eindrucksvolles Bild kollektiver Energie, das das Zenith für einige Minuten in ein lebendiges, geschlossenes Ganzes verwandelt. Und auch der Humor bzw. der Charme kommen bei SALTATIO MORTIS an diesem Abend nicht zu kurz: Bei „Rattenfänger“ lässt sich Alea im Drachenboot über die Menge tragen. Was als kühnes Spektakel beginnt, entwickelt sich zu einer ebenso holprigen wie unterhaltsamen Bootsfahrt, die das Publikum mit sichtlicher Freude begleitet. Im Rahmen der angekündigten Aktion „Kinder an die Macht“ zieht ein (urbayerisches) Kind namens Ludwig den nächsten Song aus einer Trommel – zur Freude vor allem der älteren Fans fällt die Wahl auf „Dessous Le Pont De Nantes“, das anschließend von Falk überraschend fehlerfrei und vollständig vorgetragen wird.

Der Endspurt gerät kraftvoll: „Prometheus“ und „Uns gehört die Welt“ entzünden die letzten Energiereserven, Feuerfontänen und Funkenexplosionen sorgen für zusätzliche Dynamik, und bei „Vogelfrei“ bebt das Parkett im Circle Pit. Für eine humorvolle Auflockerung sorgt das FINCH-Cover „Keine Regeln“, begleitet von Tänzerinnen in bunten Aerobic-Outfits, bevor „Für immer jung“ in eine andere Kerbe schlägt: Auf Schultern sitzend und gemeinsam singend verabschiedet sich die Menge langsam vom Abend. Für die Zugaben erscheint Alea im weißen Outfit, passend zum hell erstrahlenden Bühnenhintergrund. „Große Träume“ leitet einen ruhigen, fast feierlichen Ausklang ein, bevor „Spielmannsschwur“ das große Finale markiert. Funken, Feuer und die Rückkehr der Tänzerinnen runden den Auftritt ab. Als sich SALTATIO MORTIS schließlich Hand in Hand vor dem Publikum verbeugen, steht all das greifbar im Raum, was die Band seit Jahren auszeichnet: Energie, Nähe, Leidenschaft und der unerschütterliche Wille, jede Show zu einem Erlebnis zu machen.

Natürlich hat ein Abend dieser Größenordnung auch seinen Preis: Bei Aleas Gesang sitzt genau wie bei Venice Steel wahrlich nicht jeder Ton, und der farbenfrohe Mix verschiedenster Stilrichtungen könnte vor allem im Bereich des (Party-)Pop-Rock durchaus um ein paar Nuancen verschlankt werden. Die Folk-Instrumente wirken nicht erst seit Luzis Ausstieg eher wie eine angenehme Zugabe denn wie ein zwingender Bestandteil des Gesamtklangs. Dennoch bleibt festzuhalten, dass SALTATIO MORTIS auch mit „Weltenwanderer“ und einer spürbaren Rückbesinnung auf ihre Wurzeln problemlos große Hallen füllen – ein Trend, der sich mit dem angekündigten „Staub und Schatten“ erfreulicherweise fortzusetzen scheint.

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