CD-Review: Disillusion - Alea (Single)

Besetzung

Andy Schmidt - Gesang
Sebastian Hupfer - Gitarre
Ben Haugg - Bass
Jens Maluschka - Schlagzeug

Tracklist

01. Alea


Tatsächlich eine Dekade ist es her, dass die Leipziger von DISILLUSION mit „Gloria“ wohl ihre bis dato beste Scheibe vorlegten; gespickt mit einer Fülle an Prog-Ohrwürmern wie dem Opener „The Black Sea“ oder „Don’t Go Any Further“ und „Save The Past“ präsentierte sich das sächsische Quartett in absoluter Hochform und überraschte mit einem durch und durch starken Album. Nach dessen Veröffentlichung folgten Jahre mit regen Besetzungswechseln und wenigen Konzerten sowie einigen Ankündigungen, dass DISILLUSION am Nachfolger von „Gloria“ arbeiten würden. Der ist noch immer nicht da, aber wenigstens eine neue Single namens „Alea“.

Der knapp zehnminütige Song wird eingeleitet mit einem smoothen, sehr basslastigen Part, zu dem sich nach und nach ein Gitarren-Riff gesellt, welches seine Steigerung mit dem Einsetzen der Drums findet. Die ersten drei instrumentalen Minuten versprechen einen gelungenen Prog-Hit, der weniger an „Gloria“ und mehr an die Anfangstage von DISILLUSION erinnert. Aber bereits in der ersten Hälfte von „Alea“ zeigt es sich, dass weder der Vorgänger noch das Debüt die Vorlage für das neue Schaffen von DISILLUSION darstellt, sondern irgendwie etwas anderes. Denn nachdem Andy Schmidt einsetzt, erhält „Alea“ kurze Zeit später einen langen entschleunigenden Moment, der deswegen deplatziert ist, weil zuvor keine nennenswerte Steigerung stattfindet. Jener Moment raubt dem Song die sich langsam aufbauende Atmosphäre, die schlussendlich aber im Keim erstickt wird. Selbst die drei Minuten vor Ende einsetzende Trompete kann nur schwach einen zu suchenden Höhepunkt unterstreichen.

Vielleicht ist es dem Umstand geschuldet, dass Andy Schmidt das letzte verbliebene Gründungsmitglied der Band ist, weswegen DISILLUSION anno 2016 anders als 2006 klingen – anders im negativen Sinne. Denn musikalischer Fortschritt ist besonders im Prog-Bereich keine Tugend, sondern oberste Voraussetzung. Die Leipziger hingegen legen mit „Alea“ einen Rückschritt hin, da lediglich drei von sieben Minuten tatsächlich fesselnd sind. Der Rest dümpelt zu lange mit unspannenden Samples und recht simplen Riffs vor sich hin, sodass „Alea“ eher nach einer Song-Idee anstatt dem Nonplusultra eines fertigen Liedes klingt. Enttäuschend, dass das erste Lebenszeichen von DISILLUSION nur ein „Alea“ ist.

Keine Wertung

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10 Kommentare zu “Disillusion – Alea (Single)”

  1. Jan

    Die Rezension finde ich persönlich ein wenig zu „hart“, aber im Großen und Ganzen muss ich auch sagen, dass ich mir bei den Vorleistungen der Band schon mehr erwartet hatte. Es ist zwar richtig, dass sich sehr viele Durchläufe lohnen, um das eine oder andere spannende Detail zu entdecken, aber auch beim Prog darf das etwas schneller gehen. Ich meine, wenn ich 20 x am Stück Justin Bieber höre, ist die „Gefahr“, dass etwas im Sinne von Ohrwurm hängen bleibt, schließlich auch recht groß ;)

  2. Sarah Punke Post Author

    Jan, guter Punkt! ;)

    Roman, den „Tenor anderer Rezensenten“ als allgemeingültige Wahrheit hinzunehmen, empfinde ich persönlich als etwas gewagt, da unüberlegt – wir sind doch keine Lemminge, die von der Klippe springen, weil das alle anderen auch so machen, sondern Menschen, die sich bewusst eine Meinung bilden können. Wenn meine nicht dem „Tenor anderer Rezensenten“ entspricht, weiß ich nicht, was das über mich oder die anderen aussagen soll; außer, dass verschiedene Menschen zu verschiedenen Meinungen gelangen. ;)

