CD-Review: Disturbed - Believe

Besetzung

David Draiman - Gesang
Dan Donegan - Gitarre
Fuzz - Bass
Mike Wengren - Schlagzeug

Tracklist

01. Prayer
02. Liberate
03. Awaken
04. Believe
05. Remember
06. Intoxication
07. Rise
08. Mistress
09. Breathe
10. Bound
11. Devour
12. Darkness


Nur wenige andere Alben haben sich in diesem Jahr als ähnlich polarisierend wie das neue Werk der Combo aus Chicago erwiesen.
Schon Kollege Popp, welcher „The Sickness“ rezensiert hat, erkannte vollkommen richtig, dass es sich bei DISTURBED keinesfalls um eine weitere x-beliebige New Metal-Band handelt. In Anbetracht auf das mir nun vorliegende Album, „Believe“ wollte ich mir mit der Bezeichnung New Metal an sich jedoch gar nicht mehr so sicher sein. Natürlich haben Disturbed keine Death Metal-Scheibe oder eine Black Metal-Keule eingeprügelt, doch der Begriff, der sie mit fragwürdigen Genregrößen wie Linkin Park, P.O.D. oder Limp Bizkit gleichsetzt, ist meiner Meinung nach absolut ungeeignet. Doch was ist es dann? Heavy Metal? Oder „nur“ Hard Rock? Ehrlich gesagt muss ich sagen, dass ich es selber nicht so genau weiß. Als Stil habe ich weiter oben einfach nur „Metal“ angegeben, denn Disturbed bewegen sich hier an der Grenze eines neuen Genres, bzw. zumindest am Rande einer neuen Unterordnung. New Metal Elemente, wie man sie zumindest auf „The Sickness“ noch hören konnte, sucht man mittlerweile so ziemlich vollkommen vergebens. Kein DJ, keine Rapeinlagen – einfach pure Instrumente in angenehm frischer Form. Eine moderne Art von Heavy Metal, würde ich es nennen wollen.
Nun aber zu dem Inhalt der CD an und für sich.
Direkt der erste Song, „Prayer“, sorgt mit einem harten und erbarmungslosen Intro für wachsame Ohren. Das Stück ist die erste Video-Auskopplung aus dem Album, und eben besagtes, sehr gutes Video befindet sich auch auf dem Album. Doch weiter mit der Musik. Sänger David Draiman, der sich gesangstechnisch noch weiter verbessert und sich somit als einer meiner Lieblingssänger bewiesen hat, verpasst dem Song mit seinen schnellen, aggressiven Strophen einen härteren Touch, bevor es im Refrain dann ungewohnt, aber wunderschön melodisch zu Gange geht. Auf jeden Fall ein überzeugender Opener, der sowohl vom Text als auch vom Zusammenspiel der Gruppe her zu überzeugen weiß. Noch einmal möchte ich da auf das extrem gute Video hinweisen, das im Vergleich zu vielen anderen mal so etwas wie eine handfeste Message hat.Die volle Breitseite gibt es dann im zweiten Song, „Liberate“, welcher mich spontan an „Conflict“ vom Erstling erinnert hat. Ein vergleichsweise simpel gestrickter Song, der einfach durch Härte glänzen will und das auch tut. Textlich zeigt man sich nicht so ausführlich, dafür umso deutlicher.

„Awaken“ überzeugt ebenso von der ersten Sekunde an durch einen ausgesprochen energischen Riff, geht dann jedoch in eher ruhigere Strophen über, bevor es mit einem leicht eingängigen Refrain weitergeht.
Der Titeltrack. Scheinbar dachte David Draiman sich, dass das eine gute Gelegenheit sei, seine Möglichkeiten als Vokalist zu beweisen. Deswegen macht er das auch gleich in Form einer ziemlich tiefen Stimme, die zum eher langsamen Takt des Songs passt wie die sprichwörtliche Faust auf’s Auge. Der Chorus des Liedes ist dann widerum etwas kraftvoller, ohne dabei besonders hart zu wirken. Auf mich persönlich wirkt er einfach sehr positiv. Unbedingt reinhören, nach „Prayer“ schon der zweite Höhepunkt des Albums. Textlich wird hier besonders deutlich, was den textlichen roten Faden durch einen beachtlichen Teil des Albums zieht – Sichtweisen zu Gott und der Welt aus verschiedenen Blicken, das ganze oft relativ kritisch, ohne dabei jedoch auf unnötige und stupide Lobpreisung des Leibhaftigen zurückzugreifen. So muss das sein.Der zweite Track der mit einem Video bedachtet wurde ist „Remember“. Die ersten 8 Sekunden hört man bis auf einige leise Geräusche gar nichts, bis ein Mid-Tempo Riff vollkommen zu überzeugen weiß und den besten Song des Albums einleitet. Das Lied unterscheidet sich wie schon „Believe“ deutlich von dem alten Stil der Gruppe und überzeugt durch eine düstere, teils melancholische Atmosphäre. Der Refrain ist quasi in zwei Teile gegliedert, dessen erster hört man einmal alleine, beim zweiten Mal dann direkt vor dem zweiten Teil. Der Gesang Draimans und die Gitarre harmonieren wunderbar und erzeugen so ein absolutes packendes Stück Musik. Dürfte ich den Song einzeln bewerten, müsste ich 11 von 10 Punkten geben.

