CD-Review: Bullet Height - No Atonement

Besetzung

Sammi Doll – Gesang
Jon Courtney – Instrumente, Programming, Gesang

Tracklist

01. Fight Song
02. Bastion
03. Hold Together
04. Wild Words
05. Intravenous
06. Cadence
07. No Atonement
08. Break Our Hearts Down
09. Fever
10. Up To The Neck


Als sich die britischen Elektro-Progger Pure Reason Revolution 2011 ziemlich unvermittelt aufgelöst haben, war das ein großer Verlust für die anspruchsvolle und moderne Musik. Bis heute hat keine Combo diese beiden Welten derart gekonnt und mitreißend miteinander verbunden – und sich damit leider zwischen alle Stühle gesetzt.

Mittlerweile haben die beiden federführenden Songwriter wieder neue Projekte. Bassistin und Sängerin Chloe Alper gründete 2015 mit dem Multiinstrumentalisten Mat Collis die Band Tiny Giant. Gitarrist und Sänger Jon Courtney hingegen meldet sich jetzt mit seinem neuen Projekt BULLET HEIGHT zurück, für das er Sängerin Sammi Doll gewinnen konnte.

Schon beim Opener „Fight Song“, spätestens aber beim darauffolgenden „Bastion“ wird klar, wer bei Pure Reason Revolution das Sagen hatte. Beide Tracks hätten auch ziemlich gut auf deren letztes Album „Hammer And Anvil“ gepasst. Wüsste man es nicht besser, könnte man Sammi Doll in „Bastion“ glatt für Chloe Alper halten.

Stilistisch setzt Courtney, der alle Songs im Alleingang geschrieben hat, auf eine behutsame Weiterentwicklung des bekannten Sounds. BULLET HEIGHT klingen wie eine weniger progressive, dafür aber etwas düsterere und direktere Variante seiner Vorgängerband – mit einem starken Industrial-Einschlag. Erhalten geblieben sind hingegen die großartigen Melodien, die sich unweigerlich im Ohr festsetzen und nach wie vor zweistimmig vorgetragen werden.

Ohne Frage: Courtney hat im Grunde alle Qualitäten, die seine Musik seit jeher auszeichneten, zu BULLET HEIGHT herübergerettet. Nur die Abwechslung ist etwas auf der Strecke geblieben: Wo ein minimalistisches „Blitzkrieg“ oder ein episch-noisiges „Open Insurrection“ auf „Hammer And Anvil“ noch für angenehme Widerhaken und Verblüffung sorgten, läuft „No Atonement“ von vorne bis hinten ohne große Überraschungen durch. Die Songs klingen alle ziemlich ähnlich und setzen auf die stets gleiche Mischung aus Elektronik, Industrial-Noise, angedunkelter Atmosphäre und grell schimmernden Melodien. Das ist nicht schlimm, aber doch ein bisschen schade. Hier wäre mehr drin gewesen.

Dennoch: Wer die elektronischeren Songs von Pure Reason Revolution mochte, wird sich auch auf „No Atonement“ schnell heimisch fühlen, und manch eine Melodie gar vorhersagen oder schnell mitsingen können. Ob das ein Kritikpunkt ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mich jedenfalls unterhalten BULLET HEIGHT mit ihrem Debüt ganz hervorragend – und Melodien wie Jon Courtney schreibt sonst niemand!

Anspieltipps: „Bastion“, „Hold Together“

Bewertung: 8.5 / 10

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