  3. Roman

    ach Sarah, so wars natürlich nicht gemeint. Habe bloß den Eindruck, dass du die Single vll nur einmal durchlaufen hast lassen :-)

    Ich als die hard Fan war beim ersten Hören auch ein wenig stutzig gewesen, so nach dem Motto „war das alles?“ doch schon allerspätestens beim dritten Anlauf bin ich bereits andächtig auf Knien gerutscht. Wer die Geschichte der Band kennt, bemerkt auch, dass die Lyrics wunderschön ausgearbeitet wurden. Die Musik ist über den Aufbau, die Atmosphäre und den wiedermal wundervollen Bassspuren samt Akustikgitarrenpassagen hin einfach nur erhaben. Nach zehn Jahren ein Wahnsinns Geschenk, aber da hilft es natürlich, wenn man seit über einem Jahrzehnt unsterblich in ein Album namens Back to Times of Splendor verliebt ist ;)

  4. Sarah Punke Post Author

    Nur „einmal durchlaufen hast lassen“? Also mein lieber Roman, ich bitte dich, du redest hier mit einer engagierten Redakteurin, die lange auf dieses Lebenszeichen der Band wartete – natürlich war mehr als ein Durchlauf drinnen! :D

    Um genau zu sein, müssen es mehr als zwölf gewesen sein, denn ich hörte „Alea“ 2h in Dauerrotation, nur leider nicht einmal annähernd mit dem Aha-Effekt, wie du ihn hattest – du Glücklicher! ;)

  5. Texta

    Ich war anfangs auch nicht gerade überwältigt. Nach 10 Jahren Wartezeit und Glorifizierung der letzten beiden Alben auch nicht verwunderlich. Ab einem gewissen Punkt habe ich mich auf den Song dann offen eingelassen und er hat gezündet, wie nur Disillusion Songs zünden können. Der kompositorische Aufbau und die damit verbundenen Lyrics entfalten eine Tiefe, eine Magie, eine Ruhe und Freude am Neubeginn („Arm wide open ready to dive“), die mich tief berührt und auch nach dem Ende des Songs in mir nachklingt. Die Trompeten heben das Ganze am Schluss auf eine fast transzendentale Ebene. Göttlich. Freu mich auf das Album.

  6. Sebastian Mack

    Ich hab mich wahnsinnig über dieses doch recht überraschende Lebenszeichen der Band gefreut – und freue mich noch mehr aufs Konzert am 17. November! :) Zum Song: Mein erster Eindruck war vor allem, dass Disillusion Anno 2016 ein wenig gewöhnlicher und milder klingen. Eher nach klassischem Progmetal, und auch vom Sounddesign her weniger außergewöhnlich als z. B. noch auf „Gloria“. Ohne Frage ist aber das magische DISILLUSION-Flair auch in „Alea“ vorhanden, und nach etwa drei Durchläufen kam ich zu der Gewissheit, dass die Jungs meiner Meinung nach einen echt tollen Longtrack abgeliefert haben.

    Was mich besonders begeistert ist die Tatsache, dass der Song sich trotz der 10 MInuten Spielzeit sehr schön aufbaut und wirklich eine Einheit, ein richtiger Song, ist. Denn viel zu oft werden im Prog Longtracks aus mehreren Versatzstücken konstruiert. Das ist bei „Alea“ definitiv nicht so, alles fließt wunderbar zusammen und mündet in diesem tollen Finale. Hier hätte ich mir nur noch gewünscht, dass die Trompeten noch etwas freier aufspielen, weniger die Rolle der Begleitung einnehmen, sondern vielleicht auch mal richtig soliert hätten.

    Toller Song, ich freue mich auf mehr davon!

  7. Sarah Punke Post Author

    Puh Jungs, meine Erwartungshaltung an das erste Lebenszeichen der Band scheint so dermaßen hoch gewesen zu sein, dass mir diese von euch als magisch beschriebenen Momente verwehrt geblieben sind – und es noch immer sind. Für mich passen eure Worte nicht zu dem, was ich höre. Aber hey, cool, dass es euch taugt! :)

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