CD-Review: Allegaeon - Apoptosis

April 2019

Besetzung

Riley McShane - Gesang
Greg Burgess - Gitarre
Michael Stancel - Gitarre
Brandon Michael - Bass
Brandon Park - Schlagzeug

Tracklist

01. Parthenogenesis
02. Interphase Meiosis
03. Extremophiles (B)
04. The Secular Age
05. Exothermic Chemical Combustion
06. Extremophiles (A)
07. Metaphobia
08. Tsunami And Submergence
09. Colors Of The Currents
10. Stellar Tidal Disruption
11. Apoptosis


Eine Apoptose ist eine Form des programmierten Zelltods, um die in einem Organismus nicht mehr benötigten Zellen zu entfernen. Das Ganze klingt erst einmal kompliziert (und ist es für einen Laien in Biologie wie mich auch). Selbes werden sich Laien im Metal wohl auch beim Hören der amerikanischen Technical-Deather ALLEGAEON denken: Ziemlich wirres Gefrickel, was da abgeht. So ist es vielleicht gar nicht mehr so abwegig, dass die Band ihr fünftes Album genau nach diesem biologischen Prozess benannt haben – „Apoptosis“.

Doch wer ALLEGAEON kennt, weiß, dass einen viel mehr erwartet, als reines Demonstrieren der technischen Fähigkeiten. Kaum eine Band schafft es, Melodie mit einer solchen Komplexität zu vereinen wie die Jungs aus dem verschneiten Colorado. Und obwohl mit Lead-Gitarrist Greg Burgess nur noch ein Mitglied der Originalbesetzung vorhanden ist, wirkt die Entwicklung der Band so natürlich, als hätte es nie einen Besetzungswechsel gegeben. Dazu trägt natürlich auch bei, dass Sänger Riley McShanes Growls eine ähnliche Stimmfarbe aufweisen wie die seines Vorgängers Ezra Haynes. Diese Entwicklung setzt sich auch auf „Apoptosis“ fort, das zwar etwas rudimentärer daherkommt (vor allem die orchestralen Elemente des Vorgängers „Proponent For Sentience“ wurden gestrichen), dabei aber nicht weniger episch ist.

Auf 57 Minuten Spielzeit erwartet den Hörer also, wie man es von ALLEGAEON kennt, eine ganze Menge Gitarrenkunst, Ohrwurmmelodien sowie ein tolles und stimmiges Zusammenspiel der Instrumente. Dabei fällt es schwer, einzelne Highlights herauszupicken, da das Gesamtwerk sehr homogen und stimmig wirkt, ohne repetitiv zu werden. So wirkt vom Bass-Intro des Openers „Parthenogenesis“ bis zum Outro des Titeltracks alles wie aus einem Guss. Die insgesamt etwas melodischere Herangehensweise bietet dem Quintett zusätzlich neue Wege der Entfaltung: Sanfte Clean-Vocals geben dem Hörer immer wieder kleine Verschnaufpausen, sei das im tollen „Extremophiles (B)“ oder im atmosphärischen „Tsunami And Submergence“. Allgemein geht McShanes Stimme in aller Spielfreude der Instrumente nicht unter. Ob hohe Screams oder tiefe Growls, schnelle oder eher schleppende Passagen, sein Stimmspektrum steht der Vielseitigkeit der Gitarrenfraktion in Nichts nach.

Letzten Endes sind es aber die Gitarristen Greg Burgess und Michael Stancel, die auch „Apoptosis“ zu einem unverkennbaren ALLEGAEON-Album machen. Die fast durchgängig im Up-Tempo gehaltenen Riffs und unzähligen Solos verbunden mit einer immer währenden Eingängigkeit, sorgen dafür, dass das Gefrickel nach einiger Zeit nicht nervtötend wird. Im Gegensatz entdeckt man über Albumlänge immer wieder tolle Spielereien. Obwohl es schwer ist, einzelne Passagen hervorzuheben, muss man dabei vor allem die vorab veröffentlichte Single „Stellar Tidal Disruption“ oder „Interphase Meiosis“ nennen, das gerade in seiner zweiten Hälfte mit einer tollen Aneinanderreihung von Gitarren- und Basssolos glänzt.

Auch die Produktion von Dave Otero ist sehr gelungen: Der Bass ist jederzeit präsent ohne zu dominant zu wirken, die Gitarren sind klar produziert und auch das dynamische und abwechslungsreiche Drumming von Brandon Park geht im Mix nicht unter. Was auf „Apoptosis“ leider etwas fehlt, sind kleinere Experimente, wie es auf „Proponent For Sentience“ der Fall war. Ebenso fehlt aufgrund der enormen Dichte und Komplexität ein richtiger Hit, wie es auf den Vorgängern beispielsweise „1.618“ oder „Gray Matter Mechanics“ waren.

Insgesamt sind ALLEGAEON auf „Apoptosis“ weniger pompös, lassen ruhigen Phasen mehr Platz und wirken etwas zielstrebiger als zuvor. Dabei kann man nach wie vor nur fasziniert zuhören, mit welcher Leichtigkeit Melodie und Komplexität verschmelzen und die Linie zwischen Tech- und Melo-Death verläuft. Klar, „Apoptosis“ ist kein Album, das man einfach beiläufig hören kann. Nimmt man sich aber die Zeit und taucht in die galaktischen Sphären der Amerikaner ein, so findet man einen Berg voll toller Riffs und Solos, bei dem allein der Anblick einen in Staunen versetzt.

Bewertung: 8.5 / 10

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