CD-Review: Callejon - Fandigo

Besetzung

Bastian Sobzick - Gesang
Bernhard Horn - Gitarre
Christoph Koterzina - Gitarre
Thorsten Becker - Bass
Maximilian Kotzmann - Schlagzeug

Tracklist

01. Der Riss in uns
02. Utopia
03. Pinocchio
04. Hölle Stufe 4
05. Monroe
06. O
07. Das gelebte Nichts
08. Noch einmal
09. Mit Vollgas vor die Wand
10. Powertrauer
11. Mein Gott ist aus Glas
12. 11°19'0"N, 142°15'0"O
13. Nautilus
14. Fandigo Umami
15. People Are People (Depeche Mode Cover)
16. Callejon Is Dead


(Electronic Rock / Metalcore) Yeah! Ein neues CALLEJON-Album! Endlich wieder ehrlicher deutscher Metalcore ohne Kompromisse und Kommerz! OK, die Vorab-Songs waren eher mau, aber der Rest wird bestimmt super! Also schnell in den CD-Spieler damit … und dann das.

Tja, wie schreibt man eine Review zur neuen Platte einer seiner absoluten Lieblingsbands, wenn diese Platte so gar nicht dem entspricht, was man sich erhofft hat? Wenn sie einen ziemlich enttäuscht und verwirrt zurücklässt? Vielleicht fängt man am besten mit den positiven Seiten an: Ein Highlight hat „Fandigo“ auf jeden Fall, nämlich den Titelsong, der steht aber leider erst an 15. Stelle. Bis dahin ist es ein langer Weg durch Synthie-Pop, Singer-Songwriter-Ambitionen und schwülstigen Melodien und Texten.

Aber zurück zum Titelsong. Was für ein Monster! Brettharte Riffs treffen auf typische CALLEJON-Lyrics und Bastis unvergleichliche Stimme. Diesen Song durchzieht eine gewisse morbide Aura, die dem Stück etwas Einzigartiges und so von den Jungs noch nie Gehörtes verleiht. Die 6:32 Minuten verfliegen wie nichts und man ist sofort versucht, auf Replay zu drücken, um noch tiefer in diese Klangwelt einzutauchen. Die auf das Titelstück folgenden Songs „People Are People“ (Depeche-Mode-Cover) und „Callejon Is Dead“ zählen ebenfalls zu den besseren Seiten des Albums und machen richtig Lust auf mehr. Nur leider endet „Fandigo“ damit. Also zurück zum Anfang.

„Der Riss in uns“ dürfte vielen Fans sauer aufstoßen. Dass CALLEJON auch eine nicht zu kleine Emo-Seite haben, ist ja bekannt und Songs wie „Kind im Nebel“ sind zweifellos genial. Doch das was hier geboten wird, erinnert eher an schwülstige Hipster-Balladen aus dem Radio. Nur Sänger Bastian und eine Gitarre, dazu ein melancholischer Text. Klingt ja eigentlich ganz gut – und doch will keine rechte Begeisterung aufkommen. Solch ein Song als Album-Opener ist mehr als nur gewagt, vor allem wenn man sonst Bretter wie „Blitzkreuz“ oder „Wir sind Angst“ gewohnt ist.

Die Krönung des Ganzen sind aber „Powertrauer“ und „Mein Gott ist aus Glas“. Man guckt immer wieder aufs Cover, vergewissert sich, dass da wirklich CALLEJON steht und dass das auch wirklich die CALLEJON sind. Unglaublich weinerliche und schwülstige Texte treffen auf belangloses Pop-Songwriting. Unwahrscheinlich, dass Fans der ersten Stunde für dieses Album positive Gefühle entwickeln werden.

Was bleibt also zusammenfassend zu sagen? Sicherlich haben CALLEJON mit „Fandigo“ etwas radikal Neues gewagt. Doch das, was CALLEJON hier abliefern, ist eher als 180-Grad-Wende denn als Entwicklung zu sehen. Es bleibt zu hoffen, dass „Fandigo“ CALLEJONs „St. Anger“ war und als eine Art Katharsis gedient hat, damit sie auf dem nächsten Album wieder mehr nach sich selbst klingen.

Bewertung: 5 / 10

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