CD-Review: Blazing Rust - Line Of Danger

Besetzung

Igor Arbuzov - Gesang
Roman Dovzhenko - Gitarre
Serg Ivanov - Gitarre
Dimitry Pronin - Bass
Dym Nox - Schlagzeug

Tracklist

01. Let It Slide
02. Line Of Danger
03. Amidst The Furious Waves
04. Race With Reality
05. The Son Of Lucifer
06. Murder
07. Only To Burn
08. Crawling Blind


St. Petersburg ist nicht unbedingt als der Nabel der schwermetallenen Welt bekannt – dennoch wäre es töricht, anzunehmen, es gäbe dort keine (Underground-)Szene. Bester Beweis dafür sind BLAZING RUST, die derzeit dabei sind, sich als die heißesten Newcomer aus dem Land der Zaren zu etablieren. Bereits mit ihrem 2017 erschienenen Debüt „Armed To Exist“ zeigte die nur drei Jahre vorher gegründete Band, dass man auch in Russland weiß, wie amtlicher Heavy Metal nach traditionellem Rezept funktioniert. 2020 folgt mit „Line Of Danger“ die zweite Platte der Jungens, die erneut über das Pure-Steel-Sublabel Pure Underground Records in den Handel kommt.

BLAZING RUST entführen ihre Hörer ab dem ersten Ton von „Line Of Danger“ dank treffsicherem Songwriting direkt in die seligen 80er. Das Erste, was dabei ins Auge bzw. Ohr fällt, ist die herausragende Performance von Sänger Igor Arbuzov. Der spricht nicht nur überraschend gutes, weil absolut akzentfreies Englisch, sondern verfügt auch noch über die perfekte Stimme für eine Metal-Band der alten Schule. Zwar mag seine Stimmlage, die stark an Danny Rexon von Crazy Lixx erinnert, ihn kaum von anderen Vertretern der Zunft abheben, aber dafür fügt sich sein irgendwo zwischen Heavy und Hair Metal zu verortender Gesang perfekt in den traditionsbewussten Sound dieser Band ein.

Musikalisch bedienen sich BLAZING RUST dabei sämtlicher seit den 80ern für das Genre gültigen Stilelemente: Nummern wie der treibende Opener „Let It Slide“ sowie der als breitbeiniger Stadion-Rocker auftretende Titeltrack sind stark vom U.S.-amerikanischen Westküsten-Sound der Epoche geprägt. In Songs wie dem überraschend vielschichtigen „Amidst The Furious Waves“ oder „Crawling Blind“ flirtet die Formation dank singender Dualgitarren hingegen unverhohlen mit der NWOBHM und das leichtfüßige „Murder“ oszilliert zwischen klassischen Motörhead und alten Saxon. Es ist also kaum verwunderlich, dass die Russen mit ihrem zweiten Album dem Genre kaum etwas Neues hinzufügen. Wie so oft ist das aber auch hier kaum das richtige Kriterium. BLAZING RUST bieten ehrlichen Heavy Metal ganz im Stile ihrer Vorbilder und präsentieren ihn mit ebenso aufrichtiger wie ansteckender Spielfreude. Damit reiht sich die Band wunderbar zwischen all den ähnlich gearteten Formationen anderer Länder ein und muss sich vor Konkurrenten wie Ambush, Hitten oder Air Raid kaum verstecken.

Neben stilsicherem Songwriting überzeugen BLAZING RUST mit soliden instrumentellen Fähigkeiten. Die Leadgitarren fallen dabei vielleicht nicht ganz so spektakulär wie bei manch vergleichbarer Band aus – müssen sie aber auch nicht, denn die Gitarristen Roman Dovzhenko und Serg Ivanov punkten stattdessen mit gelungener Melodieführung und haben beide echt guten Ton in den Fingern. Minimalen Punkteabzug gibt es für den Sound von „Line Of Danger“, denn hier hat es der Hörer mit einer dezent rumpeligen Underground-Produktion zu tun. Das liegt aller Wahrscheinlichkeit nach am begrenzten Budget der Band und muss auch nichts Schlechtes sein – zumindest klingt die Platte so erdig, organisch und keineswegs überproduziert. Dennoch wäre mit einer etwas hochwertigeren Nachbearbeitung noch deutlich mehr aus diesen durchweg hochkarätigen Songs zu holen.

Jaja, alles, was BLAZING RUST hier machen, hat man so oder ähnlich schon mal gehört. Aber jetzt Hand aufs Herz: Heavy Metal klingt eben so. Dieses Rezept ist die letzten 40 Jahre nicht langweilig geworden und jedes Mal, wenn dann doch eine Band davon abweicht, beschweren sich sämtliche Tradionsmetaller – zu Recht – das Ganze würde dann zu „nu“, zu „progressiv“ oder zumindest nicht „old school“ genug klingen. Und an genau dieses Publikum richtet sich „Line Of Danger“. Entsprechend sollte auch dieser Band kein Strick aus all ihren offensichtlichen musikalischen Zitaten gedreht werden. Viel mehr ist die Tatsache zu honorieren, dass sämtliche Mitglieder dieser Band – von denen keines alt genug ist, um die Anfangstage des Metal mitbekommen zu haben – voll und ganz verstanden haben, was den Metal der alten Schule ausmacht. Somit liefern BLAZING RUST mit „Line Of Danger“ ein zeitlos gutes Heavy-Metal-Album ab, das sicher zu keiner Zeit Gefahr läuft, das Genre zu revolutionieren, aber jedem Fan dieser Musik alles bietet, was er kennt und liebt.

Bewertung: 7.5 / 10

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