CD-Review: Disillusion - Three Neuron Kings (EP)

Besetzung

Andy Schmidt - Gesang, Gitarre, Bass
Rajk Barthel - Gitarre
Jens Maluschka - Schlagzeug

Gastmusiker:
Torsten Klug - Klarinette

Tracklist

01. In Vengeful Embrace
02. Expired
03. The Long Way Down To Eden
04. Three Neuron Kings


DISILLUSION sind eine der bemerkenswertesten Bands Deutschlands und haben mit ihren beiden letzten Alben zwei ebenso unterschiedliche wie beeindruckende Werke geschaffen. Eher aus einer Laune heraus fügte ich meiner letzten Bestellung bei der Band noch die EP „Three Neuron Kings“ für schlappe sechs Euro hinzu. Viel falsch machen kann man mit einer CD, die den Namen DISILLUSION trägt sowieso nicht, warum also dann auch nicht einmal einen Blick in die frühe Schaffensperiode der Band werfen.

Das Booklet der Eigenproduktion aus dem Jahre 2001 sieht zwar etwas schlicht aber trotzdem edel aus und beinhaltet alle Texte der vier enthaltenen Songs, was bei den Leipzigern auf Grund deren lyrischer Klasse für mich fast unverzichtbar ist. Wo bewegte man sich also vor „Back To Times of Splendor“? „In Vengeful Embrace“ zeigt deutlich, wie reif diese Band damals bereits war, da das Songwriting nicht nur sehr durchdacht, sondern auch mitreißend wirkt. Viele typische Elemente des Nachfolgerwerks lassen sich hier schon erahnen, wie Akustikparts und die Vielseitigkeit der Stimme von Mastermind Andy Schmidt, der den Texten damit hervorragend Ausdruck verleiht. Technisch gibt es ebenfalls rein gar nichts zu mäkeln, zudem das ganze eine absolut zufriedenstellende Produktion erhalten hat. „Expired“ unterstreicht diesen Anspruch und ist zu einem meiner Lieblingssongs der Band geworden. Trotz hier noch nicht so ausgeprägter Unterstützung durch Keyboardspuren zaubert man tiefe, dunkle Gedanken, nahe an der musikalischen Perfektion, hervor. Langweilig wird es zu keinem Zeitpunkt, denn die Gestaltung der Songs, die sich noch im normalen Längenbereich befinden, ist so abwechslungsreich, aber trotzdem nachvollziehbar, wie man es sich nur wünschen kann. Vor allem hier und beim nachfolgenden „The Long Way Down To Eden“ hält man sich an einen Aufbau der Titel mit klar von den Strophen abgegrenzten Refrain, was die Klasse jedoch zu keinem Zeitpunkt schmälert, auch da eben diese sich auf allerhöchsten Niveau bewegen und einen schönen Gegensatz zum Rest der Songs bilden. Dieser hervorragende Eindruck wird auch nicht vom abschließenden Titelsong „Three Neuron Kings“ getrübt, der noch einmal die vielen Stärken der Band zeigt.

Wer „Back To Times Of Splendor“ mag, der sollte auf jeden Fall auch in die EP „Three Neuron Kings“ hineinhören. Man bewegt sich gewiss noch nicht ganz auf dem Level von DISILLUSIONs ersten Album, zeigte jedoch dort schon deutlich, was drei Jahre später dann zu hören sein sollte. Weniger komplex, ursprünglicher und mit geringerem Bombast liefert diese EP zwar kein absolutes musikalisches Breitwandkino, vermag aber trotzdem ebenso mitzureißen. Mit dem aktuellen Album „Gloria“ hat dies natürlich nicht viel zu tun, trotzdem ist diese Investition von gerade einmal sechs Euro für Freunde harter, progressiver Musik sicher eine sehr gute.

Keine Wertung

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