CD-Review: Corvus Corax - Cantus Buranus II

Besetzung

Castus Rabensang – Gesang, Dudelsack, Binjou, Schalmei, Bombarde, Cister, Trumscheit, Drehleier
Venustus Olere („Wim“) – Dudelsack, Schalmei, Zink
Tritonus der Teufel – Dudelsack, Schalmei
Hatz – Schlagwerk
Harmann der Drescher – Schlagwerk
Ardor vom Venushügel – Dudelsack, Schalmei, Trumscheit
Patrick der Kalauer – Davul, Pauke
Jordon – Dudelsack, Schalmei

Tracklist

01. Veritas Simplex
02. Miser
03. Custodes Sunt Raptores
04. De Mundi Statu
05. Ordu Languet
06. Vitium In Opere
07. Quid Agam
08. Causa Ludi
09. Ingordin et Ingordan
10. Magnum Detrimentum
11. In Orbem Universum
12. O Varium Fortune
13. Chou Chou Seng


Mit einem neuen Corvus Corax-Album verhält es sich eigentlich immer gleich: Freunde der mittelalterliche Musik werden ausnahmslos gut bis sehr gut bedient, während andere wahrscheinlich auch durch das 50. Album keinen Zugang zu dieser Musik finden. Beim Nebenprojekt der Berliner namens Cantus Buranus, welches nun seine Fortsetzung findet, sieht die Ausgangslage etwas anders aus. Wobei Nebenprojekt für diese Mammutarbeit der falsche Ausdruck wäre, denn wieder einmal haben sich Castus, Teufel und Co. in die Carmina Burana vertieft, um ihrem imposanten Erstlingswerk mit der gleichen Grundlage nun das I-Tüpfelchen aufzusetzen. Dabei könnte sich der Veröffentlichungszeitraum als günstig erweisen, denn u.a. dank Paul Pott’s Gesang in der aktuellen Telekom-Werbung scheinen wieder mehr Menschen zur Klassik und Oper zu finden. Metalfans wiederum kennen die klassischen Anleihen aus einem anderen Kontext von Bands wie Haggard und Opeth, wobei Corvus Corax diese natürlich um Dudelsäcke und Co. anstatt E-Gitarren bereichern.

So besitzt auch auf Cantus Buranus II jedes Stück seine eigene Identität, eine unverwechselbare Melodie oder einen besonders markanten Gesang. Der Gesang fällt generell sehr abwechslungsreich aus – mal einstimmig weiblich, mal einstimmig männlich und dann wieder mehrstimmige Chorpassagen. Als Solisten konnten Ingeborg Schöpf (Sopran) und Lothar Peters (Tenor) gewonnen werden, während die Band selbst mit dem Passionate Chor Berlin den Chor bildet. Die Melodien sind wiederum anders gestaltet als auf den mittelalterlichen Alben der Berliner, so dass selbst Gegner von Dudelsack und Schalmei nicht direkt abgeschreckt werden. Allerdings ist dies eine logische Konsequenz aus der Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg, das das Instrumentarium erweitert und für ein gänzlich anderes Hörerlebnis sorgt. Trotzdem erkennt man immer noch, dass es sich um eine Corvus Corax-CD handelt.

Es fällt schwer, eines der Stücke als besonders gut oder schlecht herauszustellen, da meiner Meinung nach hier das epische Gesamtwerk mehr als alles andere im Vordergrund steht, d.h. man wird entweder mit dem gesamten Album warm oder gar nicht. Einzelne Highlights sucht man jedenfalls vergebens. Im Booklet finden sich zu jedem Song die lateinischen Texte nebst deutschen Übersetzungen. Darin ist auch nachzulesen, dass sich viele Stücke durchaus mit tagesaktuellen Problemen beschäftigen. Allerdings wird diese Info an den meisten Gelegenheitshörern spurlos vorüber gehen und den eingefleischten Fans vorbehalten bleiben. Ansonsten ist die Musik größtenteils auch ausdrucksstark genug, um die zugrunde liegenden Themen wie Liebe, Hass und Kampf so zu präsentieren, dass die Aussagen des Textes ohne ein umfangreiches lateinisches Sprachverständnis wahrgenommen werden können.

Einzig und allein die Tatsache, dass man nach 2-3 Stücken an sich genug von der zweiten Cantus Buranus-Auflage hat und man selten den Punkt erreicht, an dem man unbedingt mehr hören will, stehen einer höheren Wertung im Wege. Ansonsten sind Corvus Corax handwerklich bereits seit Jahren über jeden Zweifel erhaben. Vielleicht treffen sie mit ihrer neuesten Veröffentlichung aber zufällig den jetzigen Zeitgeist und bekommen dadurch die Aufmerksamkeit, die diese Musikrichtung teilweise verdient.

Bewertung: 7 / 10

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