Für einen gewissen Kontrast wird hingegen am Anfang des sechtsen Liedes, „Intoxication“, gesorgt. Es geht unglaublich brachial los, bevor der Song sich dann langsam wieder mäßigt und in einen lässigen Refrain übergeht. Das Lied ist definitiv nicht schlecht, wenn man bedenkt was man bisher gehört hat, stinkt es aber doch geringfügig ab.

„Rise“ schlägt in die gleiche Kerbe, harte Saiteninstrumente läuten den Track ein und werden bald von extrem aggressivem Gesang des David Draiman begleitet. Strukturelle Ähnlichkeiten zu „Intoxication“ kommen auf, ohne, dass man von sich selber auffälig kopiert hat. Naja, sowas kennt man seit Black Sabbath, und denen wird heute auch gehuldigt ohne Ende. Der Song macht es allerdings ein wenig besser als der davor und geht nach dem harten Anfang eher entspannt weiter, als Bindung zwischen den Strophen kommt dann aber wieder der Anfangsriff zum Einsatz.

Track Nummer 8, „Mistress“ beginnt mit einem für Disturbed-Verhältnisse fast euphorischen Riff, diese Stimmung wird auch bis zum Ende beibehalten, teils in ruhigeren Phasen, teils in Phasen, die wieder auf der Anfangsmelodie aufbauen. Ein solider Song.

Eine Art Knackpunkt gibt es dann mit Lied Nummer 9 zu verbuchen. Der Anfangsriff hat durchaus Pepp, wird durch den wieder melancholisch angehauchten Gesang Draimans in ein anderes Licht gerückt, bevor es nach etwa einer Minute Spielzeit in einen wieder etwas energischeren Refrain übergeht.

Auch im zehnten Song, „Bound“, lässt Draiman seinen Gefühlen freien Laufen, jedoch in die komplett entgegengesetzte Richtung. Es geht mit einem kurzen Intro (nicht unbedingt wörtlich nehmen) los, bevor es dann mit einigen Schreien des Frontammes und einem verdammt fetten Riff weitergeht. Die Strophen verlaufen dann wieder etwas ruhiger,der Chorus hat eine aufbauende, motivierende Stimmung. Man kann förmlich spüren, wie David Draiman sich hinter dem Mikrofon auslebt. Sehr starker Track, der ins Ohr geht, da bleibt und auch nach längerer Zeit nicht anfängt zu nerven.

Einen etwas abstrakten Anfang legt „Devour“ los. Der Gesang ist erneut langsam und ein wenig…nüchtern, bevor er nach etwa 45 Sekunden mit einem Schrei in den Refrain übergeht, der tempo-mäßig wieder zulegt und eine ähnliche Wirkung wie jener von „Bound“ hat, wenn auch nicht ganz so intensiv. Ein leicht stampfendes Mittlestück verpasst dem Stück eine gut tuende Erfrischung. Die immer persönlicher werdende Note der Songs zeichnet sich fortwährend ab und endet schließlich im letzten Song des Albums.

„Darkness“ stellt eine astreine Ballade da, die von einer Akkustikgitarre und einem Klavier begleitet wird. Draiman stellt erneut unter Beweis, dass er sehr vielseitig einsetzbar ist und gar in einem Song vollkommen ohne laute und aggressive Einschübe perfekt klarkommt. Gegen Ende des Songs werden Akkorde auf der Gitarre verwendet, die dem Song einen gewissen dramaturgischen Aufschwung geben, es folgt der dezente Einsatz von Streichinstrumenten. Eine nette Ballade, sie gehört auf jeden Fall zur oberen Schicht, im Rock / Metal-Sektor hat man auch dieses Jahr jedoch schon sanfte Songs gehört, die einfach packender, ergreifender waren. Musikalisch ist dieser Song kaum besser umzusetzen, um eine richtige Ballade für die Ewigkeit zu werden, fehlt ihm jedoch das gewisse Etwas.

Trotz allem kann mein positiver Gesamteindruck dadurch nicht geschmälert werden. Wir haben es hier mit einem 1a-Album zu tun, dass Disturbed zumindest in Amerika entgültig zu einer großen Nummer auf Dauer gemacht hat. Warum die CD hierzulande so eine Bauchlandung gemacht hat ist mir nahezu unbegreiflich, handelt es sich für mich doch um eines der besten Alben des Jahres 2002.

Fans von „The Sickness“, die damals besonders am zum Thema passenden sicken Sound, dem dazugehörigen, teilweise vorkommendem Gegrunze und den psychotischen Arrangements Gefallen gefunden haben, sollten jedoch einmal Probe hören. Es hat sich viel getan und man hört der Scheibe deutlich an, dass die Mannen um den unglaublich überzeugenden David Draiman halten wollen, was sie in Interviews immer wieder sagen: „Bring back the Majesty of Metal“. Das alles mag sich stark nach den Kings of Metal anhören, bedenkt man auch noch, dass Disturbed von niemand anderem als Joey deMaio entdeckt wurden, könnten schon – für manche – schlimmste Befürchtungen aufkommen, doch diese seien beruhigt: Ein wenig Pathos ist zwar schon auf der Scheibe zu finden, mit dem Blade of Steel wird jedoch niemand niedergestreckt.

Bewertung: 9 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: